Jamie Lenman – Shuffle

Jamie Lenman - Shuffle

Die „Shuffle-Funktion“ digitaler Musikabspielendgeräte ist schon lange nichts neues oder ungewöhnliches mehr. Gerade in Zeiten von Streaming-Playlisten und erfolgreichen Single-Veröffentlichungen mutiert das Produkt „Album“ immer mehr zur obligatorischen Nebensache. Die zufällige Wiedergabe rückt im Laufe dieser stetig fortschreitenden Entwicklung immer mehr in den Vordergrund. Jamie Lenman spielt mit dem Titel seines ersten Cover-Albums „Shuffle“ auf genau diese Abspielfunktion modernen Konsumverhaltens an. Einen passenderen Rahmen könnte man diesem bunten Pop-Kultur-Potpourri vermutlich nicht verschaffen.

Der ehemalige Reuben-Fronter arbeitet sich in vierzehn Akten nach und nach an seinen Lieblings-Kunstwerken ab. Darunter fallen neben populären Pop- und Rock-Songs auch Buch- und Film-Vorträge in Audioformat – wie das funktioniert? Ganz so einfach lässt sich das nicht erklären. Im Falle des Musik-Motivs des Filmdramas „Taxi Driver“ aus den 1970ern mündet das in einer instrumentalen, gitarrenbasierten Darbietung. Im Falle des Popeye-Themes – die Zeichentrickfigur kennt jeder, oder? – entsteht daraus ein krachiger, knapp einminütiger Hardcore-Moment. Im Falle des Kurzfilmsegments „You’re the Boss“ artet das in einem nachgesprochenen Dialog aus. Noch skurriler wird die ganze Angelegenheit, wenn Lenman sich dem „Song Of Seilkilos“ widmet – einem der einzigen erhaltenen antiken Musikstücke, dessen Noten auf einen Grabstein in der heutigen Türkei geritzt sind. All dem fügt der verrückte Typ mit der noch verrückteren Frisur seine eigene Handschrift bei, sodass man zwischenzeitlich meinen könnte, man lausche einer Jamie Lenman-Solo-Platte und nicht einem Werk, das sich ausschließlich aus Covern zusammensetzt.

Auch den vielen Darbietungen moderner Musik-Stücke verpasst der Musiker einen charakterstarken Anstrich. Die zwei Beatles-Klassiker „Tomorrow Never Knows“ und „Hey Jude“ trägt Lenman deutlich rockiger vor, als die Band das in in den 1960ern vermutlich beim Schreiben der Stücke vorsah. Auch „Killer“ von Heidi-Klum-Ex-Mann Seal steigert sich in seiner 3-minütigen Spielzeit immer weiter hin zu einem kraftvollen Rock-Finale. 

Als wäre das alles nicht schon sonderbar genug, beginnt Jamie Lenman schon von Song eins an die „Shuffle-Funktion“ zu vertonen und gibt dem Hörer damit stets das Gefühl wirklich in einer heterogenen Playlist aus mal mehr, mal weniger verrückten Werken gefangen zu sein. In Zeiten von „New Music Friday“- und „Top-50“-Listen trifft dieses herrlich grenzenlose Konzept genau den Zeitgeist – und wird gerade wegen seiner unkonventionellen Formate trotzdem ein Nischenprodukt bleiben. Das bizarrste Cover-Album der aktuellen Dekade bleibt es dafür trotzdem.

Das Album „Shuffle“ kannst du dir hier kaufen.*

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Und so hört sich das an:

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Jamie Lenman live 2019 (Support für Black Peaks):

16.10. – Köln, Luxor
19.10. – Wiesbaden, Schlachthof
20.10. – München, Feierwerk
22.10. – Hannover, Lux
23.10. – Hamburg, Headcrash
25.10. – Dresden, Loco Club
26.10. – Leipzig, Naumanns
27.10. – Berlin, Musik & Frieden

Die Rechte für das Cover liegen bei Big Scary Monsters.

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