Weekend, Veedel Club Köln, 24.01.2018

KÖLN – Ausverkauft!“ hatte der Veranstalter nur wenige Stunden vor Konzertbeginn verkündet. „Es wird keine Karten mehr an der Abendkasse geben.“ Damit war Köln nach Stuttgart die zweite Station der „Keiner ist gestorben“-Tour, an welcher alle Konzerttickets restlos verkauft worden waren. Der Veedel-Club – eine kleine, familiäre Location im Herzen der Domstadt – hatte am 24.01.2018 zum Konzert von Rapper Weekend (eigentlich Christoph Wiegand) eingeladen. Zu einer ungewöhnlichen Uhrzeit, wie man meinen könnte, war der Veranstaltungsbeginn doch auf 19:45 Uhr datiert. (Man wollte dem Publikum wohl die Chance bieten, pünktlich zum Dschungelcamp wieder zu Hause zu sein.)

Den Anfang machte Supportact Pimf (eigentlich Jonas Kramski), welcher gemeinsam mit MC Grinch aus einer versteckten Tür hinter der Bar hervortrat und sich durch die Zuschauermeute den Weg auf die beschauliche, aber durchaus gemütliche Bühne erkämpfte. MC Grinch verschwand dabei hinter den Turntables und spielte die ersten Takte an, während Pimf gutgelaunt das Publilkum begrüßte. Die Frage, warum der DJ hinter seinem Pult ein Mikrofon in der Hand hielt und fröhlich als Backup fungierte, klärte sich schnell auf: „Grinch ist ursprünglich kein DJ. Er drückt da immer nur so ein paar Tasten, damit der richtige Song losgeht.“ Ein Applaus für diese Ehrlichkeit!

Pimf heizte das Publikum gut ein und wusste die Gäste des Abends – ein erstaunlich bodenständiges, ich vermöchte an dieser Stelle ausnahmsweise den zumeist unangebrachten Begriff des „Studenten-Publikums“ bringen, vermutlich im Schnitt um die Mitte 20 und sich von der Zuhörerschaft der 187 Straßenbande gänzlich unterscheidend – gekonnt zu unterhalten und spendieret per Frisbee-Wurf sogar ein paar Exemplare seines neusten Albums an diejenigen, die ihn und seine Musik noch nicht kannten.

Als gegen 20:35 Uhr DJ Upset – nun haben wir es mit einem waschechten DJ zu tun – auf die Bühne kletterte, ertönten die ersten, lauten Rufe nach „Rolf“. (Ein eingefleischter Weekend-Fan weiß schließlich, wie der Name des berüchtigten Plattendrehers und Scratch-Meisters, dem sogar ein eigener Song gewidmet wurde, lautet.) Auch der lang-gewachsene Weekend bahnte sich seinen Weg aus dem Backstagebereich hinter der Bar auf die Bühne. Hinter ihm folgte Backup Dobbo – und schließlich eine Show der Meisterklasse!

Mit Songs wie „Keiner ist gestorben“, „Ich will dass irgendwas kaputt geht“ und „Geld“ präsentierte der zweifach VBT-Gewinner aus Gelsenkirchen zu Beginn einen bunten Querschnitt aus Songs seines neusten Albums, das gleichzeitig auch den Namen der Tour bestimmte. (Die Rezension zum Album „Keiner ist gestorben“ kannst du hier nachlesen!) Rhythmisch einwandfrei, textsicher und jede Line auf den Punkt bringend. Alte Klassiker wie „FCKWKND“ blieben ebenfalls nicht ungespielt.

Auch die Nähe zum Publikum, welches diesmal nicht durch einen wuchtigen Wellenbrecher von der Bühne getrennt war, wusste er zu schätzen und unterhielt sich mit den Gästen des Abends zwischen seinen Songs wie mit einem alten Kumpel. Ein paar Hetzen gegen das Dschungelcamp, ein Schwank aus seinem Leben – der Gelsenkirchener ist seit kurzem stolzer Nichtraucher und klatscht außerdem trotz jahrelanger Bühnenerfahrung noch immer „falsch“ auf die 1 und die 3 – gefolgt von ein paar Erzählungen frei nach dem Weekendschen „Fickt euch“-Humor.

Schließlich hätte eigentlich auf der Bühne ein großes schwarzes Sofa stehen sollen, auf welchem er stilecht seinen Hit „Sofa King“ vortragen wollte. Außerdem sollte eigentlich eine kleine Lichtbox mit der Aufschrift „Weekend“ den Hintergrund schmücken, die jedoch zu grell für den kleinen Raum war und nun ausgeschaltet in einer hinteren Ecke stand. (Als Ersatz zierte den Bühnenrand nun eine große, alte Standleuchte.) Und eigentlich sollte das Konzert ursprünglich auch mal im Gebäude 9 auf der Schälsick, der anderen Seite des Rheins, stattfinden. Sprich: Eigentlich, ja eigentlich lief an diesem Abend in Vorfeld so ziemlich alles schief, was hätte Schieflaufen können, wie er sogleich mit dem Song – wer hätte es ahnen können – „Superheld ist ein Scheißjob“ unter Beweis stellte. Doch trotz all dieser Umstände verlor Weekend an keiner Stelle seinen ihn auszeichnenden Humor. Er war also quasi wie immer: Missgelaunt und die Welt zum Kotzen findend.

Zu „Life is a Bitch II“ forderte Weekend das Publikum auf, sich angemessen zu bewegen. Er selbst habe nämlich keinen Schimmer, wie man zu solch einem Beat tanzen solle. „Das sieht furchtbar aus, Köln. Ganz schlimm“, watschte er die Kölner Tanzkünste ab. Das ließ die Herzen, die das Banner des DJ-Pults nach alter „Sie haben nur noch ein Leben“-Spielermanier zierte, gleich höherschlagen.

Zum Ende des Konzerts folgte eine kleine Überraschung: Der Gelsenkirchener Rapper hatte zu jedem Tourstop einige seiner (VBT-)Battlerap-Kollegen eingeladen, um mit ihnen auf der Bühne spontan ein paar Bars aus dem Ärmel zu schütteln. Mit dabei war unter anderem Feature-Gast des Albums Sorgenkind, der neben circa acht weiteren Rappern auf der Bühne brillierte.

Screenshot - Weekend

(Das Bild stammt von Weekends Instagram-Profil. Alle Rechte sind ihm vorbehalten!)

Zum krönenden Abschluss fiel kurz vor Ende des offiziellen, fantastischen Konzertabends noch eine Musikbox neben dem DJ-Pult aus, sodass Weekend einen unbeabsichtigt frühen Abgang „vor der Zugabe“ machte. Doch dies tat der Stimmung des Konzerts keinen Abbruch. Einige Minuten später raffte Weekend mit DJ „Rolf“ Upset und Dobbo im Zugabeteil nochmals all seine Energie zusammen und zerstörte mit seinem Charterfolg „Schatz, du Arschloch“ sowie mit „Hi Chimperator“ den Club ein letztes Mal.

Bleibt nur zu sagen: Es war uns ein Fest! Nachdem Weekends Album in unserer Redaktion gleich mehrfach unter die Top 10 der „Alben des Jahres“ gewählt wurde, sollte man einen Live-Auftritt von Weekend unter keinen Umständen verpassen. Es lohnt sich!

Und so hört sich das Ganze an:

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