Interview mit Kyd The Band über seine Musik und die Herausforderungen 2020

Interview mit Kyd The Band über seine EP "Season 3: The Realization"

(ENGLISH VERSION BELOW) Gemeinsam mit Sängerin Elley Duhé veröffentlichte Kyd The Band im vergangenen Jahr den Ohrwurm “Easy“. Was ursprünglich als musikalisches Projekt mit seinem Bruder startete, führt Sänger Devin Guisande heute alleine weiter. Dass er dabei keinerlei Unterstützung benötigt, bewies er 2020 bereits mit seinen EPs “Season 1: The Intro” und “Season 2: Character Development”. Auch auf der neuen EP “Season 3: The Realization” offenbart Kyd The Band seine musikalische Vielfalt und beeindruckt mit einem vielfältigen und doch stimmigen Genre-Mix. Ein Grund für uns, Kyd The Band zum Interview zu bitten:

minutenmusik: Für den Fall, dass einige unserer Leser dich noch nicht kennen: wie würdest du deine Musik und deinen Sound im Allgemeinen beschreiben?

Kyd The Band: In einem Wort: Alternativ. Es ist Pop, es ist Rock, es ist rhythmisch, es ist Rap! Ich hoffe, das hilft.

minutenmusik: Auf jeden Fall! In deinen Songs vermischst du diese verschiedenen Stile miteinander. Was – oder wer – beeinflusst deinen Sound dabei am meisten?

Kyd The Band: Ich bin damit aufgewachsen, nur Black Gospel Music zu hören und zu spielen. Diese ist sehr rhythmisch und musikalisch. Als ich angefangen habe, mich mehr mit nicht-christlicher Musik zu beschäftigen, waren es vor allem 90’s Alternative und 90’s Hip-Hop, die mich begeisterten. Das hat meine musikalische Perspektive sehr erweitert und mir viel gegeben, von dem ich etwas mitnehmen konnte, als ich angefangen habe, meine eigene Musik zu machen.

minutenmusik: Kyd The Band ist ein Soloprojekt, das heißt, du bist für jede Entscheidung und den gesamten kreativen Prozess selbst verantwortlich, oder?

Kyd The Band: Yep, wohl oder übel. (lacht) Für mich ist das vollkommen in Ordnung. Das ist meine Kunst und meine Stimme, deshalb sollte ich auch derjenige sein, der dieses Schiff steuert. Wenn es nicht so wäre, wo wäre der Sinn darin, bloß ein weiterer Künstler mit irgendeinem Song zu sein?

minutenmusik: Ja, das stimmt. Vor ein paar Wochen hast du deine neue Single “I’ll Stay” veröffentlicht. Als ich den Song das erste Mal gehört habe, dachte ich zunächst, das sei ein ganz normales, wunderschönes Liebeslied. Auf Instagram hast du aber erklärt, dass da noch viel mehr hintersteckt. Kannst du uns ein bisschen mehr über “I’ll Stay” und seine Geschichte erzählen?

Kyd The Band: Ja, danke. Vor einer Weile hat meine Frau sehr unerwartet ihren Großvater verloren. Er musste eigentlich nur wegen einer Kleinigkeit ins Krankenhaus, doch plötzlich hat sich alles zum Schlimmsten gewendet und es wurde kritisch. Für mich ist die Welt schon oft zusammengebrochen, doch es war das erste Mal, dass ich miterleben musste, wie so etwas der Person, die ich auf der Welt am meisten liebe, widerfährt. Es gab einfach nichts, was ich tun konnte, um es besser zu machen. Das war sehr schwierig für mich, aber dann habe ich begriffen, dass ich vielleicht einfach nur für sie da  und an ihrer Seite bleiben muss, um die Situation mit ihr durchzustehen.

minutenmusik: Wenn du deine Songs schreibst, stellst du dir dann vor, wie sich deine Fans fühlen, wenn sie deine Musik hören? Oder gibt es ein bestimmtes Gefühl, dass du ihnen vermitteln möchtest?

Kyd The Band: Wenn ich Musik schreibe, verfolge ich bloß die Absicht, dass ich selbst etwas dabei fühle. Wenn dies der Fall ist, halte ich es für sehr wahrscheinlich, dass es auch jemand anderes nachempfinden kann. Ich hoffe, mein Fans fühlen mit meiner Musik ihre eigenen Geschichten und ich hoffe, sie spüren Hoffnung. Hoffnung, dass sie nicht alleine sind.

minutenmusik: 2020 ist nicht einfach, besonders für Künstler*innen und Musiker*innen. Wie geht es dir aktuell in der Corona Pandemie, sowohl privat als auch als Künstler?

Kyd The Band: Privat habe ich große Angst davor, denn ich habe Asthma. Und ich kenne eine handvoll Freunde und Verwandte, die selbst an COVID-19 erkrankt und entweder gestorben sind oder auch sonst wirklich schlimme Erfahrungen damit gemacht haben. Als Künstler ist es auch sehr hart, denn die Pandemie hat die Möglichkeit, auf Tour zu gehen, komplett eingeschränkt. Es tut mir Leid für all die Menschen, mit denen ich bisher zusammen gearbeitet habe, die im Produktions- bzw. Tourbereich arbeiten. Die haben quasi ihre gesamte Karriere damit verloren. Ich glaube Fans und Konsumenten realisieren das gar nicht so richtig, dass dies die Menschen sind, die am stärksten davon betroffen sind. Künstler*innen haben noch Glück im Unglück, denn sie können weiterhin Musik oder anderen Content veröffentlichen, um sich ihren Unterhalt zu sichern.

minutenmusik: Kannst du dich noch an den letzten Gig erinnern, den du vor der Pandemie gespielt hast?

Kyd The Band: Auf jeden Fall. Ich war auf der “The Search Tour” um NF zu supporten und wir haben im Melkweg in Amsterdam gespielt. Das Wetter war furchtbar, aber die Show dafür großartig! Am nächsten Tag sind wir in die UK geflogen um den letzten Teil der Tour zu spielen – das war in der Nacht vom 12. März. Der Präsident hat dann die Reisebeschränkungen bekannt gegeben und boom – die Tour war vorbei. Am nächsten Morgen sind wir dann zurück nach Hause geflogen.

minutenmusik: Denkst du oft an den Abend zurück oder vielleicht sogar darüber nach, was du anders gemacht hättest, wenn du gewusst hättest, dass es für lange Zeit dein letzter Gig sein würde?

Kyd The Band: Tatsächlich habe ich während der gesamten Tour schon immer zu mir selbst gesagt “Du spielst diese Show lieber so, als wäre es deine letzte” weil ich irgendwie das Gefühl hatte, dass da was kommen würde. Und in Amsterdam habe ich wirklich alles gegeben. Zurückblickend bin ich deshalb einfach nur dankbar und froh, den Augenblicks genutzt zu haben.

minutenmusik: Ich habe gelesen, dass du von L.A. nach Nashville gezogen bist. Ich war selbst noch nie da, aber für mich steht Nashville immer auch für Countrymusik. Was hat Nashville sonst noch so zu bieten bzw. wieso bist du hingezogen?

Kyd The Band: Country ist definitiv das Hauptgenre dort, aber es gibt auch eine ständig wachsende Rock- und Pop-Szene. Zum Beispiel Kings of Leon, Jack White und The Black Keys kommen alle aus Nashville. Von der Countrymusik mal abgesehen, denke ich, dass Nashville auch eine großartige Lebensqualität bietet. Es ist der Süden, daher ist alles etwas entspannter und die Menschen generell freundlicher. Das Wetter kann natürlich nicht mit dem Wetter in L.A. mithalten, aber ich denke, dass ist das einzig Negative an Nashville.

minutenmusik: Wie geht es dir allgemein gerade damit in den USA zu leben, wo Themen wie die Polizeigewalt, Black Lives Matter oder auch Trump und die Wahlen allgegenwärtig in den Medien vertreten sind und die Menschen spaltet?

Kyd The Band:  Ich habe so viele verschiedene Dinge gefühlt und ich denke, so geht es jedem. Vor allem tut es weh, macht wütend und man ist unsicher, wie es in Zukunft weitergehen wird. Und eine Sache macht es nicht leichter: wie die Medien ständig versuchen, all diese Gefühle noch zu verstärken.

minutenmusik: Haben dich diese Themen auch beim Schreiben deiner Texte beeinflusst oder versuchst du, dort eher bei persönlicheren Themen und Gefühlen zu bleiben?

Kyd The Band: Ich versuche definitiv nicht, mich auf die aktuellen Ereignisse einzulassen, denn das würde sich nur opportunistisch und ausbeuterisch anfühlen. Aber es gibt viele Dinge in meinem eigenen Leben, zu denen ich in der jetzigen Zeit direkte Verbindungen sehe und weil ich Texte aus meinem Leben schreibe, hört man hier und da vielleicht etwas heraus, das auch auf die aktuelle Gesamtsituation zutrifft (Anm.: zum Beispiel die aktuelle Single “Make it in America”).

minutenmusik: Was können wir von Kyd The Band denn in naher Zukunft erwarten?

Kyd The Band: Auf jeden Fall noch eine Menge neuer Musik und Visualisierungen. Ich bin vor allem sehr aufgeregt wegen der visuellen Ideen, denn die fehlenden Livekonzerte bringen mich dazu, sowohl kreativer als auch innovativer darin zu werden, mit meiner Musik zu kommunizieren.

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English version:

minutenmusik: In case some of our readers have not heard of you before: how would you describe your music and sound in general?

Kyd The Band: In one word, alternative. It’s pop, it’s rock, it’s rhythmic, it’s rap. I hope that helps!

minutenmusik: Definitely! In your songs, your mixing different styles such as Pop, Rap, and Rock. What – or who – influenced your sound?

Kyd The Band: I grew up only listening and playing black gospel music, which is very rhythmic and musical. Then when I started to explore non-Christian music I got into 90’s alternative and 90’s hip-hop, and so much more. That really broadened my musical perspective and gave me so much to pull from when I started making my own music.

minutenmusik: Kyd The Band is a solo project – you’re completely in charge of every decision and the whole creative process, correct?

Kyd The Band: Yep, for better or worse. Ha. And I’m completely okay with that. This is my art and my voice. I should be the one steering the ship because if I’m not then what’s the point of being just another artist putting out just another song?

minutenmusik: A few weeks ago, you released your new single “I’ll Stay”. When I first started listening, I thought this was a beautiful love song but on Instagram I saw a post that there’s more behind this song. Could you tell us more about the meaning of “I’ll Stay”?

Kyd The Band: Thanks. A little while ago my wife lost her grandfather really unexpectedly. He went into the hospital for something fairly minor, and then all of sudden took a turn for the worst and became critical. I’ve had my world come crashing down on me before, but this was the first time watching it happen to the person I love most in the world. And there really wasn’t a single thing I could do to make it better. That was hard for me, but I realized that maybe the only thing I was supposed to do was just be there for her and stay with her through it.

minutenmusik: When writing your songs, do you imagine what your fans will feel like when listening to your music? Is there a certain feeling you would like them to feel?

Kyd The Band: When I’m writing I’m just chasing something that will make me feel something. If it does then I think there might be a good chance someone else will feel something too. I hope my fans feel their own stories in the music, and I hope they feel hope. Hope like they’re not alone.

minutenmusik: 2020 is not easy, especially for artists and musicians. How do you feel about the corona pandemic right now, both as a person and as an artist?

Kyd The Band: As a person, I’m pretty scared of it, because I have asthma. And I have a handful of friends and relatives who have had it and either passed away or have had a nightmare of an experience with it. As an artist, it’s tough because the pandemic has completely shut down touring. I feel for all the people I worked with who are on the production/touring side of things and have practically lost their careers because of this. I think fans and consumers don’t realize those are the people in music who are getting hit the hardest. Artists are fortunate because they can still release music and content, and do other things for income.

minutenmusik: Do you remember the last gig you played before the pandemic?

Kyd The Band: I sure do. I was on “The Search Tour” supporting NF and we played Melkweg in Amsterdam. The weather was terrible, but the show was amazing. The next day we flew to the UK to start the last leg of the tour, and that night was March 12th. The president announced the travel and then boom the tour was canceled and we flew back home the next morning.

minutenmusik: Do you often think about it, maybe even about things you would have done differently if you had known that this will be your last gig for quite a while?

Kyd The Band: That whole tour I actually would tell myself every single show, “You better play this show like it’s your last” because it just felt like there was something coming. And in that Amsterdam show I really did give it my all, so looking back I’m just thankful for it and am happy I took advantage of the moment.

minutenmusik: I read that you moved from L.A. to Nashville. I’ve never been there, but Nashville – for me – always brings some country vibes. What else does Nashville have to offer, why did you move there?

Kyd The Band: Country is definitely the primary genre here, but there’s a growing rock scene and pop scene. For instance Kings of Leon, Jack White and The Black Keys are all in Nashville. Aside from country music, I think Nashville offers a great quality of life. It’s the south so it’s a little slower-paced and people are generally friendlier. The weather isn’t LA weather that’s for sure, but I think that’s the only negative with Nashville.

minutenmusik: How do you feel – in general – about living in the USA at the moment, where topics like police brutality / Black Lives Matter ad Trump/the current election are always present and polarizing the media?

Kyd The Band:  I’ve felt so many different ways, and I think everybody has. Mainly it feels like we’re all hurting, angry, and unsure about what the future holds. And one thing that doesn’t help is that the media only drives those feelings to be stronger.

minutenmusik: Are these topics also influencing your lyrics or are you trying to stick with more personal topics and feelings?

Kyd The Band: I’m definitely not trying to pander to current events, because that feels opportunistic and exploitive. But there are a lot of things in my own life that I see direct connections to in the times that we’re living in, and because I write from my life you might hear something that feels applicable to right now.

minutenmusik: What can we expect from Kyd The Band in the future? Anything exciting to come soon?

Kyd The Band: A lot more music and visuals. I’m really excited about the visual stuff because with live events not being a thing it’s pushing me to be more creative and innovative in the way that I communicate this music.

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