Mando Diao – Bang

Mando Diao

Von krachendem Garage zum Mainstream zur imposanten Rock-Pop-Inkarnation und zurück. Auch wenn der eher unangenehme Albumtitel „Bang“ das Schlimmste befürchten lässt, gelingt Mando Diao dieses Kunststück auf dem nun mehr neunten Album überraschend gut. Nach den ausschweifenderen Momenten der vergangenen Alben und dem Nebenprojekt Caligola habe sich das Quintett einfach nach klaren Ansagen und Einfachheit gesehnt. Schon in ihren Liveshows schmettern die Schweden die Songs weitaus krachiger ins Publikum als die gezähmteren Platten zuletzt vermuten ließen, wie auch unsere Liveberichte fest stellten. Um diese rohe Energie nun auch auf Platte übertragen zu können, besinnen sich die Schweden auf zwei recht einfache, aber doch wirkungsvolle Werkzeuge:

Pure Riffs, purer Hedonismus

Von diesen macht die Band ordentlich Gebrauch, ohne dabei jedoch zu verschwenderisch um sich zu schmeißen. Wie wirkungsvoll diese Waffen zum Einsatz gebracht werden, beweist auch der ziemlich außergewöhnliche Spannungsbogen: Anstatt dass dem Album ab der Mitte die Puste ausgeht, werden die Regler in der zweiten Hälfte erst richtig auf Anschlag gedreht. Denn auch wenn der Opener „One Last Fire“ mit klassischen Riffs anheizen möchte, will das Feuer bei dem Midtempo-Refrain noch nicht ganz lodern und auch „He Can’t Control You“ (gegen toxische Beziehungen!) und „Long Long Way“ (perfekt für den Roadtrip!) bleiben trotz inhaltlicher Schnörkel im harmlosen Formatradio hängen. Von dem „Bang“-Effekt noch keine Spur. Aber dann – ein tanzbarer Beat setzt ein, „Dance With Somebody“-Erinnerungen werden wachgerufen, Frontmann Björn Dixgård stellt im großen Refrain klar: „Don’t tell me that I can’t dance“. Als würde das irgendjemand bei so einem Biest von Song wagen!

„Bang Your Head!“

… können die Musiker ganz ungeniert im gleichnamigen Song fordern, wenn pulsierende Bässe und Cowbells die stoische Royal-Blood-Referenz „I Was Blind“ ablösen, in der sich Dixgård gar zu einem ganz ungekünstelten Schrei hinreißen ließ. Dieser Forderung werden die meisten Fans liebend gerne nachkommen, denn die Feststellung, wie großartig Mando Diao 2019 klingen können, treibt die Euphorie direkt in die Extremitäten. Noch unglaublicher wird es dann nur, wenn das Album tatsächlich ohne einen einzigen schlechten Song seinen Abschluss findet. Selbst das Liebeslied „My Woman“ schafft mit zarten Ah-Ahs im Hintergrund im Laufe des Songs den Sprung zu einer großen Rocknummer und das anrüchigere Pendant „Scream For You“ bricht im Refrain in alle Saiten und Seiten aus, baut ganz nebenbei noch schicke Chöre in die Strophen ein, damit das krachende „Society“ den Sack zumachen kann.

Hedonismus bleibt in den schwierigen Zeiten natürlich ein Luxus, eine Eskapismusstrategie, die man sich auch einmal leisten können muss. Doch wenn sich dieser einmal wenigstens richtig lohnen soll und am besten noch von Gitarren geführt werden soll, dann liegen die Chancen nicht schlecht, dass Mando Diao mit „Bang“ den perfekten Soundtrack liefern. Chapeau, dass das auf dem neunten Album noch gelingt!

Das Album „Bang“ kannst du hier kaufen. *

Und so hört sich das an:

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Mando Diao live 2019:

  • 22.11. Sporthalle Hamburg
  • 23.11. Schlachthof Wiesbaden (ausverkauft)
  • 24.11. Arena Wien (ausverkauft)
  • 28.11. Alter Schlachthof Dresden
  • 29.11. Tonhalle München (ausverkauft)
  • 30.11. Palladium Köln
  • 01.12. Columbiahalle Berlin

Rechte am Albumcover liegen bei Playground Music Sweden.

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