Audio88 & Yassin – Todesliste

Review: Audio88 & Yassin setzen hinter 11 der 13 Punkte ihrer "Todesliste" einen Haken. Zwei Songs wollen aber nicht so wirklich überzeugen.

Team Normal ist zurück und hat eine „Todesliste“ im Gepäck. Auf der: Namen von Mitläufern und innovationsarmen Newcomer*innen, von Dieter N*hr und Alice W**del. Doch geraten Audio88 & Yassin auf ihrem fünften Album in eine Wiederholungsschleife?

„WUP“ gibt als „Schellen“-Kopie eine eindeutige Antwort: Zu ähnlich sind die Perspektiven, zu vorhersehbar die ironischen Überzeichnungen, zu offensichtlich live-tauglich Beat und Mitgröhl-Hook. Dem Himmel sei Dank – es regnet Rapper-Pisse – setzen die 12 restlichen Songs zum Gegenbeweis an. Der gelingt bis auf eine Ausnahme.

Haltung zeigen

„Garten“ mit Ex-SXTN-Mitglied Nura macht als ebenfalls eingängig-partyträchtiger Song schon vieles besser als das plakative „WUP“. Die Melodien sitzen, die Bezüge zum Albumkontext ebenfalls, die zugespitzten Lines eh. Geht doch! Knapp 40 Minuten zuvor eröffnen „Schlechtes Gewissen“ und „Plus 1“ das Todeslisten-Narrativ. Schon hier zeigt sich: Audio88 & Yassin stellen neben die obligatorischen Verbalschellen in Richtung Rap-Kolleg*innen – Rap ist eben doch kein „Fließbandjob“, wie Tarek K.I.Z in der Hook des gleichnamigen Songs beteuert – nun vermehrt konservative und rechte Feindbilder.

Eine klare Haltung nehmen die zwei Wahlberliner seit jeher an. „Todesliste“ fängt gesellschaftliche Aushandlungsprozesse jedoch so unmittelbar ein wie keines seiner Vorgängerwerke. Und sendet eine klare Message: Ab auf die Liste mit dem Schmutz. Sei das in einem Song wie „Vater Mutter Kind“, der ungeschönt das Spannungsfeld zwischen familiären Hintergrund und dem Umgang mit diesem nachzeichnet, der Diskurs um die Privilegien des „alten weißen Mannes“ („WUP“) oder das Aufwachsen in gesellschaftlichen Strukturen, die Rechte zumindest dulden („Cottbus“) und rechtem Terror nur halbherzig nachgehen („Lauf“). 

Der Rucksack in der Ecke

Nah am Zeitgeist ist auch die facettenreiche Produktion, die einem pointierten Monstrum von Song wie „Kein Regen“ erst seinen Biss verleiht, in „Lauf“ die 808’s auf Anschlag dreht und den Rucksack immer häufiger in der Ecke verstauben lässt. Doch keine Sorge Hip-Hop-Heads: Ein Autotune-Feuerwerk ist die „Todesliste“ lange nicht. Und Stücke wie „Freunde“ und „Klingelton“ trainieren den Nacken weiterhin ordentlich.

Neues bringt „Todesliste“ also doch. Trotzdem lässt das fünfte Audio88 & Yassin-Album Zuhörer*innen leicht unbefriedigt zurück, denn „Ende In Sicht“ wird mit seinem offenen Frühlingssound nach dem Energie-Feuerwerk „Garten“ mehr als Zugabe wahrgenommen denn als würdiger Abschluss. Das ärgert gerade deshalb, weil der Song – Yassin referiert über das unabdingbare Ende der Menschheit – für sich alleine wunderbar funktioniert. Immerhin: Hinter 11 von 13 Stichpunkten lässt sich gewissenhaft ein Haken setzen.

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