Interview mit Beach Slang über „A Loud Bash Of Teenage Feelings“!

Beach Slang -Interview - A Loud Bash Of Teenage Feelings

Wir waren diese Woche bei Beach Slang im FZW in Dortmund und hatten vor der Show die Möglichkeit mit James Alex, dem Frontman und Sänger der Band, über deren neues Album „A Loud Bash Of Teenage Feelings“, das Tourleben und seinen kleinen Sohn zu sprechen.

minutenmusik: Hi James! Schön dich zu treffen!

James Alex: Freut mich auch sehr! Danke, dass du dir Zeit nimmst!

minutenmusik: Euer neues Album „A Loud Bash Of Teenage Feelings“ kommt nächsten Monat heraus. Wir würdest du den Sound dieses Albums im Vergleich zum Ersten beschreiben?

James Alex: Ich würde sagen das Neue ist ein wenig rauer. Wir sind so viel getourt, dass wir so in diesem Vibe – in diesem Live-Performance-Sound – gefangen waren, sodass dann letztendlich dieser Sound auch auf dem Album durchkommt. Es klingt viel mehr nach einer Live-Aufnahme, als nach einer Studio-Aufnahme im Vergleich zum ersten Album.

minutenmusik: Euer erstes Album ist vor weniger als einem Jahr erschienen. Wie habt ihr das geschafft in so einer kurzen Zeit ein Album zu schreiben und aufzunehmen?

James Alex: Das war auf jeden Fall sehr wild! Ich musste lernen auf Tour zu Schreiben. Ich möchte mindestens jedes Jahr eine Platte draußen haben. Mit unserem Tour-Plan war der einzige Weg das umzusetzen, indem Ich auf Tour schreibe. Normalerweise schreibe Ich eher isoliert für mich alleine. Also habe Ich gelernt das auf Tour zu tun und habe angefangen in Umkleideräumen und in den Backstageräumen Songs zu schreiben. Dann sind wir nach Hause zurück gekehrt. Da hab Ich meine Demos, die Ich zu Hause aufgenommen hatte, an die Jungs geschickt und wir hatten zwei Tage zum Proben und dann ging es schon ins Studio. Dort haben wir in neun Tagen das ganze Album aufgenommen. Das ganze hatte schon einen unbesonnenen drängenden Beigeschmack, welcher aber auch im Sound herauskommt. Davon profitiert die Platte!

minutenmusik: Ich war im Januar auf der Show in Köln, wo Ihr erklärt habt, dass ihr im Soundcheck zuvor angefangen hattet die neue Platte zu schreiben. Weißt du noch welcher Song da entstanden ist?

James Alex: Der heißt jetzt „Wasted Daze Of Youth!“, also ja! Auf der Tour habe Ich die komplette Platte geschrieben.

minutenmusik: Was magst du lieber: Eine Festivalshow oder einen Headline-Gig?

James Alex: Ich mag Headline-Shows. Wir kommen aus den Clubs und das ist auch unsere Welt. Diese Shows sind intimer!

minutenmusik: Spielst du lieber Live oder lieber im Studio?

James Alex: Ich mag es Live zu spielen. Aber Ich mag natürlich auch die Idee aus dem Nichts etwas zu kreieren, wenn Ich zu Hause bin und schreibe. Das ist auch, warum Ich das mache. Jedoch liebe Ich diesen menschlichen Austausch – die Energie, den Schweiß, diese Unbesonnenheit – auf Konzerten.

minutenmusik: Ich habe gelesen, dass du nicht mehr wispern, sondern vielmehr schreien möchtest. Also, was magst du lieber: Wispern oder Schreien?

James Alex: Für Beach Slang schreie Ich lieber. Ich glaube Menschen wie Ich, die sich mit der Band identifizieren, sind alle eher introvertierte Mauerblümchen, die nur darauf warten ihre Stimme zu kriegen. Jetzt haben wir sie vielleicht ein bisschen, also wollen wir sie auch nutzen!

minutenmusik: Wir haben jetzt ja auch schon über das Touren gesprochen. Was liebst du daran am meisten?

James Alex: Ich mag es in verschiedene Kulturen einzutauchen und ganz viele neue Leute kennenzulernen. Man hat eigentlich nie Zeit sich zu langweilen. Ich fühle mich nicht gut, wenn Ich wie so ein Idol nur rumsitze und rumhänge. Ich brauch das etwas passiert. Eine Tour ist dafür perfekt.

minutenmusik: In den letzten Jahren bist du mit Beach Slang einige male in Europa gewesen. Warst du vorher, vielleicht mit einer deiner vorigen Bands, hier?

James Alex: Ich war hier vorher einmal, aber das ist schon lange her. Mit Beach Slang ist das krass. Wir kommen im November schon wieder und das ist klasse! Wir sind hier fast öfter auf Tour, als in Amerika, was unglaublich ist. Ich kann nicht glauben, dass wir die Möglichkeit haben das zu tun. Also ja, Ich war einmal in Europa zuvor, aber das ist lange her und Ich hatte noch nicht so richtig die Kurve gekriegt. Aber es ist cool hier her zu kommen, weil Ich mal wirklich zum Reisen komme und mir Sachen anschauen kann.

minutenmusik: Inwiefern unterscheiden sich aus deiner Sicht die Musikszenen in Europa und Amerika voneinander?

James Alex: Ich denke nicht, dass es da große Unterschiede gibt. Ich habe da erst gestern mit wem drüber gesprochen und bin zu dem Schluss gekommen, dass je mehr man von der Welt sieht, umso mehr merkt wie viel wir alle gemeinsam haben. Das ist hervorragend! Ich denke aber, dass in Europa vor allem auf Festivals ein unnachgiebiger Bedarf an Teilhabe besteht. Wenn das Wetter desaströs ist, stört das keinen dabei die Zeit seines Lebens zu haben. Man will da sein und dann wird man auch da sein. Ich stehe total auf diese Tatkraft! Das gibt es so nicht in Amerika.

minutenmusik: Eure Konzerte sind sehr spontan mit Cover-Sessions und ihr geht sehr auf das Publikum ein. Wollt ihr in Zukunft größere Hallen spielen oder wollt ihr eher eine Band bleiben, die die kleinen Clubs füllt?

James Alex: Ich wäre komplett zufrieden damit, wenn es so bleibt wie es ist. Das ist schon mehr, als ich mir je erwünscht hätte. Wenn das alles größer wird, werde Ich mich natürlich nicht beschweren. Ich mein, Ich werde dafür bezahlt meine E-Gitarren zu spielen. Das ist total cool! Man hatte mich vor den Festivals schon gefragt, wie wir das, was wir lieben, auf die große Bühne bringen wollen. Ich kann dazu nur sagen, dass wir auch da genauso nachlässig und chaotisch und ehrlich sein werden, als wenn wir auf einer kleineren Bühne spielen. Das Venue ändert nicht unseren Ansatz. Für uns ist das interaktiv. Wir schreiben Setlists, aber um ehrlich zu sein sind das auch nur Empfehlungen. Wir folgen auf der Bühne unseren Herzen. Gestern haben wir zum Beispiel einen 300-Mann-Club in Trier gespielt und das war wunderschön. Das war einfach eine unglaubliche Nacht! Nächte wie diese erinnern mich wirklich daran, warum Ich das hier mache.

minutenmusik: Seitdem du Beach Slang gegründet hast muss sich viel in deinem Leben geändert haben. Kannst du uns vielleicht einige positive und negative Veränderungen nennen?

James Alex: In meinem Leben hat sich viel geändert. Ich mein, mein Sohn ist gerade 16 Monate alt geworden. Das hat natürlich mein Leben total verändert. In Beach Slang hatten wir ein paar Wachstumsschmerzen. Wir sind so schnell eine Band geworden. Als das alles begonnen hat, habe Ich die Demos von mir nur ein paar Freunden gezeigt. Die haben mich dann davon überzeugt, dass Ich das aufnehmen sollte. Also war das erstmal ein Aufnahme-Projekt. Dann haben wir miteinander gespielt, was sich sehr sehr richtig angefühlt hat. Darauf kam auch schon die erste EP. Das hat sich alles sehr schnell verbunden. Auf einmal waren wir eine Band. Dann haben wir angefangen zu touren. Ich beschwere mich überhaupt nicht, aber das alles hat sich so schnell entwickelt, dass wir kaum eine Chance hatten zu gucken, wo wir stehen und wer wir sind, ob wir die richtige Chemie haben und alles so funktioniert. Mittlerweile haben wir einen anderen Drummer und ja, das war eine komische Veränderung. Man startet diese Sache mit einigen Menschen und will, dass das auch so für immer bleibt. Leider lag das so nicht in den Sternen. Wir mögen uns aber natürlich immer noch als Menschen und bezeichnen uns immer noch als Freunde. Das ist immer doof, wenn man einen Besetzungswechsel in einer Band hat. Aber das balanciert sich alles aus. Mein Sohn ist dieses wunderschöne Licht auf der einen Seite und auf der anderen Seite ist eben dieser Besetzungswechsel.

minutenmusik: Aber denkst du, dass der Besetzungswechsel einen großen Einfluss auf die Live-Show von Beach Slang hat?

James Alex: Das ist immer noch das Gleiche! Wir würden niemanden auswählen um mit uns zu spielen, der nicht zu uns passen würde. Wenn man sich freiwillig für den Posten am Schlagzeug bei uns meldet, weiß man wofür man sich da bewirbt – diesen chaotischen kleinen Autounfall einer Live-Show. Wir haben zum Beispiel unseren Freund Areg mit nach Australien genommen und haben momentan Cully dabei. Einer von den Beiden wird irgendwann ein vollwertiges Mitglied von Beach Slang werden. Wir sind dazu gemacht zu viert zu sein. Wir haben absolut kein Interesse daran eine gesplitterte Version von dem, was wir sind, zu sein. Wir sind eine Band und wollen auch eine vollwertige Band sein.

minutenmusik: Du hast bereits erwähnt, dass du Vater bist und eine Familie hast. Wie regelst du das, dass du auf der einen Seite ein Familienvater bist und auf der anderen Seite den Rockstar-Traum lebst?

James Alex: Das ist echt komisch! Das ist so, als ob Ich in zwei Stimmungen existiere. Eine ist die Daddy-Stimmung, die andere ist die Tour-Stimmung. Wenn wir auf Tour sind kann Ich in der Sache, die Ich liebe, aufgehen. Ich vergesse natürlich nicht, was Ich zu Hause habe, aber Ich werde dann für einige Stunden herrlich abgelenkt. Dann sind die Shows zu Ende und Ich rufe zu Hause an oder wir skypen und Ich werde wieder zurück verankert. Man kann eine Nacht wild sein und dann aufwachen und verantwortlich für ein menschliches Wesen sein. Das hält mich am Boden. Das ist aber natürlich ein komisches Ping-Pong-Spiel zwischen den Extremen. Aber Ich liebe das! Das hält die Dinge frisch.

minutenmusik: Ich hab gelesen, dass ihr den Albumtitel „A Loud Bash Of Teenage Feelings“ gewählt habt, weil er Beach Slang sehr gut zusammenfasst. Wie kannst du wie ein Teenager denken und so energievolle Songs schreiben, wenn du schon über 30 bist und einen Sohn hast?

James Alex: Ich glaube Ich bin an den Rock’n Roll gelangt, weil es einem eine rückgängige Entwicklung erlaubt. In jedem Song, den Ich je für Beach Slang geschrieben habe, tue Ich eigentlich so, als ob Ich mich in einem Jugend-Film befinde. All diese „Coming Of Age“-Filme haben sich in mich reingefressen. Ich habe nie zu Zeug wie dem den Kontakt verloren – ob das jetzt erste Freiheiten oder erste Knutschereien sind. Da ist etwas sehr explosives drin, was sich an mir angeheftet hat. Mittlerweile habe Ich mehr die Möglichkeit Menschen zu durchschauen. Aber Ich will mich nie so fühlen, als ob Ich einen bestimmten Punkt im Leben erreicht habe, in dem man nicht erlaubt ist mit diesen Verwunderungen zu explodieren. Ich glaube Ich habe das irgendwo tätowiert.

minutenmusik: Vielen Dank für das Interview!

James Alex: Sehr gerne! Das war klasse!

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Foto von Ian Laidlaw.

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