Interview mit Dan Lambton über rationale.

[English version below!] Dan Lambton dürfte allen Liebhabern des zeitgenössischen Pop-Punks ein Begriff sein. Für alle anderen: Er war die Stimme von Real Friends, die wiederum eine der wichtigsten Genre-Bands der vergangenen zehn Jahre ist. Mit ihr polarisierte er durch direkte, emotionale Texte und extrem energetische Musik und prägte einen Sound, der schnell an Beliebtheit gewann. Eine weitere Band aus Lambtons Umfeld, die den Chicago-Sound der letzten Jahre verkörpert, ist Knuckle Puck, die von Beginn an eine enge Band-Freundschaft zu Real Friends pflegte. Seit 2015 ist Dan mit Joe Taylor und Ryan Rumchaks (beide von Knuckle Puck) außerdem nebenbei unter dem Namen rationale. aktiv, der nun seit Dans Ausstieg bei Real Friends Anfang 2020 vermehrt Verwendung finden soll. Wir haben uns mit ihm über Musik und seine verschiedenen Spielwiesen unterhalten. Viel Spaß mit dem Gespräch!

minutenmusik: Die Leute kennen dich natürlich von Real Friends. Du schreibst aber auch Musik für rationale. und hast dir in den letzten Jahren eine loyale Community auf Twitch aufgebaut, wo du regelmäßig streamst. Jetzt wo du nicht mehr nur der Sad Boy von Real Friends bist, wie willst du von außen wahrgenommen werden? Dan von rationale., Dan von Twitch, …?

Dan: Wenn ich für manche Leute noch der Sad Boy bin, ist das natürlich in Ordnung – ich hab dieses Konzept mit Real Friends aufgebaut und personifiziert. Aber das bin ich heute eigentlich nicht mehr. Momentan bin ich vor allem ich selbst. Durch die Quarantäne konnte ich verschiedenen Dingen, die ich mag, noch mehr Aufmerksamkeit widmen als zuvor, sodass ich mich jetzt, wenn überhaupt irgendwie, vielleicht als den erwachsenen Dan bezeichnen würde. Mit rationale. mache ich gerade viel Musik, einiges ist noch nicht fertig und soll es noch werden. Und beim Streamen hab ich die Möglichkeit, mit anderen Menschen online zu spielen und zu quatschen.

minutenmusik: Wie sieht ein typischer Tag in deinem Leben gerade aus? Wachst du auf, schreibst nen Song und gehst dann abends auf Twitch?

Dan: Wie ich mich gerade fühle. Ich habe den Luxus, dass ich jeden Tag machen kann was ich will und nicht unbedingt an Zeiten gebunden bin. Zu Beginn der Quarantäne hab ich meine Medikamente abgesetzt und extrem darauf geachtet, die ganze Zeit beschäftigt zu sein. Ich hab für rationale. Promo geplant, Release-Pläne aufgestellt, Artworks besprochen und so weiter. Jetzt fühle ich, dass ich die Medikamente wieder brauche und etwas mehr chillen sollte – die Aufgaben verteile ich auf die ganze Woche. Ich lerne jeden Tag, mich besser zu organisieren, Erwachsenen-Dinge zu tun und in meinen Augen produktiv zu sein.

minutenmusik: Wie ist das mit den Medikamenten – wann tun sie gut und wann nicht? Manchmal helfen sie dir und manchmal setzt du sie wieder ab? Hilft die Covid-Situation dabei, besser mit deiner bipolaren Störung umzugehen oder macht das häufige Alleinsein es schwieriger?

Dan: Ich denke, die Medikamente helfen mir immer. Oft war ich nur zu stur das einzusehen und hab sie wieder abgesetzt. Weil ich mich eben gut gefühlt hab – warum sollte ich sie also weiter nehmen? Aber das ist ja gerade der Punkt: Das heißt, dass sie wirken. Mit ihnen hab ich verschiedene Outlets – wenn ich blöd sein will, kann ich nen lustigen Tweet schreiben, ich kann auf Twitch live gehen und mit Menschen quatschen. Und wenn ich ernst sein will, plane ich etwas für rationale. oder schreib ein paar Texte. Die Medikamente helfen dabei, die eigene Energie einsetzen zu können wie und wann ich es möchte. Wenn man auf Tour ist, hat man ständig den Wechsel zwischen Tour-Modus und Zuhause-Modus. Und je älter wir in der Band wurden – und ich war schon der jüngste – desto weniger Freunde konnte man noch spontan mal unter der Woche treffen, wenn man zuhause war, weil die ja alle Vollzeitjobs haben. Da hatte ich also sowieso schon immer viel Zeit für mich alleine und als Covid startete, hat sich da erstmal gar nicht viel für mich geändert. Am Anfang war es schwierig, das alles einzuordnen: Erst die Trennung von Real Friends, dann die Pandemie – alles passierte plötzlich auf einmal. Jetzt gerade komme ich aber gut klar, versuche meine Zeit richtig zu nutzen und alles entspannt durchzustehen.

minutenmusik: Ich weiß deine Offenheit mit Mental Health-Themen sehr zu schätzen. Durch das Teilen deines Kampfes hast du schon immer vielen Menschen mit unterschiedlichen Problemen geholfen, den Alltag besser zu überstehen! War das ganze Hin-und-Her mit dem Touren dann auch der Hauptgrund, weshalb es zum Ausstieg bei Real Friends kam?

Dan: Danke – klar, wenn man ein paar öffentliche Breakdowns hinter sich hat, steht sowas ja sowieso immer im Raum. Das mit dem Ausstieg ist schwer zu sagen – es war ja offensichtlich nicht so, dass ich alles hinwerfen und keine Musik mehr machen wollte. Ich habe mir noch nicht die Zeit genommen, meine Gedanken zu dem Thema richtig zu sortieren. Ein leichter Zweifel war schon sehr lange in meinem Hinterkopf, vielleicht seit wir 2014 bei Fearless Records unterschrieben haben. Nicht, dass uns da irgendjemand Druck gemacht hat außer ich mir selbst, aber ich hab immer gedacht: Scheiße, was ist, wenn das morgen alles vorbei ist? Was mache ich dann eigentlich? Was hab ich für Fähigkeiten, um in der richtigen Erwachsenen-Welt zu überstehen? Ich hab immerhin auch viel Mist gemacht, viel gekifft und Psychedelika genommen. Das war alles im Rahmen, ich konnte mich immer beherrschen, aber ich hatte schon ein recht chaotisches Leben.

minutenmusik: Das Problem war also weniger die Band und mehr, dass du ein normaleres Leben führen wolltest, das ein Erwachsener eben führen sollte?

Dan: Nicht mal unbedingt “normal”, ich wollte einfach funktionieren können. Ich will das Gefühl haben, dass ich mich einer Stimmung anpassen kann. Wenn Leute eine gute Zeit haben wollen, kann ich mitmachen, aber wenn Leute einfach nur chillen wollen, kann ich das eben auch. Diese Outlets trennen zu können hat mir gefehlt.

minutenmusik: Ende 2019 habt ihr in Europa eure letzte Tour zusammen gespielt und diese auch mit der Info angekündigt, dass danach eine längere Pause von mehreren Jahren folgen wird. War zu diesem Zeitpunkt schon klar, dass du danach nicht mehr dabei sein wirst?

Dan: Nein. Es war auf jeden Fall nicht so, dass ich die ganze Zeit dachte: Oh Gott, das war es jetzt. Dann hätte ich, glaube ich, jeden Abend eine Panikattacke gehabt. Die Tour war tatsächlich richtig gut – ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal so viel Spaß auf Tour hatte wie auf dieser letzten. Wir haben ja Ende 2017 Neck Deep in Europa supportet, mit As It Is und Blood Youth. Seitdem hatten wir nicht mehr die Möglichkeit, für eine eigene Tour zurückzukommen und zu sehen, was die Support-Shows uns überhaupt gebracht haben. Ich hätte nämlich nicht gedacht, dass wir so viel Andrang in Orten wie Leipzig haben würden, wo wir vor der Neck Deep-Tour noch nie waren. Oder in München – da waren wir auf unserer ersten Tour mit Modern Baseball 2014 in einem winzigen Raum und dann jetzt auf dieser Tour wieder an Halloween. Und da waren mega viele Leute und einige sogar in Kostümen. Wir wussten nicht mal, dass die Deutschen das so feiern, das war echt super. Ich hab eine Menge gute Erinnerungen, besonders an Deutschland.

minutenmusik: Du hast vor Real Friends bereits in Bands gespielt, richtig?

Dan: Ja – ich war zwar in weniger Bands als meine Freunde aus der High School, aber ich hab trotzdem so viel reingesteckt wie es zu dem Zeitpunkt ging. Vor Real Friends war ich in einer Garage-Punk-Band, danach in einer, in der ich Bass gespielt und Backup-Vocals gesungen habe. Dort hab ich Dave (Real Friends) mit seiner Band kennengelernt, als wir eine Halloween-Show zusammen gespielt haben. Deren Drummer hat auf der Show einen Upper Decker gemacht, was so viel bedeutet wie: Er hat in den Spülkasten der Toilette geschissen. Für die Band hab ich später dann auch mal am Bass ausgeholfen und mit Dave dann auch an Musik gearbeitet. Dadurch hab ich Kyle (Real Friends) und seinen Mitbewohner kennengelernt, mit dem ich anschließend in einer Band war. Wir haben also Musik gemacht bei denen, Kyle hat währenddessen andere Sachen unternommen. Dave und Kyle haben mich dann von denen geklaut und wir haben Real Friends gegründet. Also so 5-6 Bands gab es, in denen ich war, mit 12-15 verschiedenen Leuten. Außerdem hab ich mal für ein halbes Jahr Bass für Knuckle Puck gespielt. Und dann kam Ryan zum Glück dazu, ich hab nämlich keinen guten Job dort gemacht. Wir haben nicht mal zusammen geprobt.

minutenmusik: War das das erste Mal, dass Joe und du zusammen Musik gemacht haben?

Dan: Das erste mal war als ich auf der Akustik-Version von “Woodwork” (Knuckle Puck) mitgesungen habe. Die entstand nämlich beim ersten Mal, das wir zusammen abhingen. Ich wusste von Knuckle Puck, da einer meiner High School-Freunde, der dann der erste Real Friends-Mercher wurde, John (Knuckle Puck) kannte. Ich fand sie super, hab ihre Shows besucht und gemeint, dass es cool wäre, wenn wir mal ein paar Shows zusammen spielen würden. Und dann hab ich Joe zufällig bei Facebook gefunden und ihn angeschrieben. Er hat mich gefragt, ob ich rumkommen will, die haben da gerade an Demos gearbeitet. Und seitdem hängen Joe und ich zusammen rum und machen Sachen.

minutenmusik: Für rationale. schreibst du jetzt mehr als Joe?

Dan: Würde ich schon sagen. Ich schreibe mehr als Joe, aber die Songs wären nicht was sie sind, wenn Joe nicht seinen Einfluss auf sie hätte. Viele davon könnte ich wahrscheinlich solo machen, aber würden sie dann so gut klingen? Wahrscheinlich nicht. Also schicke ich alles erstmal Joe rüber, wir gehen das zusammen durch, arbeiten an der Struktur und wenn es uns mit unseren Computer-Drums schon gefällt, schicken wir es Ryan und er lässt es gut klingen. Wenn er die Drums aufgenommen hat, passen wir unsere Gitarren- und Bass-Parts wieder an, damit es zusammen besser passt. Jeder fummelt also daran rum und dann ist auch egal, wo es mal anfing.

minutenmusik: Ihr habt bislang zwei neue Singles (“Caution & Pressure” und “A Shift In My Beliefs”) vom bevorstehenden Projekt veröffentlicht. Was bedeuten die für dich, sind sie auf eine Art ein Neustart?

Dan: ich hoffe, sie zeigen, dass ich etwas dazugelernt habe. Alles was ich für rationale. gemacht habe waren Test-Runs für mein Leben. ich habe 2015 damit angefangen, um zu üben, gute Songs für Real Friends zu schreiben, gute Melodien und Texte. Das hat dann nicht geklappt, weil ich die Songs nicht in den Kontext bringen konnte. Sie wurden dann nicht verworfen, sondern zum ersten rationale. Projekt. Und so ist es auch bei allen anderen Dingen in der Musikindustrie, wir lernen sie durch rationale. Zum Beispiel dadurch, dass ich alles selbst mache bei der Promoarbeit. Wir haben Zack (Knuckle Pucks Manager), der uns mit Vinyl-Pressungen hilft und sie für Bad Timing Records lizenziert hat. Und dann haben wir auch Shows gebucht, die jetzt leider nicht geklappt haben, weil Knuckle Puck ihr neues Album machen mussten, was natürlich auch super war. Ich will natürlich, dass mir bei alledem in Zukunft jemand hilft, aber erstmal muss ich rausfinden was ich überhaupt will – und das geht gut durchs Selbstmachen. Wenn wir damit dann wiederum auch andere beeinflussen, Dinge einfach auszuprobieren, ist das großartig.

minutenmusik: Weißt du schon, ob das neue Projekt eine EP oder Album wird bzw. wie viele Songs es haben wird?

Dan: Wie sie es nennen wollen müssen die Leute dann entscheiden. Es ist noch nicht fertig und ich weiß nicht, wann es kommt. Ich entscheide Tag für Tag neu was ich als Nächstes machen will. Manchmal hilft es mir, dass Joe sagt: Wir müssen jetzt nicht alles entscheiden, probier einfach mal rum und arbeite an dem und dem. Wir haben natürlich schon die nächste Single fertig, wissen aber noch nicht wann sie rauskommt. Und wenn wir nicht mal das wissen, kann ich dir auch nicht sagen, wann das ganze Ding kommen wird.

minutenmusik: Was es wiederum auch spannend hält, da der typische Album-Rollout wie man ihn kennt mal weg fällt.

Dan: Wobei der natürlich auch Sinn macht, da Label-Leute irgendwie Ordnung in das bringen müssen was sie tun. Ich sage zum Beispiel seit Jahren, dass mehr Menschen auf Twitch sein müssten und jetzt passiert das so langsam. Es gibt so viele Künstler und Bands aus unserer Szene, die da jetzt streamen und sich interaktiv neue Dinge einfallen lassen. Das ist ein super Beispiel dafür, dass man mit den Tools, die zur Verfügung stehen, sein ganz eigenes Ding machen kann – abseits von den generischen Rollouts. Und dadurch kann man dann, wenn es gut läuft, oft auch schon seine Miete zahlen.

minutenmusik: Und wenn Covid vorbei ist, spielt ihr direkt ein paar Shows?

Dan: Nein, nicht direkt. Erstmal müssen Knuckle Puck und Homesafe (Ryans Zweitband) touren. Das hab ich den Jungs auch so gesagt: Eure Bands sind erstmal wichtiger, ihr habt Alben, die getourt werden müssen, rationale. machen wir anschließend. Ihr müsst Geld verdienen, ich komm gerade klar. Aber wir werden auf jeden Fall spielen, garantiert!

minutenmusik: Wenn es jetzt gerade eine rationale. Show geben könnte, wo hättest du sie am liebsten? Wenn ich wählen dürfte, würde ich das MTC in Köln nehmen.

Dan: Ich nenne dir vier Venues – eine Tour über ein verlängertes Wochenende. Ich würde in Michigan irgendwo starten wollen – Grand Rapids, Detroit oder vielleicht sogar mitten in Michigan. Dann Philadelphia mit The Starting Line, im Troubadour. Ach nee, das gibt’s nicht mehr – dann nehmen wir Union Transfer, da haben wir mit Real Friends nie gespielt. Dritter Tag müsste dann in Ohio sein, sagen wir Cleveland. Und dann zum Abschluss im Beat Kitchen oder Subterranean in Chicago. Aber ich hab natürlich nichts gegen all die anderen Venues, Township, Double Door – eigentlich ist es egal. Vielleicht machen wir dann doch eine ganze Woche in Chicago. Das MTC liebe ich auch! Es gab ja ein Real Friends-Shirt mit einem Foto aus dem MTC, das extrem gut lief.

minutenmusik: Hast du für deine Twitch Community auch bestimmte Ziele? Wo soll es damit auf lange Sicht hingehen?

Dan: Als ich super manisch war, während wir “Composure” aufgenommen haben, hab ich versucht, noch ein neues Projekt zu gründen um noch mehr aufnehmen zu können, das weder zu Real Friends noch zu rationale. passt. Das war damals eine dumme Idee, weil ich weder physisch noch psychisch in der Lage war, noch so ein Projekt in die Hand zu nehmen. Ich hab überlegt: Was kenne ich für möglichst unterschiedliche Leute, die ich da mit drauf holen könnte, um einfach nochmal ganz neue Ansätze zu haben und verschiedene Welten zu kombinieren? Das war sehr chaotisch, weil ich allen hinterher gerannt bin und das unbedingt möglich machen wollte. Und dann hab ich irgendwann gemerkt, dass ich das Ganze auch bei Twitch umsetzen kann, indem ich unterschiedliche Leute interviewe und journalistisch an die Sache herangehe. ich hab nämlich einen Haufen Leute, die ich meine Freunde nennen würde, und mit jedem von ihnen bekomme ich in intimen Gesprächen neue Einblicke in deren Leben. Das funktioniert wunderbar durch diese Interviews auf Twitch. Und jetzt kann ich gerade auch wieder Dinge planen und meinen Fokus behalten. Ich habe so viele Konversationen mit Menschen und weiß, dass meine Freunde super Sachen machen – ich will sie präsentieren, intensiver als durch einen regulären Pressetext mit Foto. Das ist gerade mein Ziel mit Twitch.

minutenmusik: Du bespricht dort inhaltlich vor allem häufig Mental Health-Themen und arbeitest parallel bei Hope For The Day, einer Organisation zur Suizidprävention. Was sind deine Aufgaben dort?

Dan: Über einiges kann ich reden und über einiges nicht. Ich mache zum Beispiel Mental Health-Aufklärung am Arbeitsplatz – wir geben da gerade erste Kurse über Zoom. Menschen, die in einem Büro wohnen, kommen und wir besprechen mit ihnen, wie man Probleme im job ansprechen kann. Und damit meine ich nicht “Ich hasse meinen Chef” oder ähnliches, sondern ungesunde Stigmata. Man kann seinen Traumjob haben, aber auch der hat eben negative Seiten. Manchmal war es für mich zum Beispiel schwierig, Probleme aus meinem Musiker-Dasein mit Menschen außerhalb der Musikindustrie zu besprechen, weil die dann denken: Das ist doch dein Traumjob, worüber beschwerst du dich? Mit Hope For The Day wollen wir zeigen: Es gibt Leute, die das verstehen und diese Stigmata kennen. Und dann besprechen wir bestimmte Strategien, um mit Stress im Job umzugehen. Das macht alles großen Spaß und meinen Chef hab ich auf der Warped Tour kennengelernt!

minutenmusik: Apropos Warped Tour – du liebst The Starting Line, genau wie ich und viele andere Pop-Punk Fans. Erzähl doch zum Abschluss mal, wie du die Band persönlich erlebt hast. Gibt es da Anekdoten?

Dan: Für Real Friends hat Kyle 2012 die erste Tour gebucht, zwei Wochen zur Ostküste und zurück. Und dann kam unser späterer Booker Jason auf uns zu und wollte mit uns arbeiten. Er schlug vor, dass wir ihm eine Testphase geben und er würde versuchen, uns eine Support-Tour und eine Westküsten-Tour zu buchen. Gesagt, getan: Noch bevor wir die erste Tour antraten, hatte er uns eine komplette US-Tour mit Senses Fail klar gemacht, uns auf die Westküsten-Termine der Warped Tour gebracht und eine Woche vorher zusätzlich drei Shows als Support von The Starting Line. Detroit und zweimal Chicago auf der 10 Jahre “Say It Like You Mean It”-Tour. Und da hatte ich dann die Möglichkeit, mit der Band zu quatschen und abzuhängen. Ich musste mich extrem zurück halten, weil ich nicht wie ein Fan wirken wollte. Und irgendwie hat ihnen gefallen, was wir dort gemacht haben und sie haben uns eingeladen, bei ihrer Holiday Show im Starland Ballroom zu spielen. Danach sind wir dann zwei oder drei mal nach Philadelphia geflogen für ihre Shows. Ihr Manager hat uns Backstage-Pässe besorgt und wir hingen dort mit deren Familien und engsten Freunden rum und waren mit auf den großen Familienfotos, die dort gemacht wurden. Das war einfach so cool, vor allem so früh in unserer Karriere – das erste Mal in so einer großen Venue und dann direkt mit einer meiner absoluten Lieblingsbands!

Das letzte Mal, das ich sie gesehen habe, war 2019 beim Riot Fest. The Starting Line sind den Tag vor ihrem Set bereits in Chicago gewesen und ich lief gerade durch die Stadt, ohne zu wissen, dass sie da sein würden. Kenny und Bryan haben mich zufällig gesehen, ich bin rüber und hab gefragt, ob wir kurz zusammen chillen, weil ich nichts zutun hatte. Nach etwa zehn Minuten fragte Kenny: Wo spielen Wu-Tang eigentlich heute? Ich hab schnell nachgeschaut und ihnen den Weg erklärt und sie boten mir an, einfach mit zum Konzert zu kommen. Ich bin mit, es war super cool – ich konnte länger mit ihnen rumhängen und hab Wu-Tang gesehen, einfach perfekt! Das war wieder so ein Zufall, der typisch für mein absolut verrücktes Leben ist.

minutenmusik: Vielen Dank für deine Zeit, lieber Dan!

Lest hier auch mein Interview mit Real Friends, in dem wir alle Releases ihrer Diskografie besprechen!

Und hier das Interview mit Knuckle Puck zum aktuellen Album “20/20”!

Und so hört sich das an:

Dan Lambton: Twitter / Instagram
rationale.: Twitter / Instagram
Hope For The Day: Homepage / Twitter / Instagram

Foto: Christian Anderson

 

English version

Dan Lambton should be familiar to all lovers of contemporary pop-punk. For everyone else: He was the voice of Real Friends, which in turn is one of the most important genre bands of the past ten years. With them he polarized with direct, emotional lyrics and extremely energetic music and shaped a sound that quickly gained popularity. Another band from Lambton’s environment that has embodied the Chicago sound of recent years is Knuckle Puck, who have had a close band friendship with Real Friends from the start. Since 2015 Dan has also been writing music with Joe Taylor and Ryan Rumchaks (both from Knuckle Puck) under the name rationale., which is now to be used more frequently since Dan’s departure from Real Friends at the beginning of 2020. We talked to him about music and his various playgrounds. Have fun with the conversation!

minutenmusik: Of course, people know you from Real Friends. But you also write music for rationale. and have built a loyal community on Twitch over the past few years, where you stream regularly. Now that you are no longer Dan the sad boy from Real Friends, how do you want to be perceived from the outside? Dan from rationale., Dan from Twitch, …?

Dan: If I’m still the sad boy for some people, that’s fine of course – I built and personified this concept with Real Friends. But I’m not really into that anymore today. Right now I’m mostly myself. Quarantine allowed me to pay even more attention than before to various things I like, so now, I would call myself Dan the adult, if anything. With rationale. I am currently making a lot of music, some things are not finished yet and should be. And while streaming, I have the opportunity to play and chat with other people online.

minutenmusik: What does a typical day in your life look like right now? Do you wake up, write a song and then go on Twitch in the evening?

Dan: That depends on how I’m feeling. I have the luxury that I can do what I want day by day and that I am not necessarily tied to times. At the beginning of quarantine I stopped my medication and made sure that I was busy all the time. I have planned promo for rationale., drawn up release plans, discussed artwork and so on. Now I take medication again and should chill a little more – I spread the tasks over the whole week. I am learning every day to better organize myself, do adult things, and be productive in my eyes.

minutenmusik: How does the medication work for you – sometimes it helps you and sometimes you take them off again? Does the Covid situation help you deal better with your bipolar disorder or does being alone so much make it more difficult?

Dan: I think the medication always helps me. Often I was just too stubborn to see that and dropped it off again. Because I felt good – so why should I keep taking it? But that’s exactly the point: that means that it works. I have different outlets with it – if I want to be stupid, I can write a funny tweet, I can go live on Twitch and chat with people. And if I want to be serious, I plan something for rationale. or write some lyrics. The medication helps me to use my own energy how and when I want it. When you’re in a touring band, you have to constantly switch between tour mode and home mode. And the older we got in the band – and I was already the youngest – the fewer friends you could spontaneously meet during the week when you were at home, because they all have full-time jobs. So I always had a lot of time to myself anyway and when Covid started, not much has changed for me at first. In the beginning it was difficult to classify it all: first the separation from Real Friends, then the pandemic – everything happened at the same time. Right now I’m getting along well, I’m trying to use my time properly and get through everything as relaxed as I can.

minutenmusik: I really appreciate your honesty when it comes to Mental Health topics. By sharing your struggle, you have always helped many people with different problems to get through their lifes better. Was all that back and forth with touring the main reason why you left Real Friends?

Dan: Thank you – of course, when you’ve had a few public breakdowns, that’s always in the room anyway. It’s hard to say about the departure – it was obviously not the case that I wanted to give up everything and stop making music. I have not yet taken the time to properly sort my thoughts on that subject. A slight doubt had been in the back of my mind for a long time, maybe since we signed with Fearless Records in 2014. Not that anyone put pressure on us except myself, but I always thought: Shit, what if this is all over tomorrow? What am I actually doing then? What skills do I have to survive in the real adult world? After all, I also did a lot of crap, smoked a lot and took psychedelics. I was always able to control myself, but I surely had a rather chaotic life.

minutenmusik: So the problem wasn’t so much the band and more that you wanted to lead a more normal life that an adult should lead?

Dan: Not necessarily “normal”, I just wanted to be able to function. I want to feel that I can catch a vibe. When people want to have a good time, I can join in, but when people just want to chill out, I can too. I missed being able to separate these outlets.

minutenmusik: At the end of 2019 you played your last tour together in Europe and announced this with the announcement that a longer break of several years will follow. Was it already clear at this point that you won’t be there anymore afterwards?

Dan: No. In any case, it wasn’t like I was thinking, oh god, that’s it now. Then I think I would have had a panic attack every night. The tour was actually really good – I can’t remember the last time I had as much fun on a tour as on this last one. We supported Neck Deep in Europe at the end of 2017, with As It Is and Blood Youth. Since then we haven’t had the chance to come back for our own headline tour and see what the support shows got us in the first place. I didn’t think that we would have so much rush in places like Leipzig, where we had never been before the Neck Deep tour. Or in Munich – we were in a tiny room on our first tour with Modern Baseball in 2014 and then on this tour again on Halloween. And there were a lot of people and some even in Halloween costumes. We didn’t even know that the Germans would celebrate it like that, it was really great. I have a lot of great memories, especially from Germany.

minutenmusik: You played in bands before Real Friends, right?

Dan: Yeah – I’ve been in fewer bands than my high school friends, but I still put in as much as I could at the time. Before Real Friends, I was in a garage punk band, then one where I played bass and sang backup vocals. That’s where I met Dave (Real Friends) and his band when we were playing a Halloween show together. Their drummer did an upper decker on the show, which means that he shit in the toilet cistern. For that band, I later helped out on bass and then worked on music with Dave. That’s how I met Kyle (Real Friends) and his roommate, with whom I was in a band afterwards. So I made music with them, while Kyle did other things. Dave and Kyle then stole me from them and we founded Real Friends. So there were 5-6 bands that I was in with 12-15 different people. I also played bass for Knuckle Puck for half a year. And then luckily Ryan came along, because I really didn’t do a good job there. We didn’t even rehearse together.

minutenmusik: Was that the first time you and Joe made music together?

Dan: The first time was when I sang along on the acoustic version of “Woodwork” (Knuckle Puck). It came about the first time we hung out together. I knew about Knuckle Puck because one of my high school friends, who then became the first Real Friends mercher, knew John (Knuckle Puck). I thought they were great, I went to their shows and said it would be cool if we played a few shows together. And then I found Joe by chance on Facebook and wrote him. He asked me if I wanted to come around, they were just working on demos. And since then, Joe and I have been hanging out and doing things.

minutenmusik: For rationale. you write more than Joe now?

Dan: I would say so. I write more than Joe, but the songs wouldn’t be what they are if Joe didn’t have his influence on them. I could probably do a lot of them solo, but would they sound that good? Probably not. So I send everything over to Joe first, we go through it together, work on the structure and if we like it with our computer drums, we send it to Ryan and he makes it sound good. When he has recorded the drums, we readjust our guitar and bass parts to make them fit together better. So everyone fiddles with it and then it doesn’t matter anymore where it started.

minutenmusik: So far you have released two new singles (“Caution & Pressure” and “A Shift In My Beliefs”) from the upcoming project. What do they mean to you, are they kind of a new start?

Dan: I hope they show that I’ve learned something. Everything I did for rationale. has been a test run for my life. I started in 2015 to practice writing good songs for Real Friends, good melodies and lyrics. That didn’t work out because I couldn’t put the songs into the context. They were then not deleted, but became the first rationale. project. And so it is with all other things in the music industry, we learn them through rationale. For example, by doing everything myself with the press work. We have Zack (Knuckle Pucks manager) who helps us with vinyl presses and has licensed them for Bad Timing Records. And then we also booked shows that unfortunately didn’t work out because Knuckle Puck had to do their new album, which obviously was great too. Of course, I want someone to help me with all of this in the future, but first I have to find out what I want – and you can do that yourself. If we then in turn influence others to just try things out themselves too, that’s great.

minutenmusik: Do you already know whether the new project will be an EP or an album or how many songs it will have?

Dan: The people have to decide, whatever they want to call it. It’s not ready yet and I don’t know when it’s coming. I make decisions about what I want to do next day by day. Sometimes it helps that Joe says: We don’t have to decide everything now, just give it this try or work on that a little. We have of course already finished the next single, but we don’t know when it will be out yet. And if we don’t even know that, I can’t tell you when the whole thing will come either.

minutenmusik: Which, in turn, keeps it exciting, because the typical album rollout as we know it falls away.

Dan: They make sense too, because label people have to sort out what they are doing somehow. But for example, I’ve been saying for years that more people need to be on Twitch and now it’s slowly happening. There are so many artists and bands from our scene who are streaming now and coming up with new things interactively. This is a great example of how you can do your own thing with the tools that are available – apart from the generic rollouts. And that also means you can often pay your rent with that if things go well.

minutenmusik: And when Covid is over, you are playing a few shows right away?

Dan: No, not directly. First of all, Knuckle Puck and Homesafe (Ryan’s second band) have to tour. That’s what I said to the guys: your bands are more important first, you have albums that have to be toured, we do rationale. afterwards. You have to make some money, I’ll be fine. But we will definitely play, that’s for sure!

minutenmusik: If there would be a rationale. show right now, where would you love to see it? If I could choose, I would take the MTC in Cologne.

Dan: I’ll give you four venues – a Bank Holiday weekender. I would want to start somewhere in Michigan – Grand Rapids, Detroit, or maybe even in the middle of Michigan. Then Philadelphia with The Starting Line, at Troubadour. Oh no, that doesn’t exist anymore – then we take Union Transfer, we never played there with Real Friends. The third date should then be in Ohio, let’s say Cleveland. And then finally at Beat Kitchen or Subterranean in Chicago. But of course I have nothing against all the other venues, Township, Double Door – actually it doesn’t matter. Maybe we’ll do a whole week in Chicago after all. But I love the MTC too! There was a Real Friends shirt with a picture from our show at the MTC that did very well.

minutenmusik: Do you also have any goals for your Twitch community? Where should that thing go in the long run?

Dan: When I was super manic while we were recording “Composure”, I tried to start a new project to record even more that wasn’t fitting for Real Friends or rationale. That was a stupid idea at the time because I was neither physically nor mentally capable of taking on such a project. I thought about it: What kind of different people do I know that I could bring on it to simply have completely new approaches and combine different worlds? It was very chaotic because I ran after everyone and really wanted to make it possible. And then at some point I realized that I could do the whole thing on Twitch by interviewing different people and approaching the matter journalistically. I have a bunch of people I would call my friends, and with each of them I get new insights into their lives in intimate conversations. It works wonderfully through these interviews on Twitch. And now I can plan those things and keep my focus. I have so many conversations with people and know that my friends do great things – I want to present them more intensely than with a regular Electronic Press Kit. That’s my goal with Twitch right now.

minutenmusik: In terms of content, you will often discuss mental health topics. You also work at Hope For The Day from now on, an organization for suicide prevention. What are your duties there?

Dan: I can talk about some things and some not. For example, I do mental health education at work – we are currently giving the first courses on Zoom. People who work in an office come and we discuss with them how to address problems in their job. And by that I don’t mean “I hate my boss” or something like that, but unhealthy stigmas. You can have your dream job, but it also has negative sides. Sometimes it was difficult for me, for example, to discuss problems from my life as a musician with people outside the music industry, because they then think: This is your dream job, what are you complaining about? With Hope For The Day we want to show that there are people who understand this and know this stigmata. And then we discuss certain strategies for dealing with stress on the job. It’s all great fun and I met my boss on Warped Tour!

minutenmusik: Speaking of Warped Tour – you love The Starting Line, just like me and many other pop-punk fans. To wrap this up, tell me how you personally experienced them. Are there any anecdotes?

Dan: Kyle booked the first tour for Real Friends in 2012, two weeks to the east coast and back. And then our future booker Jason came up to us and wanted to work with us. He suggested we give him a trial and he would try to book us a support tour and a west coast tour. No sooner said than done: Even before we started the first tour, he got us a full US tour with Senses Fail, brought us to the west coast dates of Warped Tour and a week beforehand three additional shows to support The Starting Line. One night in Detroit and two nights in Chicago on their 10 year anniversary “Say It Like You Mean It” tour. And there I had the opportunity to chat and hang out with the band. I had to hold back extremely because I didn’t want to look like an annoying fan. And somehow they liked what we did there and invited us to play at their holiday show at Starland Ballroom. After that we flew to Philadelphia two or three times for their shows. Their manager got us backstage passes and we hung out there with their families and closest friends and were part of their big family photos that were taken there. It was just so cool, especially so early in our career – the first time playing in such a big venue and then straight away with one of my all-time favorite bands!

The last time I saw them was at Riot Fest in 2019. The Starting Line were in Chicago the day before their set and I was just walking around town without knowing they would be there. Kenny and Bryan saw me by chance, I went over and asked if I could chill with them for a minute because I had nothing to do. After about ten minutes Kenny asked: Where are Wu-Tang playing today? I checked it quickly and explained the way to them and they offered me to just come with them to the concert. That was super cool – I could hang out with them longer and see Wu-Tang, just perfect! That was another coincidence that is typical of my absolutely crazy life.

minutenmusik: Thank you for your time, Dan!

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