Weakened Friends – Quitter

Weakened Friends

Musik als Katharsis-Tool kann beim Konsumieren Wunden aufreißen, Frustration in Tanz verwandeln oder längst Vergrabenes wieder hervorholen. Die Weakened Friends beschließen: Das muss keine entweder/oder-Entscheidung mehr sein. Auf der neuen Platte „Quitter“ zelebriert das Trio aus Portland deswegen das Verlier*innentum, stolziert dabei selbst immer etwas wackelig am Abgrund vorbei und springt gleichzeitig noch in jeden Pit der Welt. Für die Zuhörer*innen bleibt da keine große Wahl: Diesem Songwriting können geübte Indie-Ohren noch weniger widerstehen als die Konzertfans der Booster-Impfung.

Frustrationslevel 100

Im Kern der neuen Platte stehen dabei Situationen und Emotionen, die wohl viele Gen Y-ler*innen schon beim Lesen fühlen: Burnout, Freundschaften, die sich verändern, der eigene Platz im Leben will einfach nicht passen. Alles tut irgendwie weh. Liest sich nicht sehr hoffnungsvoll – und klingt auch an vielen Stellen gar nicht so. Dafür sorgt vor allem das unvergleichliche Timbre von Songwriterin und Sängerin Sonia Sturino, das immer vor lauter Intensität ins Zittern kommt. Dieses Vibrato in Kombi mit den dichten Bässen von Annie Hoffmann und den antreibenden Beats von Adam Hand reicht eigentlich schon für eine lupenreine Lieblingsband. Auf „Quitter“ kippen die drei Freund*innen ihr eigenes Unbehagen in ein großes Becken voller 90s Referenzen und großen Refrains.

Intensitätslevel 1000

Ein wenig aus der Comfortzone heraus will das Trio in Soundbelangen und das hört man zumindest stellenweise. „Spew“ etwa wird mit den Fuzz-Riffs in düstere Grunge-Gefilde geführt, während sich Sturino einmal schön über die kapitalistische Gesellschaft auslässt: „Fuck your bank and fuck your wallet/ Fuck your debt and fuck your college / Fuck the Fed and all they wanted“. Bei „Everything is Better“ spielt sich hingegen Adam Hand in Höchstleistung und die Hi-Hats kaputt. Ansonsten bleibt das Album aber – und das ist keineswegs negativ – recht homogen. Klare Songstrukturen, die sich stets um die Introspektive kreisen und dabei in absolute Höchstformen auflaufen. Der Titeltrack ist dabei ein frecher Garage-Track, „Bargain Bin“ kokettiert mit Mathrock-Riffs und dicken Chören und „What You Like“ hätten auch Press Club im Liebeskummer schreiben können.

„No one likes a quitter, but it’s been getting hard to love myself“, singt Sturino im Titeltrack und gibt damit die Blaupause für die Finsternis der Lyrics, die sich immer wieder in den großen Refrain-Wellen brechen. Als größtes Beispiel dafür dient „Haunted House“, dessen absolute Verzweiflung in den Höhepunkt der Platte mündet: „Can I feel okay in my own skin? I just wanted to feel loved, but never did“. Das tut weh, ist aber Katharsis pur. Und lädt dank der spürbaren Aufopferung der gesamten Band zum mitgrölen/mitheulen/mithüpfen ein. Was auch immer ihr gerade braucht.

Das Album „Quitter“ kannst du hier kaufen. *

Und so hört sich das an:

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Weakened Friends live 2022

  • 27.04. Trier, Lucky’s Luke
  • 28.04. Leipzig, Conne Island
  • 29.04. Braunschweig, B58
  • 30.04. Berlin, Cassiopeia
  • 02.05. Hamburg, Molotow Skybar
  • 03.05. Köln, Bumann & Sohn
  • 04.05. Stuttgart, JuHa West
  • 05.05. Wiesbaden, Kreativfabrik

Rechte am Albumcover liegen bei Big Scary Monsters.

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