Flexis – Kaufhaus Jandorf

Flexis - Kaufhaus Jandorf

Auf der Brunnenstraße 19 – 21 im Zentrum von Berlin-Mitte gleich gegenüber dem Volkspark am Weinberg erstrahlt die mit Muschelkalk verblendete Tuffstein-Fassade des ehemaligen Instituts für Modegestaltung. Der Eingang des großen Stahlskelettbaus wird von je zwei Pfeilern umgeben, welche mit Bienen beschmückte Ornamente tragen, die das Symbol des Fleißes widerspiegeln. Es ist der Schauplatz von Felix Staudtes Jugend: Das „Kaufhaus Jandorf“. Felix alias Flexis hat vergangenen Freitag (02.02.2018) sein Mixtape veröffentlicht, das den Name des ehemaligen Modehauses trägt. Fünf Jahre sind inzwischen schließlich vergangen, seit sein letzter Tonträger „Egotrips“ (2013) herauskam. Seitdem hat Flexis viel erlebt: Er tourte gemeinsam mit K.I.Z durch ganz Deutschland, beendete erfolgreich sein Jurastudium, arbeitet nun als vollwertiger Jurist und verbrachte nebenbei noch einige Zeit im Studio, um „Kaufhaus Jandorf“ auf eine Platte zu pressen.

Ein Rapper mit Staatsexamen? Also, ein wirklich intelligenter Kerl, der seine Zeit an Rap-Musik verschwendet? Nicht übel, wie man meinen könnte. Auch, wenn an dieser Stelle nicht viel vorweggenommen werden sollte, muss eins gleich zu Beginn klargestellt werden: Das vorliegende Mixtape hat in der von Autotune-dominierten Raplandschaft im Jahr 2018 wohl ausdrücklich eine Prädikats-Auszeichnung verdient!

Womit wir beim Inhalt der Platte angekommen wären:

“Das Kaufhaus Jandorf verkörpert für mich meine Jugend in Berlin, aber auch das Erwachsenwerden und Veränderung. Vom Kaufhaus zum Eventspace, wechselnde Besitzer, Gentrifizierung, neue Konzepte und sehr viel Persönlichkeit. Ähnlich sehe ich meine musikalische und persönliche Entwicklung. Doch eins ist klar: der einzigartige Charakter bleibt immer erhalten.”

Insgesamt elf Songs beinhaltet das Mixtape, wobei auch Gäste wie Mach One, MO und Mehira Cruz auf den Tracks vertreten sind.

Tracklist

  1. Kreislaufkollaps
  2. Prince Charles
  3. Schockt nicht mehr feat. MO & Naomi Knopf
  4. Pure Polygamie feat. MO
  5. Freudentränen feat. Naomi Knopf
  6. H.S.
  7. Wachkoma feat. Mach One
  8. Egotrips II feat. Mehira Cruz
  9. Party vorm Club feat. MO
  10. Zeitlupe
  11. Abschiedsbrief

Im Vorfeld der Veröffentlichung hatte Flexis bereits auf YouTube die ersten Tracks seines Albums mit entsprechenden Musikvideos vorgestellt. Nach „Freudentränen“, „Abschiedsbrief“ und „Schockt nicht mehr“, erschien am Releasetag nun auch die 16BARS.TV-Pemiere von „Wachkoma“. Die Auskopplungen hatten bereits im Vorhinein bedeutend Lust auf mehr gemacht und fanden sich auch in den viralen Charts von Spotify wieder.

Beim Hören des Mixtapes wird der Zuhörer auf eine heitere Talfahrt der Gefühle mitgenommen. Mal zeigt er sich gewitzt und als aufmüpfiger Großstadtjunge, der kein Blatt vor den Mund nimmt, mal ernst und nachdenklich – eine Seite von Flexis, die man bis dato in der Form noch nicht kannte und welche den lästigen Prozess des “Erwachsen-werdens” widerzuspiegeln scheint. Nichtsdestotrotz: Flexis tritt auf seinem Mixtape gewohnt humoristisch auf, wie die Songs „Schockt nicht mehr“, in welchen er die Influencer respektive YouTuber-Szene gehörig aufs Korn nimmt, oder „Egotrips II“ mit Bravour zeigen.

Prince Charles“, welches wie einige andere Songs des Tapes zum Teil schon vor dem K.I.Z’schen Publikum performt wurde und den Live-Test bestanden hat, widmet sich dabei dem scheinheiligen, dauernd nach Repräsentationsbedürfnis-strebendem Leben der High-Society-Elite. „Oh Gott, sind wir alle hip, hip / Sind wir alle schick, schick / Wir sind alle hübsch, hübsch / Wir sind alle hip!“ Flexis Kernaussage wird dabei schnell deutlich: „Bitte übertreib deine Rolle nicht“ und spiel dich nicht auf.

Dem Zuhörer wird auf der Platte aber auch eine nachdenkliche Seite von Flexis gezeigt. Auch, wenn die Begriffsbezeichnung „melancholisch“ an dieser Stelle wohl völlig fehl am Platze wäre, gewährt Flexis auf Songs wie „Abschiedsbrief“, in welchem er eine gescheiterte Beziehung verarbeitet, und „H. S.“, ein Song über den Tod seines Vaters, tiefe Einblicke in seine Gefühlswelt. Vor allem auf letztgenanntem Song gelingt es Flexis, mit seinen Worten mitten ins sprichwörtliche Herz zu treffen und ruft gleichwohl auf, den Mut nicht zu verlieren

„In Gedanken streu ich Deine Asche in den Wind / Du hast es nie gesagt, doch Du hast es Dir gewünscht / Wenn ich nicht in die Hölle komme, seh ich dich bestimmt / Hoffentlich empfängst Du mich mit einem Bier und grinst.“ – Ich muss gestehen, dass mich in den letzten Jahren kaum ein Song so gerührt hat. Dies ist nicht zuletzt der gelungenen Bildsprache geschuldet, die Flexis gekonnt – auch auf anderen Tracks des Werks – einzusetzen weiß. Die Verknüpfung von analogen Streichinstrumenten und digitalen Synthesizern gelingt hier völlig.

Generell kann Flexis Mixtape auch auf musikalischer Seite durch die Bank überzeugen. Neben rhythmisch-einwandfreien, prägnanten und technisch-versierten Versen, sind die Beats eindrucksvoll und fett gebaut. Dass das Mixtape groß und aufwendig produziert wurde und mit detailreichen Arrangements versehen ist, springt dabei schnell ins Ohr. Verantwortlich sind hierfür Bobby Soulo, Grzegorz Olszowka und Ben Esser.

Auch auf Tracks wie „Freudentränen“, „Party vorm Club“ und „Wachkoma“ zeigt sich, dass Flexis Einfallsreichtum und Phantasie besitzt und mit wortreicher Kreativität überzeugen kann. Ein unvergleichlicher, innovativer Sound, der definitiv gehört werden sollte. „Kaufhaus Jandorf“ – eine absolute Kaufempfehlung!

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So hört sich das an:

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