Part-Time Friends – Weddings & Funerals

Part-Time Friends

Ganz schön pfiffig: Abgesehen davon, dass man manche Verwandte ausschließlich auf Hochzeiten und Beerdigungen antrifft, sind die beiden Veranstaltungen grundsätzlich konträr. Eine wahre Spielwiese an Gegensätzen, die sich die  Part-Time Friends mit diesem Albumtitel also ausgesucht haben. Noch pfiffiger: Blumen als Albumcover zu wählen, die in beiden Kontexten eine tragende Rolle spielen. So entsteht trotz all der Unterschiede doch eine Gemeinsamkeit, ein Mantra, das auch musikalisch auf „Weddings & Funerals“ zutrifft. Denn die deutliche Zäsur, die die Platte in zwei Hälften schneidet, verläuft klanglich parallel zu den Topoi der ausgelassenen Hochzeit und der Trauer einer Beerdigung.

Verliebt, verlobt, vertanzt

Das französische Duo hatte schon auf dem Debüt „Fingers Crossed“ und dem Zweitling „Born to Try“ die Muskeln des Tanzbeins gestählt. Deswegen greift gleich der Opener und Titeltrack diesen Faden auf und lässt mit luftigen Synthie-Winden frühem 10er Indie der Marke Naked & Famous den Vortritt. Das hat gerade wegen der wohhligen Harmonie der beiden Stimme von Pauline und Florent eine solche Strahlkraft, man vergisst beinahe das böse C-Wort und möchte sich in eine Sommer-Party beamen. Und ja, das Wort Sommer kann man dick unterstreichen, denn sowohl die folkigen Töne, die „Cold Hearts“ anschlägt, als auch die Hand Claps und pulsierenden Beats von „Paris en Aout“ riechen nach Sonnencreme, Wassereis und heißer Grillkohle. In „Leave it all Behind“ wird es mit Herzschlag-Beat, Chören und elektrischem Piepen etwas abstrakter, „2 AM“ läutet dann langsam aber sich die Kehrtwende auf dem Album ein. Der Herbst steht vor der Tür.

Köpfe (nicht) hängen lassen

Zwar grätscht das hüpfende „Sacrifice“ ein wenig dazwischen, doch ab „Dad“ ist definitiv Zeit für den Funerals-Part der Platte. Auch hier bieten die Part-Time Friends aber eine unterhaltsame Bandbreite, bauen mit „Mariposas“ sogar einen spanischen Spoken Word-Ausflug vor sanftem Klavier ein. Ansonsten gibt es Daddy Issues, Introspektive und vorsichtigen Optimismus vor Akustik-Gitarren und ganz. ruhigem. Songwriting. Das ist ein starker Kontrast zur Party der ersten Hälfte und vermutlich wird es Hörer*nnen geben, die sich vor allem von einer der beiden Seite angesprochen fühlen. Am Ende ist „Weddings & Funerals“ aber ein ziemlich vielseitiges und bewegendes Klangbild der beiden Pole, zwischen denen das Leben oft pendelt: purer Ekstase und blanker Melancholie. Blumen gibt’s aber so oder so.

Das Album „Weddings & Funerals“ kannst du hier (digital) kaufen. *

Und so hört sich das an:

Facebook / Instagram / Twitter

Rechte am Albumcover liegen bei Un Plan Simple.

* Affiliate-Link: Du unterstützt minutenmusik über deinen Einkauf. Der Artikel wird für dich dadurch nicht teurer.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.