Compilation: Various Artists – Bravo Das Beste! 100 Hits Aus 100 Bravo Hits

Bravo Das Beste

Am 21.4.1992 ging die erste „Bravo Hits“ an den Start. Zunächst als Einzel-CD mit den beliebtesten 16 Songs versehen, die von den Lesern des erfolgreichsten Jugendmagazins gewählt wurden. Aus der Idee entwickelte sich bereits bei Ausführung Zwei die bekannte Doppel-CD. Die Anzahl der Titel steigerte sich bis zu 46 Stück. Seit dem 16.2.2018 und somit nicht ganz 26 Jahre später steht die 100. Ausgabe im Elektrofachgeschäft und stellt damit eine absolute Ausnahmeerscheinung dar. Welche Compilation kann von sich behaupten so viele Ausgaben produziert zu haben und auch nach 26 Jahren anscheinend Profit mit der gleichen Idee zu machen?

Für die Generation Z, die sich gerade fragt „What the fuck ist eine Compilation?“: es handelt sich hierbei um eine CD (dieses runde, genormte Ding, das von unten meist silberfarben ist und wodrauf sich in diesem Fall Musik befindet) mit einer beliebigen Songanzahl von unterschiedlichen Interpreten. Bei Compilations – oder auch Sampler genannt – werden die Titel nach einem bestimmten Konzept zusammengesucht. Das Konzept der „Bravo Hits“ war stets möglichst aktuell und trendy zu sein und gleichzeitig einen breiten Hörerkreis zu erreichen. Das hat besonders in den 90er Jahren hervorragend funktioniert, da man einen guten Umfang an Tracks bekam, die gerade so „bekannt durch Funk und Fernsehen“ waren. Eine andere Idee als Musik zu kaufen, gab es nämlich nicht. Somit waren die „Bravo Hits“ in den ersten 30 Ausführungen in nahezu jedem Haushalt mit einem Teenager oder trendbewusstem Menschen zu finden und liefen im Auto, Zuhause und auf Hauspartys. Das änderte sich schlagartig, als mit den 2000ern das sagenumwobene Internet die Möglichkeit bot, Musik illegal zu erwerben bzw. CDs auf anderen Rohlingen zu vervielfältigen.

Dieser Trend wird natürlich gegenwärtig durch Streamingdienste ins Extreme manövriert. Frage an alle unter 20-Jährigen, die diesen Artikel hier lesen: habt ihr jemals eine Compilation gekauft? Kennt ihr die „Bravo Hits“ überhaupt? Falls nicht, gäbe es jetzt eine gute Option, eine etwas besondere „Bravo Hits“ zu ergattern! Mit „Bravo Das Beste! 100 Hits aus 100 Bravo Hits“ bekommt man nämlich seit dem 16.3. das, was der Titel verspricht: 100 Hits aus insgesamt 100 Ausgaben, konsequent aufgeteilt auf fünf Tonträgern in chronologischer Reihenfolge.

Der Sampler schreckte nie vor den unterschiedlichsten Musikrichtungen zurück. Das, was in den Charts war, war auf den Scheiben – Sprache oder Musikgenre unabhängig, beim Newcomer angefangen bis zum etablierten Megastar. Nichts war zu peinlich. Die Plattenfirma bezeichnet die hier rezensierte Sonderausgabe als Limited Edition und setzt sich damit irgendwo selbst ein Denkmal – zurecht! Anlass genug, mal wieder Musik zu KAUFEN? So oder so darf sich das „Bravo“-Team ruhig mal feiern. In einer schicken Pappschatulle befinden sich fünf kleine Papphüllen, die alle 100 Cover im Kleinformat abbilden. Das beigelegte 16-seitige Booklet stellt sogar jeden einzelnen Titel in „Bravo“-Manier vor und begründet kurz die Auswahl. Verschönert wird das Ganze mit einigen Fotos der Interpreten.

Man kann bei einer Compilation, die sich an den aktuellen Hitparaden orientiert, nicht mit dem Argument kommen „Ich mag xx Lieder gerne, yy finde ich aber doof“. Eine Milchmädchenrechnung, die nicht aufgeht. Pop ist und bleibt facettenreich. Stattdessen sollte eher geguckt werden, ob das Konzept funktioniert und durchgezogen wird. Dafür einige Fakten:

Unter den 100 vorzufindenden Hits waren 55 Titel Platz 1 der Media Control Charts. Insgesamt 79 waren unter den Top 3. 96 schafften die Top 10. Damit sind lediglich 4% der 5 CDs Titel, die eben nicht zu den zehn erfolgreichsten Songs in einer Woche gehörten. Jeder Künstler und jede Band sind maximal einmal vertreten (zu den Ausnahmen später mehr). Die Songs sind fast ausschließlich Radio Versionen, so wie der Titel auch Erfolg hatte.

Lady GaGa, P!nk, Backstreet Boys, Ed Sheeran, Justin Timberlake, Amy Winehouse, No Angels, Justin Bieber, Sia, Robbie Williams, Coldplay, Bruno Mars, Britney Spears, Shakira, Tokio Hotel – alle sind dabei. Dazu einige One-Hit-Wonder, von denen man eher den Titel als den Künstler erwähnen sollte. Beispiele? „Mambo No. 5“, „Big Big World“, „Gangnam Style“, „Lemon Tree“, „Teenage Dirtbag“, „We No Speak Americano“, „The Ketchup Song“, „Despacito“. Wem das hier alles zu bunt ist, muss wohl einen großen Bogen um die Platte(n) machen. Wer jedoch irgendwie daran interessiert ist, eine kleine Zeitreise durch 26 Jahre Musik zu machen, war wohl nie besser bedient, da es diese Hitdichte in der Form selten, vielleicht sogar nie gab. Jeder, der nur ab und an Radio hört, dürfte wirklich jeden Track kennen. Ja, wirklich jeden.

Bevor wir uns hier in Lobeshymnen überschlagen: ein paar Abzüge in der B-Note gibt es dann doch. Völlig unnötig gibt es zwei Songs nur in blöden Remix-Versionen („Warum“, Tic Tac Toe; „Photograph“, Ed Sheeran), die aber – das wiederum muss man zur Rechtfertigung sagen – so auch schon auf den damaligen „Bravo Hits“-Ausgaben vertreten waren. Generell handelt es sich konsequenterweise nur um Songs, die auch schon auf den „Bravo Hits“ waren und nicht einfach um die 100 „besten“ Songs der letzten 26 Jahre. Trotzdem ist es gerade bei „Warum“ schade, da dieser Remix nicht mal kommerziell erfolgreich war. Ein Tausch wäre durchaus möglich gewesen, wie “Whenever, Wherever” von Shakira unter Beweis stellt, das auf „Bravo Hits 37“ in einer alternativen Version und nun, so wie es auch soll, als Radio Version zu hören ist. Warum nicht auch mit Tic Tac Toe? Zusätzliche Auffälligkeiten sind, dass Ville Valo als Solokünstler im Duett mit Natalia Avelon („Summer Wine“) und mit seiner Band HIM („Join Me“) einen Song beisteuern darf und sich Felix Jaehn sowohl mit eigenem Titel („Ain’t Nobody“) als auch mit zwei Remixen („Cheerleader“, Omi; „Photograph“, Ed Sheeran) gleich drei Mal feiern lässt, was mit einem Auge zugekniffen irgendwo noch klargeht, da es nicht alles seine eigenen Tracks sind. Unter einem Hit versteht man aber wohl ohne Frage, dass jeder den Track kennt und das Lied Erfolg hatte. Erfolg misst sich durch Verkaufszahlen und Chartplatzierungen. Demnach haben die vier Lieder, die eben nicht in den Top 10 waren, auch auf dieser Best Of keine Daseinsberechtigung („Kiss From A Rose“, Seal, „Durch die Nacht“, Silbermond; „No Diggity“, Blackstreet feat. Dr. Dre; „7 Days“, Craig David) – ob das nun gute Songs sind oder nicht, soll hiermit nicht beurteilt werden. Dennoch dürfte die Auswahl der 100 Titel nicht leichtgefallen sein. Wählt ihr mal nur einen Song von ca. 40 aus und gerade mal ungefähr vier aus einem Jahr! Beispiel: Silbermond sind mit „Durch die Nacht“ auf der 3. CD dabei. Natürlich wären einige andere Songs der Band passender gewesen, weil erfolgreicher. Allerdings wäre dann an anderer Stelle vielleicht ein Nummer 1-Hit flöten gegangen. Gilt also die Devise, lieber jeden wichtigen Künstler einmal als gar nicht auszuwählen? Oder doch immer den größten Hit jeder „Bravo“-Ausgabe? Knifflig, knifflig! Es bleibt jedoch ein wenig schade, dass ein paar wichtige Künstler, die gern die „Bravo Hits“ verschönerten, komplett fehlen (z.B. Spice Girls, James Blunt, David Guetta, Adele, Roxette, Beyoncé, Rihanna, Sam Smith).

Nichtsdestotrotz fällt unser Fazit ganz klar aus: irgendwie hat man mit „Bravo Das Beste! – 100 Hits aus 100 Bravo Hits“ das Gefühl ein Stück Popgeschichte in Händen zu halten. Bis auf stark überschaubare Ausnahmen, ist den Machern des Samplers das Ergebnis gut geglückt. Feier dich, liebe „Bravo Hits“! Das hast du dir verdient. 100 wirst du nicht noch einmal und 200 wirst du auch nicht, das kann mit Sicherheit gesagt werden. Du machst dich so jedenfalls ganz wunderbar im CD-Schrank – der Ort, wo du 1992 angefangen hast.

Und so hört sich der erste Song des Samplers an:

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