Middle Kids – Today We’re The Greatest

Middle Kids (2)

Wisst ihr noch, als ich die Middle Kids vor knapp zwei Jahren als Geheimtipps aus Down Under bezeichnet habe? Seitdem ist einiges passiert und die Band kann mittlerweile über eine weltweit beachtliche Fanbase zurückschauen. Dabei ist der musikalische Sprung seit der EP „New Songs For Old Problems“, über die ich diesen Satz verlor, bis zum heutigen „Today We’re The Greatest“ gleichzeitig gigantisch und minimal. Wagt man nur einen Blick auf die unterschiedlichen Titel, zeichnet sich schon ab, in welche Richtung das Ganze gehen soll. Während die 2019er EP noch auf Understatement setzt, steht das zweite Album der Band nun für eine gewisse -wenn auch nicht überhebliche- Portion Selbstbewusstsein. Im Kern ist alles gleich. Drumherum jedoch alles anders.

Bombast im Unauffälligen

Während Gitarrist Tim Fitz 2019 noch selbst an den Reglern saß, übernahm nun Lars Stalfor in L.A. die Aufnahme und Produktion des Albums. Dass dieser schon für den Sound der Indie-Lieblinge St. Vincent und Soccer Mommy mit verantwortlich war, hat nun auch spürbare Auswirkungen auf die Middle Kids. So wird das Trio zum musikalischen Äquivalent dieser Leute, die schon in der Schulzeit als klassische „Mauerblümchen“ einfach wunderbare Menschen waren, aber erst in der Zeit losgelöst von starren Strukturen und dummen Blicken richtig aufblühen. Ja, die Songs der Middle Kids sind weiterhin keine In-your-Face-Nummern, die um Aufmerksamkeit betteln. Aber doch sind die neuen Produktionsmöglichkeiten auch im selbstbewussteren Songwriting spätestens dann spürbar, wenn sich „Questions“ mit fetten Bläsern in die erste Reihe pustet. Middle Kids goes Stadion?

Die Wunder des Alltags

Jein. Fraglos würden Songs wie die Florence and the Machine-Ode „Golden Star“ mit gen Himmel schwebenden Choralen auch in großen Hallen funktionieren. Auch der bekräftigende Klimax von „Lost in Los Angeles“, in dem Sängerin und Gitarristin Hannah Joy immer hilfloser „Where are you now?“ fragt, während der Folk-Sound die Monotonie und Einsamkeit einer Großstadt nachzeichnet, setzt ein deutliches Ausrufezeichen. Auf „Today We’re The Greatest“ beherrschen die Middle Kids aber auch immer noch die direkten Ohrwürmer, wie das tanzbare „R U 4 Me?“, der Empowerment-Moment „I Don’t Care“ und das mit Drum Rolls und elektronischen Beats versetzte „Summer Hill“ beweisen.

Doch am Ende ist „Today We’re The Greatest“ wohl zu komplex, zu zwiespältig für die breite Masse. Denn auch in eigentlich pulsierenden Stücken wie „Cellophane“ steckt immer eine Faser Leid, die der Titeltrack und Closer treffend zusammenpasst: „Life is glory and boring sometimes“. Das eigene Leben trotz dieses Umstands zu feiern ist der Rat der Middle Kids. „Heute sind wir die Größten“ sollen eben auch die jenigen verinnerlichen, die sich selbst immer kleinreden. Und gerade auf dem zweiten Blick ist „Today We’re The Greatest“ dann vielleicht doch auch irgendwo Stadion.

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