Ellie Goulding – Brightest Blues

Ellie Goulding - Brightest Blue

„Lights“, „Anything Could Happen“, „Burn“. Die Liste an Songs, mit denen Ellie Goulding seit dem Jahr 2009 in den Charts vertreten war, ist schier unendlich lang. Gerade die Mischung aus Pop und Elektro-Elementen, die hymnenartigen Texte und melodischen Melodien machten die Songs der Britin in der Vergangenheit zu großartigen Kunstwerken. Fast fünf Jahre nach ihrem letzten Studioalbum „Delirium“ präsentiert Ellie Goulding mit „Brightest Blue“ nun ihr viertes und bisher wohl persönlichstes Album.

Für Pop-Kritiker wird das neue Album der Sängerin wahrscheinlich ein gefundenes Fressen sein – und doch stimmt Ellie Goulding auf „Brightest Blue“ deutlich ruhigere Töne an. Zumindest auf dem ersten Teil des Albums. Unterteilt in zwei Parts präsentiert sie auf dem ersten Teil „Brightest Blue“ mit dreizehn Songs ihre verletzliche Seite. Part 2 „EG.O“ kommt mit fünf Tracks daher, von denen gleich vier Kollaborationen enthalten. Diese Songs sollen die selbstbewusste Seite der Sängerin repräsentieren.

Der erste Teil des Albums strahlt gerade durch die Tatsache, dass die Songs deutlich ruhiger als gewohnt sind. Ellie Goulding präsentiert sich sehr reflektiert und widmet vor allem den Themen Selbstreflexion und Identität einen großen Anteil an Lyrics. Auch wenn diese Themen in der vergangenen Zeit bei Singer-Songwritern gefühlt zum Trend avanciert sind, steht Ellie Goulding die etwas nachdenklichere Seite sehr gut. Allerdings dürfte dieser persönliche Teil noch deutlich mehr hervorstechen. Oftmals wagt sie daher zu wenig. Bereits mit dem Opener „Start“ beweist sie ihre stimmlichen Qualitäten. Ihre Stimme klingt teilweise verletzlich, dann wieder stark, sehr ehrlich, kräftig und zart. Hat man bei einigen Songs manchmal fast schon das Gefühl, dass Ellie Goulding jeden Moment zu quaken anfangen würde, beweist sie gerade bei den ruhigeren Nummern eine große stimmliche Vielfalt. Von Nervpotenzial ist da keine Spur zu bemerken.

Mit „Power“ beweist sie erneut, dass sie es schafft, gute Pop-Nummern zu kreieren, die gleichzeitig auch etwas absolut Hymnenartiges an sich haben. Gerade diese Art von Songs steht Ellie Goulding sehr gut. Nach wie vor erklingen an vielerlei Stellen auch die altbekannten Elektro-Elemente. Diese passen allerdings nicht immer zu den Songs. Bei „Ticks“ beispielsweise kommen sie eher störend daher. Musikalisch zieht Ellie Goulding ihre Songs darüber hinaus groß auf. Sie verwendet vielerlei Chorgesänge, Orchester-Instrumente und ihre Stimme auf mehreren Ebenen. Das funktioniert oftmals sehr gut, wird bei Songs, wie „New Heights“ aber zu viel. Besonders gelungen ist der Track „Woman“, der textlich und stimmlich grandios hervorsticht.

Störend auf „Brightest Blue“ ist vor allem der zweite Part „EG.O“ des Albums. Hier zeigt sich ein Stilbruch vom feinsten auf, den selbst die Kollaborationen mit unter anderem Lauv oder dem kürzlich verstorbenen Rapper Juice WRLD nicht besser machen. So dramatisch wie der Opener „Overture“ das Ganze anklingen lässt, ist es daher bei Weitem nicht. Es folgen vier Songs, die äußerst belanglos daherplätschern und mit der im ersten Teil gefundenen persönlichen Note nichts zu tun haben. Das bedeutet grundsätzlich nicht, dass die Tracks schlecht hörbar sind, als wahnsinnig aufregend lassen sie sich aber nun auch nicht betiteln.

Fünf Jahre hat Ellie Goulding gebraucht, um ein neues Album zu veröffentlichen. Mit „Brightest Blue“ schafft sie es gleichzeitig zu begeistern und zu enttäuschen. Sie präsentiert sich deutlich reflektierter und persönlicher. Gerade der erste Teil beweist einmal mehr ihr Talent. Die ruhigeren Songs stehen ihr sehr gut, musikalisch versucht sie viel. Es fehlen allerdings die herausstechenden Songs. Alle Tracks klingen sehr ähnlich, sind nach dem gleichen Prinzip aufgezogen und keiner sticht wirklich hervor. Weniger abgerundet kommt der zweiten Teil daher, der wie drangeklatscht und nicht mehr bearbeitet wirkt. Ellie Goulding versucht zwei Seiten von sich selber zu präsentieren – wirklich aussagekräftig ist dies aber nicht.

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