Ed Sheeran – Subtract

Ed Sheeran - Subtract

Über ein Jahrzehnt hat Sänger Ed Sheeran an den Songs für sein mittlerweile sechstes Album „Subtract“ gearbeitet – und am Ende doch alles wieder verworfen. Eine Reihe von Vorkommnissen habe sein Leben, seine mentale Gesundheit und die Art, wie er auf Musik blickt, so stark verändert, dass er das Konzept seines Albums komplett ändern müsse, teilte der Brite in einem sehr nachdenklichen Video auf TikTok und Instagram mit. Die Folge: 14 neue Songs, die der Sänger teils innerhalb einer Woche geschrieben und gegen die anderen Lieder ausgetauscht hat. Ein Akustikalbum, das, wie Ed Sheeran selbst sagt, seine tiefsten und dunkelsten Geheimnisse widerspiegelt.

Und bereits der Opener „Boat“ gibt eine eindrucksvolle Impression davon, was Ed Sheeran auf „Subtract“ bietet: deutlich ruhigere Melodien – und Beats, sehr nachdenkliche und persönliche Texte sowie eine melancholische Stimmung. Sucht man hier nach ohrwurmverdächtigen Hits wie „Don’t“ oder „Shape Of You“, ist man fehl am Platz. Ed Sheeran präsentiert sich auf dem Album sehr nahbar und verletzlich, wählt eher die ruhigeren Töne und schafft eine sehr melancholische Grundstimmung.

Es hat ein bisschen „Back to the Roots“-Charakter, wenn in „Salt Water“ oder „Boat“ die altbekannte Akustikgitarre erklingt und Ed Sheeran einfühlsam und mit einem Hauch von Schwermut düstere Gedanken adressiert. Thematisch beschäftigt sich Ed Sheeran mit Depressionen, besingt in Salt Walter Selbstmordgedanken („When there’s nothin‘ left, I close my eyes and take one step“) und verabschiedet sich in „End Of Youth“ von seiner Jugend. Des Weiteren verarbeitet er den Tod eines guten Freundes, etwa, wenn ihm auf „Eyes Closed“ all die Erinnerungen immer wieder an den Schmerz erinnern („Still dancin‘ with my eyes closed“). Oder wenn ihm im schönen „Life Goes On“ die Zerrissenheit plagt, zwischen der Trauer und dem Weiterleben. Nicht zuletzt spielt auch die Liebe eine große Rolle auf „Subtract“ – allerdings weniger Hochzeitslied-tauglich als etwa „Perfect“. Auf „Sycamore“ verarbeitet Sheeran die Krebsdiagnose seiner Frau („ Waiting on professionals to tell you how it is. What’s he gonna say after „I think you better sit“? Brace yourself, something’s about to hit. It’s gonna take a little while”).

Obwohl „Subtract“ bei Weitem das wohl finsterste Album des Sängers ist, schafft Ed Sheeran es dennoch, einige Lichtblicke in die Texte einzubinden. In „Boat“ beschäftigt er sich mit Tiefpunkten im Leben, an denen man aber trotzdem nicht kaputtgeht („The waves won’t break my boat“). Währenddessen zeigt er auf dem Track „Colourblind“ auf, dass Liebe zwar nicht immer perfekt ist und sich ständig verändert, dass das aber nicht immer im negativen Sinne gesehen werden muss. Am optimistischsten präsentiert sich wohl der Song „Curtains“ in dem Ed Sheeran deutlich lebensbejahendere Töne anklingen lässt („So, let’s step out of the dark.“).

Der Vorwurf, „Subtract“ sei langweilig, ist nicht ganz von der Hand zu weisen, wenn man es mit früheren Ed Sheeran Alben vergleicht. Die Songs werden Sheeran sicherlich keine kommerziellen Charterfolge einheimsen und auf einer großen Bühne á la Veltins Arena werden sie wohl auch nicht die Wirkung eines „Don’t“ oder „Shape Of You“ entfalten. Die Frage ist, müssen sie das? „Substract“ ist definitiv kein Album, das man „mal eben so nebenbei“ hören kann, es macht keine gute Stimmung während einer Autofahrt und wird sicherlich auch keine Menschen dazu bringen sich ineinander zu verlieben (wobei man ja nie „nie“ sagen soll). Stattdessen präsentiert sich hier einer der meistgehörtesten Künstler der Welt unfassbar nahbar und reflektiert, geht zehn Schritte zurück, obwohl er einen Charthit nach dem anderen produzieren könnte und befasst sich mit den Themen, die ihn wirklich beschäftigen. Das ist schön und sollte öfters so sein, weil Musik genau dafür da ist.

Und so hört sich das an:

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Die Coverrechte liegen bei Atlantic Records.

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