Thriller Live, Capitol Theater Düsseldorf, 08.01.2019

Es ist soweit! Premiere im Hause minutenmusik! Ihr könnt unzählige Konzertreviews und Festivalberichte bei uns lesen – ab sofort gibt’s auch Musicals & Musikshows in der Kritik. Geil!? Den Start macht Thriller Live, das aktuell durch Deutschland tourt:

Zehn Jahre Thriller Live! Eine Dekade ist vorbei. Moment mal… heißt das nicht, dass… ja, tatsächlich! Im Juni ist auch der zehnte Todestag des „King of Pop“, Michael Jackson. Wahnsinn, wie schnell die Zeit vergeht. Dieser traurige Beigeschmack wird in dem Stück zum Glück übergangen und stattdessen einfach Jacksons Werk zelebriert. Zwar gab es bereits 2008 einige Shows in Europa – der richtige Startschuss für die MJ-Hommage fiel aber erst am 21.1.2009 in London. Seitdem läuft das Event weltweit und war auf jedem Kontinent in insgesamt 33 Ländern zu sehen. 2019 gibt es in 37 (!) deutschsprachigen Städten bis Mitte April Thriller Live auf der Bühne. minutenmusik hat die Preview-Vorstellung am 8.1. in Düsseldorf für euch besucht!

Das Capitol-Theater zeigt nicht zum ersten Mal die Show. Bereits auf der ersten großen Tour durch Deutschland vor zehn Jahren hatte man die Chance – zum Jubiläum geht es also auch dorthin wieder zurück. Für einen Dienstagabend ist der Saal außergewöhnlich voll. Das mag einerseits daran liegen, dass die Show nur sechs Tage in der Landeshauptstadt gastiert, andererseits aber auch einfach an dem catchy Material. So wirklich freisprechen kann sich ja niemand… jeder hat mindestens eine Hand voll Songs, die er von Jacko feiert! So trudeln also pünktlich zur Primetime um 20h die letzten Gäste ein, das Licht geht aus und nach kurzer Aufforderung die Handys auszustellen, geht es auch schon los.

Die Bühne ist für ein Musical recht einfach gehalten: Eine mittelgroße Leinwand im hinteren Bühnenbereich, um die eine große Showtreppe herumläuft, d.h. es kann sowohl über als auch neben und vor der Leinwand gestanden werden. Außerdem einige weitere schwebende Bildschirme an beiden Seiten. Das war’s fürs Erste. Spärlich, oder? Da sollte aber gleich eines vorweg betont werden: Thriller Live ist kein Musical im eigentlichen Sinne. Thriller Live ist ein Tribute, eine Art konzertante Aufführung, eine Gala. Hier wird keine hanebüchene Story um die Songs gesponnen und der Künstler außen vor gelassen – hier wird Michael Jackson gefeiert, und zwar richtig!

Aber wie darf man sich Thriller Live überhaupt vorstellen? Glücklicherweise treffen hier mehrere Elemente aufeinander, die perfekt aufeinander abgestimmt sind. Vier Hauptsänger mit den unterschiedlichsten Stimmen führen durch den Abend. In der besuchten Vorstellung sind das Trace Kennedey, der mit seinen souligen Einlagen für die emotionalen Augenblicke sorgt, Rory Taylor als Pop-Rocker, Britt Quentin, der bereits seit 2009 in der Show in London für die ganz hohen Töne zuständig ist und auch optisch Michael in Teilen ähnelt und zuletzt Ina Seidou, als schwarze R’n’B-Diva. Alle vier Sänger bekommen ihr Solo, zwischendrin wird mehrstimmig gesungen. Außerdem fungieren sie als Moderatoren, die in einigen Momenten Fakten über Jackson präsentieren oder in die nächste dargestellte Schaffensperiode überleiten. Die Moderationen sind jedoch in der Anzahl überschaubar – stattdessen wird lieber das Publikum eingebunden und zum Tanzen animiert. Besser so! Abgerundet wird das Ensemble durch Isaiah Mason, der bereits in seinen jungen Jahren als kleiner MJ eine grandiose Figur macht. Aber natürlich wird in einer Michael-Show nicht nur gesungen – zehn Tänzerinnen und Tänzer sorgen für akrobatische und durchweg synchrone Einlagen, die teilweise 1:1 die Choreographien der Musikvideos nachstellen und nur von dem Haupttänzer Kieran Alleyne getoppt werden, der als Imitator Jackson fast zum Verblüffen ähnelt.

Gestartet wird mit einem Medley aus „HIStory“ und „Don’t Stop ‘Til You Get Enough“. Darauf werden noch über 30 weitere Songs bis zum Finale der Show folgen. Mit Hits wird hier wahrhaftig nicht gegeizt. Von den Klassikern ist wirklich alles dabei, was man sich wünscht: „Billie Jean“, „Black or White“, „Remember The Time“, „Smooth Criminal“, „Man In The Mirror“, „The Way You Make Me Feel“, „Dirty Diana“, „Beat It“, „Bad“, „They Don’t Care About Us“, „Earth Song“, natürlich „Thriller“ selbst, und … atmen! Ja, einfach ein wahres Feuerwerk an Welthits. Trotzdem hat Thriller Live genau hier womöglich seine einzige Schwäche: gleich 15 Songs der Setlist befassen sich mit dem Debüt „Off The Wall“ und seinem Werk davor, also den Jackson 5. Zwar ist es durchaus löblich, dass eben nicht nur auf die Soloarbeiten der Fokus gesetzt wird, sondern auch oft unbeachtete Stücke ihren Weg in die Show finden, trotzdem besteht aber der 1. Akt und somit 50% Gesamtanteil fast ausschließlich aus weniger bekanntem Material. Demnach müssen andere große Songs unter den Tisch fallen: „Scream“, „Heal The World“, „Liberian Girl“, „You Rock My World“ und sogar den weltweiten Nr. 1-Hit „You Are Not Alone“ sucht man hier vergeblich. Kann man über dieses Manko jedoch hinwegsehen, gibt es fast nichts mehr zu beanstanden.

Jedes Lied wird in der Show anders inszeniert. Zu jedem Track gibt es eigene Kostüme, Requisiten und Einspieler auf Leinwand. Bei wem hier Langeweile aufkommt, dem kann eben auch nicht mehr geholfen werden. Erst 60, dann 70 Minuten lang fährt Thriller Live voll auf und legt bis zum Abschluss immer noch einen drauf. Zwar sind die Showelemente gar nicht so außergewöhnlich, das macht allerdings wenig. Stattdessen kommt man aus dem Staunen kaum noch raus, wenn sowohl gesanglich als auch tänzerisch in vielen Momenten die Kopie dem Original in fast nichts nachsteht. Der berühmte Tanz von den Video Music Awards zu „Dangerous“? Ist dabei. Der Leaningeffekt bei „Smooth Criminal“? Ist dabei. Zombies aus „Thriller“? Sind dabei. Die Cast tanzt sich die Füße platt, macht Saltos und wirkt immer als Einheit und äußert synchron. Das Kostüm ist stets den Videos nachempfunden und führt mit den Tanzeinlagen dazu, dass man als Fan immer wieder einige markante Szenen vor Augen hat und bei vielen Details schmunzeln muss, so gut ist es. Wenn Solotänzer Kieran Alleyne beispielsweise bei „Billie Jean“ einen der typischen MJ-Hüte trägt und sein halbes Gesicht bedeckt ist, hat man für kurze Zeit das Gefühl, die Reinkarnation Jacksons zu sehen. Der Moonwalk und sämtliche anderen unverwechselbaren Moves sind makellos. Chapeau!

Gesanglich setzt vor allen Dingen Britt Quentin Maßstäbe – es gibt wahrscheinlich weniger als zehn Leute auf dieser Welt, die alle bekannten Sounds aus Michael Jacksons Gesangstil so gut nachmachen können. Wahnsinn. Eine außergewöhnliche und wirklich beeindruckende Performance und völlig zurecht seit zehn Jahren in der Show besetzt. Auf einem ähnlich hohen Niveau bewegen sich Ina Seidou und Trace Kennedey, die in vielen zweistimmigen Parts für wohlige Schauer sorgen. Einzig und allein Rory Taylor fällt minimal negativ ins Gewicht. Definitiv ein guter Sänger, der mit seinem weichen Timbre in „She’s Out Of My Life“ tief berührt, aber bei den wirklich rockigen Nummern wie „Beat It“ und „Dirty Diana“ doch stark an seine Grenzen kommt. Wahrscheinlich auch der Grund, warum die beiden zuletzt genannten und „Man In The Mirror“ die einzigen Songs sind, die nicht in Originaltonart gesungen, sondern nach unten transponiert werden. Da waren frühere Besetzungen wie Nathan James doch besser – aber das ist wirklich anspruchsvolles Nörgeln.

Ein besonders großes Lob geht an die musikalische Leitung unter Andy Jeffcoat. Die Band zockt so, wie man es sich wünscht. Einige Male dürfen die E-Gitarristen bei den bekannten Soli auf die Bühne treten und erhalten zurecht Szenenapplaus. Generell ist das Publikum im Capitol außergewöhnlich laut. Bereits nach dem Opening gibt es Begeisterungsjubel und lautes Geklatsche. Das gipfelt schließlich in Standing Ovations, die die kompletten vier Zugaben anhalten und so selten bis nie in Düsseldorf zu sehen sind. Eine absolut mitgerissene Crowd – ein schönes Bild! Das liegt nicht zuletzt an dem perfekt abgemischten Ton, der die Sänger so gut abnimmt, dass vieles wie eine Studioaufnahme klingt, aber aufmerksame Zuschauer doch erkennen können, dass der Gesang gerade live ist. Das wünscht man sich viel, viel öfter so.

Insgesamt ist Thriller Live im Capitol in Düsseldorf ein Must Seen. Egal, ob Michael Jackson-Fan oder nicht – bis auf Kleinigkeiten stimmt hier einfach alles. Eine Show, die Spaß macht, mitreißt, beeindruckt, inspiriert und dem gehuldigten Künstler gerecht wird. Große Empfehlung!

Tickets für die restlichen Stopps gibt es hier.*

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