Unser Lied für Lissabon – Michael Schulte tritt beim Eurovision Song Contest 2018 für Deutschland an

Unser Lied für Lissabon

Der Song “You Let Me Walk Alone” von Michael Schulte ging am 22.02.2018 um 21:52 als Gewinner aus der Show “Unser Lied für Lissabon” hervor. Schulte wird somit am 12.05.2018 in Portugal gegen 25 andere Länder antreten und nach zwei letzten und einem vorletzten Platz in den drei vergangenen Jahren hoffentlich besser für Deutschland abschneiden. minutenmusik wird im Mai über die beiden Semifinals und das große Finale berichten.

Im Folgenden eine Nachlese zur Sendung “Unser Lied für Lissabon”:

Es geht wieder los! Der stets umstrittene, kontroverse und gleichzeitig größte Musikwettbewerb der Welt geht im Mai in die 63. Runde. Passend dazu werden gegenwärtig die nationalen Vorentscheids veranstaltet. Zweidrittel der Länder sind mit den Abstimmungen schon fertig, nun ist Deutschland an der Reihe.

Nachdem 2017 Salvador Sobral mit einem reduzierten Jazz-Stück namens “Amas Pelos Dois” den ersten Sieg für Portugal einheimsen konnte, zieht das Eurovision Song Contest-Team also nach Lissabon, um abermals 43 Künstler und Gruppen aus ebenso vielen Ländern willkommen zu heißen. 26 davon dürfen am 12.5. im Finale um den Titel kämpfen.

Deutschland hatte bisher zweimal das Glück und den passenden Song im Gepäck, um den Pokal mit nach Hause zu nehmen. Beide Siege waren Frauen zu verdanken – 1982 der 17-Jährigen Nicole und 2010 der 19-Jährigen Lena. Gehen wir nur von diesen Zahlen aus, könnte es mit dem Gewinn schwierig werden: gerade zwei der insgesamt sechs Teilnehmer im deutschen Finale sind weiblich und beide bereits älter als 20. Stattdessen scheint das Castingshowformat ein guter Garant für Sänger zu sein, so sind die beiden Teilnehmerinnen bei „Unser Lied für Lissabon“ Ivy Quainoo und Natia Todua Gewinner der Show „The Voice of Germany“ – die eine aus der ersten, die andere aus der letzten Staffel. Aufgestockt wird das Teilnehmerfeld mit dem aus der gleichen Sendung bekannt gewordenen Singer/Songwriter Michael Schulte, dem noch unbekannten Komponisten, Sänger und Produzenten Ryk, dem Münchner Newcomer Xavier Darcy mit britischer Abstammung und der fünfköpfigen Boyband voXXclub, die der Neuen Volksmusik zugeordnet wird.

Wie der Vorentscheid funktioniert, darf jedes Land individuell entscheiden. Da werden keine Vorgaben gemacht. Gerade in Norwegen und Schweden zieht sich diese Auswahl gern über Monate. Deutschland ist jedoch nicht so Grand Prix-freudig und beschränkt sich auf 105 Minuten bei der ARD. Trotzdem verändern sich die Strategien jährlich. Dieses Jahr gab es insgesamt 4000 Bewerbungen – das Interesse an dem Wettbewerb scheint zumindest von Seiten der Künstler vorhanden zu sein. Diverse Jurys haben 3994 aussortiert und am Ende sechs in die aus Berlin live gesendete Sendung geschickt.

Moderiert wird die Show von Linda Zervakis, die sonst bei der Tagesschau sitzt und Stefan Raabs bestem Homeboy Elton. Die mittlerweile altbackene Barbara Schöneberger darf also zuhause bleiben und die Moderation wird etwas verjüngt. Als Kommentator wird trotzdem das Urgestein Peter Urban eingesetzt – so viel Tradition muss sein.

Offensichtlich scheint der deutsche Durchschnittszuschauer nicht genug Ahnung vom Wettbewerb zu haben – erstmalig wird das Zuschauervoting auf 33% Entscheidungskraft reduziert. Ein weiteres Drittel stellt eine internationale Jury dar, die bereits im großen ESC-Finale in der Jury saßen oder selbst teilnahmen. Die letzten 33% sind das erstmalige sogenannte Eurovision-Panel und besteht aus 100 deutschen Fans des Wettbewerbs, die sich vorab für diesen Job bewerben konnten.

Nach einer kurzen Vorstellung und Begrüßung macht Natia Todua den Anfang und zeigt, dass leider zwei Dinge geblieben sind, die eigentlich auszutauschen gelten: schiefe Töne und langweiliges Pop-Gedudel. „My Own Way“ ist ein völlig uninspirierter Popsong ohne groß anzuecken und ohne groß aufzufallen – das ist fürs Radio voll ok, für den ESC aber Gift. Kennen die Veranstalter immer noch nicht die Regel, dass „Ganz nett“ die Garantie für den letzten Platz ist? Den hat Deutschland doch oft genug gesehen, oder?

„Unser Lied für Lissabon“ setzt auf Kontraste und bietet mit dem zweiten Kandidaten Ryk eine sehr emotionale, kühle und klassisch-angehauchte Klavierballade. „You And I“ ist nicht weniger als mit das Anspruchsvollste, was die letzten zehn Jahre im deutschen Vorentscheid zur Auswahl stand. Leider ist ein Stück in Moll, das ungewöhnliche Harmonien aufweist, nicht unbedingt der sichere Gewinner bei einem Wettbewerb, in dem man in drei Minuten völlig überzeugen und den Geschmack unterschiedlichster Länder treffen muss. Immerhin reagiert ein Teil des Publikums mit Szenenapplaus und Standing Ovations.

Der Kontrast wird fortgeführt, indem voXXclub mit ihrem „I Mog Di So“ für ordentlich Stimmung sorgen. Auch hier steht ein Teil des Publikums auf, applaudiert euphorisch – eine andere Ecke hingegen buht. Volksmusik ist zwar für die passende Lokalität und unter dem passenden Einfluss flüssiger Substanzen wohl unentbehrlich, aber für den breiten Zuhörer dann häufig doch zu… nennen wir es „edgy“. Auffällig ist es definitiv.

Titel vier lautet „Jonah“ und wird von Xavier Darcy präsentiert. Der folkige Track erinnert an Mumford & Sons, ist eingängig und gibt dem Wettbewerb eine weitere musikalische Note. Fast jedes Jahr gibt es mindestens eine ähnliche Nummer im internationalen Finale – warum also nicht mal aus Deutschland? Sympathischer Typ, der handfeste Mucke macht.

Ivy Quainoo ist wohl der bekannteste Name in der Runde. Startnummer fünf bietet mit „House On Fire“ eher das Gegenteil von dem, was der Titel verspricht. Der gut produzierte Pop-Rocker geht und kommt ohne wahrgenommen zu werden. Man hat ein wenig das Gefühl, dass das Ideenreichtum bei der Hälfte auf der Strecke blieb. Trotz Feuerelementen und treffsicherem Stimmvolumen musikalisch die größte Enttäuschung des Abends.

Abgeschlossen wird die quirlige Runde mit Singer/Songwriter-Pop von Michael Schulte, der in seinem Lied „You Let Me Walk Alone“ den Tod seines Vaters verarbeitet. Das Thema wird natürlich im Einspieler ausgiebig vorgestellt. Da wurde wohl etwas zu viel DSDS geguckt – anders lässt sich das Ausspielen der Schicksalskarte nicht erklären. Der Song selbst braucht aber wohl diese aufgeplusterte Aufmerksamkeit. Das reduzierte Stück dient womöglich gut als Abspann eines Til Schweiger-Films, aber nicht bei dem hier besprochenen Format.

Danach darf abgestimmt werden. In der Pause wird der ESC-Boss Jan Ola Sand kurz interviewt und der  grade volljährige Nachwuchsstar Mike Singer als Zwischenact eingesetzt, der – große Überraschung – bei “The Voice Kids” teilnahm. Einige Schnelldurchläufe später…

…wird das Punktesystem vorgestellt! Jede der drei Jurys verteilt fünf, sechs, sieben, acht, zehn und zwölf Punkte – fünf für den Song, der ihrer Meinung nach am schlechtesten war, zwölf für den beliebtesten.

Hier die Punkte im Einzelnen:

Eurovision-Panal:

5 für Natia Todua, 6 für voXXclub, 7 für Ivy Quainoo, 8 für Xavier Darcy, 10 für Ryk, 12 für Michael Schulte

Internationale Experten:

5 für voXXclub, 6 für Natia Todua, 7 für Ivy Quainoo, 8 für Ryk, 10 für Xavier Darcy, 12 für Michael Schulte

Zuschauer-Voting:

5 für Ryk, 6 für Natia Todua, 7 für Xavier Darcy, 8 für Ivy Quainoo, 10 für voXXclub, 12 für Michael Schulte

Damit gewinnt Michael Schulte mit der maximal möglichen Punktzahl, nämlich 36. Zum Ende der Show darf Schulte seinen Song erneut vorstellen und sich feiern lassen. Das Publikum reagiert gemischt und wirkt nicht so richtig überzeugt. Ebenso der Autor. Und damit ist die erste minutenmusik-Prognose: Das wird wieder nix dieses Jahr, liebes Deutschland!

Und so hört sich der Gewinnersong an:

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