Wenn einer lügt dann wir – Ironie oder Schicksal

Wenn einer lügt dann wir

Blick durch ein mäßig geputztes Fenster, hinein in eine mäßig aufgeräumte WG auf drei Musikerinnen, die sich denken: So, jetzt machen wir das aber echt mit der Musik. Muss ja so, wenn man selbst so gerne auf Konzerten abhängt. Am Anfang steht aber ein Name, der muss griffig, leicht googlebar und wohlklingend sein. Und nun die feixenden Gesichter bei der Entscheidung für den Namen, auf den das alles nicht zutrifft: Wenn einer lügt dann wir. Ob die Geschichte sich so zugetragen hat, ist nicht überliefert, aber die schamlose Freude über derart Erwartungshaltung-Sprengendes wie eben einem absolut sperrigen Bandnamen steht auch dem Debütalbum der kleinen Indie-Truppe ins Gesicht geschrieben. Bei all dem Schalk kann man eins aber nicht übersehen: Dieser Sound macht verdammt viel Spaß – im Ernst.

Indie-Grrrl-Quatsch

Man könnte jetzt ausführliche Analysen von den zwischen Schrammel-Garage und zupfendem Akustik-Storytelling tätigen, über die drölfzig Wortwitze staunen oder aber die Quintessenz der ganzen Platte hinterfragen. Aber eigentlich haben Wenn einer lügt dann wir schon vor Albumrelease mit ihren Support-Shows eine logische Einordnung ihrer Band vorgegeben. Sie standen schon vor dem kantigen Riot Grrrl-Punk von Dream Wife auf der Bühne, begleiteten Indie-Darlings Mia Morgan und Gurr und auch Ulknudel #4 Fritzi Ernst von Schnipo Schranke. Irgendwo in diesem Fadenkreuz aus Aktivismus, Quatsch und Festival-Indie findet logischerweise auch „Ironie oder Schicksal“ statt. Fall geklärt?

11 Banger und ein Outro

Naja, nicht so ganz. Natürlich sind Schlagzeugerin Mehlpi, Bassistin JB und Sängerin/Gitarristin JK oder auch Garlic Johannson – ich zitiere lediglich das Presskit – auch noch eigenständige Wesen, losgelöst von äußeren Einflüssen. Das beweisen sie vor allem mit ihrem Ladies & Ladys-Label, das auch viele andere großartige Künstler*innen gesignt hat. Aber eben auch ihre eigene Band, was auf „Ironie oder Schicksal“ in 11 Akten geschieht. In der einen Sekunde wiegt man sich da beispielsweise noch im sanften Akustik-Pop, bis die Lage in schicke „Teenage Dirtbag“-Riffs kippt („Gut im Alleine Sein“) – lieben wir. Mal wird gemütliche Nachmittags-vor-der-kleinsten-Bühne-Melancholie aufgebaut und über weirde Dates gesungen („Unangenehm“), mal ziehen Heerscharen übersteuerter Autotune-Elemente über den Schrammel-Pop hinweg („Tränen lügen nicht“), mal wird es richtig schön punkig-garagig („Rauche wie 1 Schlot“) und wann anders geht’s mit lauten Uh-Uh-Chören gen Eskalation („Regiena“). Da muss selbst die Band drüber lachen. Die fassen das ganze Spektakel selbst auch inhaltlich zusammen: ‚“Ironie oder Schicksal“ (an All-Flinta-Production straight outta Bochum) handelt eigentlich fast nur von Exfreund:innen, bis auf ein Lied übers Rauchen und ein anderes übers Computer spielen.‘ Stimmt. Und damit werden sie gleich mal zum durchgeknalltesten Stern am deutschen FLINTA-Indie-Himmel.

Und so hört sich das an:

Bandcamp / Facebook / Instagram

Rechte am Albumcover liegen bei Ladies & Ladys Label.

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