Young Fathers – Cocoa Sugar

Wenn man ein Album noch vor dem ersten Hören in den Händen hält, geben die visuellen Merkmale mögliche erste Hinweise auf den Sound, der einen erwarten könnte. Das eindrucksvolle Cover des dritten Albums der Young Fathers führt einen da auf einen ersten richtigen Weg. Hier trifft das komplett verdunkelte Gesicht einer Person auf ein schräges, an Pop-Art erinnerndes Grinsen. Irgendwie passt dieses Artwork mit jedem Hörgang besser zu dieser Platte. Die grundlegende Stimmung ist in beiden Fällen recht düster, aufheiternde Momente sind nur spärlich gesät. Doch genau wie das Cover ist auch dieses Album von spannenden und teils obskuren Einfällen durchzogen, so dass das musikalische Bild nur so funkelt vor Einflüssen und Experimenten.

Überhaupt liegt die Eindimensionalität dem Hip-Hop-Kollektiv so fern wie es überhaupt geht. Gängige Songstrukturen werden vermieden, auch wenn das möglicherweise auf Kosten der Hit-Qualität geht. Da geht das bereits veröffentlichte “In My View” mit den Chören und treibenden Beats noch am ehesten den Weg eines Ohrwurms. Ansonsten scheinen die Musiker sich eher für unkonventionelle Rhythmen und Musikrichtungen zu entscheiden. Mitreißend bleibt das auf ganzer Albumlänge vor allem durch die drei sehr markanten Stimmen, die sowohl im Gesang, als auch im Rap abliefern und harmonieren. So nehmen uns die Musiker mit durch verschiedenste Soundkollagen – “Turn” startet mit einer verzerrten Stimme und verzichtet auf einen Beat, bis dann ein Synthesizer das Lied in den peitschenden Refrain führt. “Lord” bleibt im Gegensatz viel ruhiger und spielt, wie übrigens auffallend viele Songs, mit sakralen Chören. Hier jedoch vor einer seichten Klaviermelodie, die immer wieder von Störgeräuschen zerrissen wird, bis sich jegliche Spur von Melodie auflöst. “Border Girl” zeigt sich als eine Hommage an die 90er-Jahre, “Holy Ghost” ist womöglich der einzige ganz unspektakulär reine Hip-Hop-Track.

“Cocoa Sugar” heißt das dritte Album der Young Fathers. Wie das Cover gehört auch diese Information zu einer der ersten, die man zu diesem Album noch vor dem Hören erhält. Im Gegensatz zu dem Cover ist der Titel jedoch irreführend. Wer nach zuckersüßen Songs sucht, die einen gemütlichen Rückzugsort vor der Gegenwart versprechen, ist hier an der falschen Adresse. Viel mehr schaffen die Hip-Hopper mit dieser Platte ein Gesamtkunstwerk, das die verschiedensten Einflüsse zu einem wabernden, pulsierenden und zu jedem Zeitpunkt spannenden Mischung verbindet.

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Und so hört sich das an:

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Young Fathers live 2018:

  • 09.04.2018 Columbia Theater Berlin

Rechte am Albumcover liegen bei Nina Tune / Rough Trade.

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