Plattenkrach: Bring Me The Horizon – Sempiternal

Bring Me The Horizon Sempiternal

Entweder man liebt sie oder man hasst sie. Bring Me The Horizon sind eine Band die für viele Meinungsverschiedenheiten sorgen. Da darf die britische Gruppe in unserem Plattenkrach natürlich nicht fehlen! Zur Abwechslung sind dieses Mal beide Autoren große Fans der Band, aber die Frage nach dem Lieblingsalbum bietet trotzdem einige Streitpunkte: 

Marie: Es gab einmal eine Zeit, da war Tumblr noch cool (das Wort „cool“ ebenso) und zwischen GIFs und Fotomontagen bin ich immer wieder über eine gewisse Band mit dem Akronym BMTH gestolpert. Schließlich habe ich dann auch einmal reingehört und auch wenn ich es da schon wirklich gut fand, haben sie es dann später mit „Sempiternal“ geschafft mich wirklich zu 100% abzuholen und zu einer großen Lieblingsband zu werden!

Bring Me The Horizon sind ohne Zweifel eine streitbare Band. Wenn man seinen Sound von Metal über Metalcore zu absoluten Pop-Rock, der kaum noch an die Anfangszeiten erinnert, ändert, dann sollte das einen auch nicht wundern. Bei so vielen Experimenten und Wechseln (sowohl Genre als auch Bandmitglieder) ist es auch irgendwie nachvollziehbar, dass das eben nicht jeder so gelassen hinnimmt. Aber gleichzeitig ist das auch eine Eigenschaft die Bring Me The Horizon zu so einer spannenden Band macht.

Das 2013er „Sempiternal“ stellt einen Wendepunkt in der Bandgeschichte von Bring Me The Horizon dar. Es ist die erste Platte mit Jordan Fish am Keyboard und durch diese zusätzliche Ebene eine große Wandlung in ihrem Musikstil. Außerdem singt Oliver Sykes zum ersten Mal clean. Während für mich das spätere Album „That’s the Spirit“ zu Pop-lastig  wurde und „There Is A Hell, Believe Me I’ve Seen It. There is A Heaven, Let’s Keep It A Secret” nicht nur einen unnötig langen Titel hat, sondern auch musikalisch zu sperrig ist, so bietet „Sempiternal“ die perfekte Mischung aus beiden Welten. Es ist ein unfassbar atmosphärisches Album und auf eine eigentümliche Art und Weise sogar beruhigend. Gleich zu Beginn baut sich eine ganz besondere Atmosphäre auf, die über das ganze Album getragen wird. „Sempiternal“ ist das erste BMTH Album, das radio-tauglich ist, gleichzeitig jedoch nicht austauschbar und (theoretisch) wie gemacht für große Festivals ist (an der Live- Umsetzung haperte es dann hier und da doch des Öfteren…).

Die Platte startet mit „Can You Feel My Heart“ und man wird direkt mit in die “Sempiternal-Welt” rein gezogen. Geschickt eingefädelte Synthies kombiniert mit klassischen Instrumenten und diversen Metal-Elementen. Eine musikalische Symbiose in Perfektion. In „Sleepwalking“ stellt Matt seine Drumming-Skills unter Beweis und auch vom restlichen Arrangement her ist es einfach ein absolutes Highlight auf dem Album. Melodischer, epischer und zeitgleich ruhiger geht es bei “And the Snakes Start to Sing“ zu, welcher mit Sykes’ zerbrechlicher Stimme am Anfang immer wieder Gänsehaut erzeugt. „Shadow Moses“ trumpft mit einem großem “We are going nowhere” singenden Chor sowie starken Riffs auf. Jeder Song hat ein neues Detail und es wird immer wieder mit etwas Neuem experimentiert.

„Sempiternal“ – Eine Platte für die Ewigkeit. Die Kombination aus Oliver Sykes’ Screams, dem Keyboard von Jordan Fish und wuchtigen Instrumentals. Dazu Sing-Alongs, epische Refrains, brachiale Riffs und Break-Downs. „Sempiternal“ hat einfach alles was es braucht, um einen in eine andere Welt mitzureißen und hat es dabei gleichzeitig geschafft ein ganzes Genre zu beeinflussen.

Und Melvins Meinung dazu:

Um den Leser direkt vorweg zu informieren: Wer Bring Me The Horizon extrem scheiße findet und hier einen Verriss oder Ähnliches erwartet, wird nicht glücklich werden. Im Gegenteil sogar: Bring Me The Horizon ist eine meiner Lieblingsbands, für mich gibt es im Metalcore-Bereich kaum eine Band, die mich mehr überzeugt. Warum schreibe ich dann also die Gegenmeinung zur positiven Bewertung von Marie? Ganz einfach: Eine Band kann man gemeinsam lieben. Aber auch mit echten Fans kommt man oft nicht auf einen Nenner, wenn es um das beste Album der favorisierten Band geht. Und so ist es auch in diesem Fall: Sempiternal ist ein tolles Album, aber mit Sicherheit nicht das beste Album von Bring Me The Horizon. Wer das behauptet, verachtet das 2010er Meistwerk „There Is A Hell, Believe Me I’ve Seen It. There is A Heaven, Let’s Keep It A Secret“.

„Can You Feel My Heart“, „Empire (Let Them Sing)“, „Sleepwalking“ – ja natürlich sind das alles Songs, die super klingen, die Spaß machen, die man immer und immer wieder hören kann. Aber wo bleibt hier die musikalische Raffinesse? „There Is A Hell…“ bietet da deutlich mehr an. Schaut man sich die Tracklist an, muss man erst einmal genauer suchen, wenn man die richtigen Ohrwürmer ausmachen will. Denn Bring Me The Horizon klingen hier noch deutlich härter, verkopfter und alles in allem weniger eingängig als auf ihrem Nachfolgealbum. Und damit habe ich auch bereits den für mich entscheidenden Faktor genannt, warum Sempiternal für mich nicht das beste BMTH Album ist: Es will einfach zu sehr gemocht werden.

Ein gutes Album macht für mich Eingängigkeit aus, dass es Spaß macht es anzuhören, dass man sich mit vermittelnden Inhalten identifizieren kann oder sich auf eine unterhaltsame Art und Weise abgrenzen kann. Ein überragendes Album – Achtung, jetzt wird es pathetisch – sorgt meiner Meinung nach dafür, dass Welten und Räume geschaffen werden, die zum Nachdenken einladen, zum Träumen, zum Lachen, zum Weinen und so weiter. Eine ganz schön emotionale Angelegenheit also. Aber um ein Album wirklich über Jahre zu lieben oder lieben zu lernen, gehört mehr dazu als einfach nur „gut“ zu sein. Sempiternal fällt also schonmal raus, denn mehr als das Erwartbare, nämlich gute Musik von einer talentierten Band, wird hier nicht geboten.

„There Is A Hell…“ dagegen schafft besondere Momente. Das Album kann man nicht einfach nur so hören, man muss es sich erarbeiten. Ich glaube es gibt kaum jemanden, der das 2010er Werk von Bring Me The Horizon gleich beim ersten Hören super fand, denn hier hängt so viel Schwere im Raum, so viel Brachalität, das muss man erstmal sacken lassen. Und so fallen auch noch beim 200. Durchgang neue Momente auf, musikalische Spielereien und textliche Eindrücke, die man immer und immer wieder neu gewinnt.

Darüber hinaus haben BMTH auf „There Is A Hell…“ einfach die kreativeren Ideen. Während „Sempiternal“ zwar auch mit tollen elektronischen Spielereien begeistern kann, findet man auf „There Is A Hell“ spannende Songideen in Vielzahl. Die Komposition von „Don’t Go“ mit den epischen Streichern und dem heiseren Gesang von Oli Sykes, das brachiale Ende von „Alligator Blood“ mit den singenden Gitarren ab 3:32, der Beginn und generell der gesamte gepitchte Sound von „Blacklist“ sowie der Aufbau des Albumendes. Nach dem Interlude folgt mit „Blessed With A Curse“ ein musikalisch super interessantes und ruhigeres Stück, worauf dann mit „The Fox and the Wolf“ der vielleicht härteste Song des Albums folgt. „There Is A Hell…“ ist meiner Meinung nach also mit Abstand das stärkste Bring Me The Horizon Album.

Und so hört sich das an:

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Die Coverrechte liegen bei Epitaph / RCA Records.

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