Plattenkrach: Shout Out Louds – Our Ill Wills

Shout Out Louds - Our Ill Wills

Auch in Runde Sieben sind sich die beiden Plattenkrach-Kontrahenten ganz und gar nicht einig: Bei Andrea ruft das Album “Our Ill Wills” der schwedischen Indie-Band Shout Out Louds auf Knopfdruck gute Laune und schöne Erinnerungen hervor. Bei Max löst die Musik allerdings ganz andere Gefühle aus.

Die Shout Out Louds. Wie viele Sommer habe ich schon mit ihnen erlebt. Mit ihrer musikalischen Entwicklung vom rauen Indierock über sphärische Melodien hin zum erwachsenen, reifen Sound ihrer letzten Platte haben sie mich seit über zehn Jahren mal mehr, mal weniger begleitet. Ein Album nimmt dabei eine ganz besondere Stellung ein: Our Ill Wills, das zweite Werk der Schweden.

Dass das Album im Frühling 2007 auf den Tag genau an meinem 18. Geburtstag veröffentlich wurde, ist natürlich purer Zufall, aber irgendwie auch bezeichnend. Ein unbeschwerter Sommer, endlich tun und lassen, was man will, Spontanausflüge mit den Freunden – und das alles mit dem passenden Soundtrack. Our Ill Wills beginnt mit Trommelwirbel, Gitarre und Glockenspiel und somit mit dem unverkennbaren Sound der Indie-Band rund um Sänger Adam Olenius. „Tonight I Have To Leave It“ geht nicht nur direkt ins Ohr, sondern vor allem direkt in die Füße. Auf die Tanzeinlage folgt das verkatert-wehmütige „Your Parents Livingroom“. Wehmütig allerdings nur im Hinblick auf die Lyrics, denn wie kaum eine andere Band schaffen es die Shout Out Louds, melancholische Texte auf so fröhliche Art zu vertonen, dass es schon wieder etwas Tröstendes hat. Die markante Stimme von Adam bringt eine gewisse Prise Herzschmerz mit, allerdings nie so viel, dass es weinerlich werden könnte.

Natürlich gibt es auch Ausnahmen von diesem bewährten Erfolgskonzept, die der Platte eine angenehme Abwechslung bringen: „Blue Headlights“ zum Beispiel, ein musikalisch fast schon minimalistischer Song, der den Hörer mit Keyboarderin und Backgroundsängerin Bebban als Lead Vocal sanft hin und her wiegt, oder das rein instrumentale, verträumte Stück „Ill Wills“. Die Leichtigkeit von „Normandie“ befördert die Gedanken direkt an die besungenen französischen Strände. Mit der Akustik-Ballade „Meat Is Murder“ kehrt als vorletzter Titel die Ruhe vor dem Sturm ein, bevor im 7,5-minütigen Finale „Hard Rain“ noch einmal alles aufgefahren wird, was die Shout Out Louds an Instrumenten und Effekten zu bieten haben. Neben „Tonight I Have To Leave It“ wird aber wohl für immer „Impossible“ als einer der Klassiker der Platte hängen bleiben. Und als einer der Gründe, warum die Shout Out Louds mich auch in den kommenden Jahren immer weiter begleiten und an unbeschwerte Sommer zurückdenken lassen werden.

Und das sagt Max:

Ganz unvoreingenommen und unwissend höre ich mir Shout Out Louds Album Our Ill Wills an. Doch das ist gar nicht mal so leicht, denn schon der Opener Tonight I Have To Leave it sammelt mit exzessivem Gebrauch von Kuhglocken und eher nervigem Gedudel einen Haufen Minuspunkte. Das „Di di di“ des Sängers bei ca. 2:45 schlägt dem Fass dann den Boden aus. Musste das auch noch sein? Da will man doch gar nicht mehr weiterhören. Naja, gehört halt dazu – weiter geht’s. Meine Antwort soll kein Track-By-Track werden, aber auf einige Einzelheiten möchte ich schon eingehen. Lied Nummer zwei, Your Parents Living Room, gefällt mir dann um einiges besser, wer ist nicht schon mal in einem elterlichen Wohnzimmer mit Kopfweh aufgewacht?

Aber danach flacht das Album auch schon wieder ab: You Are Dreaming zeigt Talent im Zuviel-Text-In-Eine-Zeile-Pressen und auch die anderen Lieder klingen alle nahezu gleich. Immerhin erscheint in Lied Nummer 5, Blue Headlights, ein unerwarteter Hoffnungsschimmer am Horizont – die nervige Stimme des Sängers wird endlich durch die einer Frau ersetzt! In Impossible, taucht er dann leider wieder auf und erklärt weinerlich, dass diese Liebesbeziehung leider unmöglich war; der weibliche Hintergrundgesang verschlimmbessert dieses Lied zusätzlich. Dass man dieses Thema auf diese Art und Weise dann auch noch auf fast 7 Minuten strecken musste, erschließt sich mir ebenfalls nicht.

Our Ill Wills wäre vermutlich ohne oder mit einem anderen Sänger deutlich besser gewesen, denn einige Lieder haben sogar so etwas wie einen Groove. Vielleicht hätte da das Label besser durchgreifen sollen und wie bei anderen erfolgreichen Bands kurz vor Aufnahmebeginn ein Zeichen setzen müssen. Eine einzige Sache macht das Album tatsächlich gut: es klingt wie ein Gesamtkunstwerk aus einem Guss – bloß in nervig.

Wenn ich ein „Lieblingslied“ wählen müsste, wäre es wohl Ill Wills, denn es kommt ohne Sänger aus oder aber Normandie, denn es groovt und ist kurz – mehr Zeit für bessere Musik. Einmal hören reicht dann aber auch.

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Und so hört sich das an:

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