Plattenkrach: Florence + The Machine – Lungs

Florence + The Machine - Lungs

Florence + The Machine sind Bestandteil des vierten Plattenkrachs. Das Debüt „Lungs“ der Engländerin Florence Welch und ihrer wechselnden Band war 2009 in aller Munde und hinterließ bei Kritikern großen Eindruck – so auch bei unserer Julia. Kollegin Marie hat von dem Hype wenig bis gar nix mitbekommen und hat ganz unvoreingenommen mal reingehört.

2009 war ich 14 Jahre alt. Groß geworden mit Queen und ABBA wendete ich mich als Teenager, wie viele andere zu dieser Zeit, aber dann dem Metal und Emo zu. Die Helden der Stunde hießen My Chemical Romance und Bullet For My Valentine. Mit Musik, die wenig E-Gitarren beinhaltet, konnte ich nicht viel anfangen, die Charts waren auch ein schwieriges Thema, Indie wirkte auf mich unglaublich öde. Eines Tages entdeckte ich dann ein Lied auf dem iPod einer Freundin, das alles verändern sollte: „Rabbit Heart“ von Florence + the Machine. Eine Stimme, so markerschütternd schön, dass sich unweigerlich eine Gänsehaut über meinen ganzen Körper ausbreitete. Ein Instrumentarium, das gängiger Pop- oder Rockmusik um Längen überlegen war. Wunderschön eingesetzte Background-Chöre, die Welch teils unterstützen, teils entgegenstehen. Schnell war der Gang zum CD-Laden meiner Wahl erledigt, das zugehörige Album hieß „Lungs“. Es sollte meine gesamte Musikwelt auf den Kopf stellen.

Florence + The Machine beweisen, dass sie ein ungemein beeindruckendes Repertoire an Songs spielen können. „A Kiss with a Fist is better than none“ – derlei freche Sätze vor einem lockeren Indie-Slacker-Song kennt man heute von der Riege um Courtney Barnett, doch auch Welch beherrscht diese Art von Indie mit einem großen Augenzwinkern. Für die großen Emotionen sorgen herzzereißende Stücke wie „Cosmic Love“ oder „Hurricane Drunk“. Florence + The Machine machen keine Musik für kleine Bühnen, sie wollen das ganz Große. Der Kosmos als Allegorie für die Liebe: “The stars, the moon, they have all been blown out, You left me in the dark”, dazu Streicher, die mal leise blubbern, mal episch auffahren. Florence + The Machine können auch Indie-Party, „Dog Days Are Over“ und natürlich „You’ve Got The Love“, eines der schönsten Liebeslieder überhaupt, würden wohl sogar jeden Tanzmuffel umdenken – oder zumindest Mitsingen lassen. „Girl With One Eye“ beinhaltet beinahe schon Garage-Rock Elemente. „My Boy Builds Coffins” umschreibt den Tod als allgemeingültiges Ende so poetisch, wie es nur Welch gelingt – ihre Liebe zu Lyrik und Literatur wird schon auf dem Debüt klar sichtbar. Und immer wieder diese Harfen, die ja wohl die der E-Gitarre entfernteste Saiteninstrumente sind, mich aber dennoch direkt in ihren Bann zogen.

„No more dreaming like a girl so in love with the wrong world” singt Welch in “Blinding”. Auf diesem Album zeigt sie sich ein letztes Mal verspielt, „Lungs“ bleibt das bis dato vielseitigste Album der Band. Danach ist es vorbei mit dem Mädchen und Welch entwickelt sich endgültig zur Grande Dame des Indie. Alle Alben der Band sind Werke epischen Ausmaßes, „Lungs“ bleibt für mich auf Grund all der umwerfenden Songideen und abwechslungsreichen Momente aber bisher die Nummer 1. Und ein Lichtblick, der mir die Augen für einen ganz neuen Kosmos geöffnet hat: dem Indie.

Und das hält Marie nach dem ersten Hören von “Lungs”:

Florence + The Machine gehört zu den Bandnamen, die ich schon gefühlt tausendmal irgendwo gelesen, aber selber nie wirklich reingehört habe. Der Bandname hat mich immer abgeschreckt und so ganz sicher, ob es sich dabei jetzt um ein Solo-Projekt von Florence handelt oder doch eine Band ist, bin ich mir immer noch nicht. Und umso gespannter bin ich, dem Ganzen eine Chance zu geben und mir das Debütalbum von 2009, „Lungs“, anzuhören.

So schlecht ist der Anfang gar nicht. Der erste Song „Dog Days Are Over“ ist sogar ziemlich catchy und mit Percussions bekommt man mich halt immer. Es geht weiter mit typischem Indie-Folk mit Streichern und Gitarren im Hintergrund und Frontsängerin Florence Welch singt über Liebe, Trennung und Trauer. Das Übliche eben. In „Rabbit Heart (Raise It Up)“ wird mehr mit Echos und Hall auf ihrer Stimme gearbeitet. Und das macht für mich wieder alles kaputt. Die Stimme von Florence Welsh ist in vielen Stellen wirklich gut, besonders wenn sie allein zu hören ist, aber die Mehrstimmigkeit und Hall auf der Stimme machen das alles zunichte. Und das Problem ist nicht nur in diesem, sondern in vielen Songs auf der Platte zu hören. Es wirkt an vielen Stellen einfach überdramatisch und überladen. Generell ist mir das Album an vielen Stellen mit Chören oder Harfen im Hintergrund zu stark aufgeplustert, was das Ganze recht theatralisch wirken lässt. Weniger wäre da doch mehr. So verliert sich das alles etwas und hört sich sehr uniform an. Immer und immer wieder wird von sanften Teilen mit zarten Stimme und nur ein bis zwei Instrumenten zu aufbrausenden Arrangements gewechselt und wieder zurück. In jedem einzelnem Song. Spannend ist das nicht. Und das macht es auch sehr schwer, das komplette Album zu hören und nicht jedes Mal nach 20 Sekunden zum nächsten Song zu springen.

Es gibt aber auch einen Lichtblick! „Kiss with a Fist“ ist wesentlich punkiger und für mich (mit großem Abstand) der beste Song auf “Lungs”! Auch (oder gerade) da er sich stark von den restlichen Songs abhebt und nicht so wehleidig ist. Und es gibt auch noch mehr Überraschungen: angekommen bei „You’ve Got The Love“ bemerke ich, dass ich den Song ja sogar kenne! Ich habe nur keine Ahnung woher und bin mir unsicher, ob das jetzt für oder gegen das Album spricht…

Insgesamt ist „Lungs“, auch wenn es an vielen Stellen überladen wirkt und sehr repetitiv ist, gar nicht so schlimm und ich muss auch zugeben, dass sich nach mehrmaligem Durchhören immer wieder kleine Ohrwürmer eingeschlichen haben, die mich jetzt bestimmt noch eine Weile begleiten werden.

Das Album “Lungs” kannst du dir hier kaufen.*

Und so hört sich das an:

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https://www.youtube.com/watch?v=iWOyfLBYtuU

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Florence + The Machine live 2019:

  • 02.03.2019 Olympiahalle München
  • 05.03.2019 Lanxess Arena Köln
  • 09.03.2019 Barclaycard Arena Hamburg
  • 14.03.2019 Mercedes-Benz Arena Berlin

Rechte am Albumcover liegen bei Island Records.

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