Chris James – The Fear of Missing Out

Review von Chris James Album "The Fear Of Missing Out".

The Fear of Missing Out„, also die Angst, etwas zu verpassen, ist für viele von uns ein bekanntes Problem. Von der Pandemie entschleunigt hat sich die Angst bei vielen gelegt. Bei anderen wiederum wurde sie stärker, als Unternehmungen und Events auf einmal wieder möglich waren. Doch die Angst, außen vor zu bleiben, muss sich nicht immer nur auf soziale Aktivitäten oder die Interaktion mit Freund*innen beziehen. Auch wenn man den Großteil seines Lebens am gleichen Ort – in der gleichen Stadt – verbracht hat, stellt sich irgendwann die Frage, welche Möglichkeiten es sonst noch gibt und welche Türen sich in anderen Städten öffnen könnten, wenn man die eigene Haustür hinter sich lässt…

Genau mit diesem Thema hat sich der deutsch-amerikanische Singer-Songwriter Chris James auf seinem neuen Album beschäftigt. Passenderweise „The Fear of Missing Out“ betitelt, befasst sich das zweite Album des Sängers mit den Höhen und Tiefen auf der Suche nach dem eigenen Platz in der Welt. Dass Chris James an mehreren Plätzen erfolgreich sein kann, bewies er bereits in den vergangenen Monaten: neben seiner eigenen Musik, die er selbst schreibt und komponiert, war er im vergangenen Jahr auch als Co-Writer für zwei der aktuell erfolgreichsten K-Pop Bands tätig: BTS („Life goes on„) und TXT („Eternally„). Doch damit nicht genug: auch als TikTok Creator ging er viral und begeistert seine Zuschauer nun regelmäßig mit unterhaltsamen Videos wie kreativen Coversongs, denen er einen neuen Text verpasst. So veröffentlichte er beispielsweiseDriver’s Licence“ von Olivia Rodrigo in einer Version ohne Führerschein oder eine deprimierende Version des Pokémon Intros.

Aber zurück zum Album: während Chris James sonst für seinen bunten Output an kreativen Ideen steht, geht „The Fear of Missing Out“ eher auf Nummer sicher. Unerwartete Genre-Experimente sucht man auf der Platte vergebens. Stattdessen bewegt der Singer-Songwriter sich hauptsächlich in der Komfortszene seines Genres. Das Album wirkt dadurch etwas monotoner, als es hätte sein müsste, schafft aber auch ein rundes Bild zum immer gleichen Trott, aus dem es auszubrechen gilt. Songs wie die Single-Auskopplungen „Will I See You Again“ und „Hey It’s Me“ bestechen dabei durch ihren leichten 80’s Vibe und bringen trotz ihrer ernsten Texte eine unterhaltsame Leichtigkeit mit sich. In seinen Lyrics verarbeitet Chris James nicht nur die Art Liebeskummer, die das erste Kribbeln und die damit verbundene Ungewissheit oft mit sich bringen, sondern greift auch komplexere Themen wie den gesellschaftlichen Druck, Social Anxiety und Panikattacken auf („Alone on a Friday„).

Ein Song, der aus der Masse heraussticht, ist „4AM Magic„, zu dem es auch ein äußerst unterhaltsames Musikvideo gibt. Thematisiert wird hierbei die Magie um vier Uhr nachts – einer Zeit, zu der ganz oft die verrücktesten Ereignisse und besten Geschichten entstehen. Musikalisch untermalt wird diese Unbeschwertheit von einem amüsanten Pfeifen und einem raffinierten Refrain, der im Ohr bleibt.

Mit „The Fallout„, zu dem es auch eine wunderschöne Akustikversion auf dem Album gibt, verpackt Chris James die Fehler seiner Vergangenheit und die Chancen der Zukunft zu einer Ballade mit gemütlicher Lagerfeueratmosphäre. Der Blick in die Zukunft hat hier vor allem einen ganz bestimmten Hintergrund: nachdem der Sänger die meiste Zeit seines Lebens in der Nähe von Düsseldorf verbrachte, entschied er sich während der Pandemie, nach Berlin zu ziehen. Ein Entschluss, der sein Leben natürlich völlig auf den Kopf stellte, aber auch eine bedeutsame Inspiration für neue Musik lieferte. Den Ortswechsel thematisiert er vor allem im letzten Track des Albums – „Happy Ending„.

Sieben neue Songs, sowie zwei Akustikversionen, sind auf „The Fear of Missing Out“ zu finden, wodurch das Ganze eher noch wie eine EP, statt wie ein ganzes Album wirkt. Beschrieben wird die Musik vor allem als „Bedroom-Pop“ – eine Indie-Kategorie, der auch Künstler*innen wie Jeremy Zucker oder Clairo angehören. „Bedroom Pop“ wird im heimischen Schlafzimmer aufgenommen und produziert. Einblicke in diesen Prozess liefert Chris James dabei auch reichlich auf seinen Social Media Kanälen. Wir freuen uns sehr, dass die Songs das heimische Schlafzimmer nun endlich verlassen durften und auf die Welt hinausgelassen werden. Die Angst, etwas zu verpassen, ist hier jedoch nur bedingt gegeben. Fans von ehrlicher Pop-Musik und dem Singer-Songwriter Genre legen wir „The Fear of Missing Out“ dennoch ans Herz.

 

So hört sich das an:

Instagram / YouTube / Facebook / TikTok

Die Bildrechte liegen bei BMG.

* Affiliate-Link: Du unterstützt minutenmusik über deinen Einkauf. Der Artikel wird für dich dadurch nicht teurer.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.