Interview mit Stereokeys über ihre Erfahrungen und Ziele – Teil 1!

Mit den Stereokeys ist in diesem Sommer eine Indie-Alternative-Band auf der Bildfläche aufgetaucht, die uns sofort begeistert hat. Nachdem ihre EP und die ersten Auftritte die Prüfung durch die kritischen Ohren der minutenmusik-Redaktion problemlos bestanden haben, haben wir einen Blick hinter die Kulissen gewagt und uns mit Benjamin (Gesang, Gitarre), Stefan (Gitarre), Christoph (Bass) und Tim (Schlagzeug) im bandeigenen Studio im heimischen Lennestadt getroffen.

minutenmusik: Danke, dass ihr euch die Zeit für das Interview nehmt!

Benni: Danke euch vor allem für das schöne Feedback, das wir bisher von euch bekommen haben! Das hat uns echt gefreut und motiviert! Das ist echt schön, so eine Resonanz zu bekommen, gerade wenn man noch so neu ist. Also, ich hab zumindest noch nicht so viel Erfahrung, aber die anderen hier, die haben schon sehr viel Erfahrung.

minutenmusik: Wie viel ist sehr viel?

Tim: 12, 13 Jahre mit der Band Social Distrust. Mittlerweile wahrscheinlich sogar mehr.

Benni: Aber es ist ja auch einfach die Masse an Konzerten. (zu Christoph) Wann haben wir das erste Mal zusammen auf der Bühne gestanden? Mit 13?

Christoph: Wir beide? Mit 16, glaub ich.

Benni: Ne! Das war früher! Ich hab auf jeden Fall mit 13 zum ersten Mal in der OT gespielt.

Christoph: Aber nicht mit mir!

Stefan: Mit 13 bist du da doch noch gar nicht reingekommen!

minutenmusik: Deswegen hat er bestimmt gespielt.

Christoph: Ich will in diese OT! Wie komme ich da rein ohne Ausweis?! Ich mach Musik!

minutenmusik: Also habt ihr beide, Tim und Christoph, schon ziemlich lange zusammen Musik gemacht?

Tim: Ja, wir beide auf jeden Fall schon sehr lange. Und Benni und Deik (Christoph) kennen sich auch schon aus anderen Bands.

Christoph: Genau, aber wir haben das nie lange gemacht. Das war so in der Jugendzeit.

Benni: Wir hatten wirklich viele Bands, in denen wir zusammen gespielt haben.

Christoph: Wir haben halt immer sofort den Namen gewechselt, sobald einer rausgegangen ist. Dann war es wieder eine neue Band. Die Songs wurden dann teilweise übernommen, teilweise nicht. Das ist jetzt quasi die vierte Band, die wir zusammen haben.

Benni: Was? Das hast du gezählt?

Christoph: Danke, dass du mir zutraust und mich dafür lobst, dass ich bis vier zählen kann!

Stefan: Ich kenne aber keine einzige davon.

Christoph: Ja, macht ja auch nichts.

Benni: Die waren auch nicht wirklich lange da.

Christoph: Ich glaube, wir haben pro Band immer drei bis vier Konzerte gespielt.

Benni: Genau, und davon drei in der OT!

Christoph: Ja, das waren wirklich alles Konzerte im Kreis Olpe. Ach ne, in Winterberg haben wir auch gespielt! (zu Tim) Da hast du aber glaub ich schon Schlagzeug gespielt.

Tim: Ja, ich musste die Scheiße wieder ausbaden.

Benni: Immer wenn ich damals als Schlagzeuger aus Bands rausgegangen bin, kam Tim nach.

Tim: Man kennt sich halt als Musiker und hier im Sauerland sowieso und man hat auch schon mal mit dem einen oder anderen Musik gemacht.

Stefan: Bei den Schlagzeugern muss man eh nehmen, was man kriegt.

Tim: Ja, da ich der beste Schlagzeuger hier im Umkreis bin, war ich natürlich die erste Wahl. (kurze Pause) Und die einzige.

minutenmusik: Meint ihr denn, dass es dieses Mal länger als drei oder vier Konzerte halten wird?

Christoph: Da sind wir ja schon drüber!

Benni: Wir wollen jetzt versuchen, möglichst viele Konzerte zu spielen. Mal schauen, was da geht, in ganz Deutschland. (zu Christoph) Du hast doch in ganz Deutschland angefragt, oder?

Christoph: In der ganzen Welt!

Tim: Hast du einfach Deutschland angeschrieben?

Christoph: Klar! Hallo Deutschland! Hallo Merkel! Kannst du mir ein Konzert klarmachen?

minutenmusik: Was habt ihr in den anderen Bands gelernt, was euch jetzt zugutekommt?

Tim: Musikalisch auf jeden Fall das Songwriting. Aber auch viel, was nebenbei so läuft, Booking, Management und sowas.

Christoph: Genau, das ganze Organisatorische, was im Hintergrund läuft und was keiner mitkriegt. Stefan hat auch viel Erfahrung gesammelt mit seiner immer noch aktuellen Band, die parallel weiterläuft. Und wir haben ja auch viel gelernt. Auch diese ganze Sache, wie man an Konzerte rangeht, wie man mit Veranstaltern und mit Agenturen kommuniziert.

Tim: Und wir haben auch gelernt, Nein zu sagen. Es ist nicht so, dass wir alles spielen würden.

Benni: Außer Deik. Den schicken wir dann auch ab und zu mal alleine.

Stefan: Man sammelt auf jeden Fall auch eine Menge schlechte Erfahrungen.

Benni: Ich glaube, das wird bei uns auch noch passieren. Dass wir weit fahren und dann enttäuscht werden.

Stefan: Das ist ja auch normal.

Benni: Ich hab sowas ja selber noch nicht durchgemacht, aber ich glaube, wenn man es dann mal ein oder zwei Mal durchgemacht hat, nimmt man es auch recht locker, oder?

Christoph: Ja, was willst du da auch sagen? In dem Moment ist es halt scheiße, aber hinterher kann man ja auch wieder darüber reden und es ist eine lustige Geschichte.

Stefan: Du musst am Anfang als Band eigentlich eh sagen „Wir spielen alles, egal was.“. Aber da ist halt dann auch dementsprechend viel Müll dabei. Man kann es sich aber am Anfang einfach nicht aussuchen. Das sind ja hunderte Emails, die man schreibt oder hunderte Telefonate, die man führt, um zehn Konzerte auf die Kette zu bringen.

minutenmusik: Gibt es schon konkrete Pläne für die nächsten Konzerte?

Christoph: Wir haben gerade noch nichts fest. Aber wir haben ein paar Sachen, da stehen die Termine ungefähr fest und es müssen noch Detailfragen geklärt werden. Da kommt auf jeden Fall dieses Jahr noch ein bisschen was.

Stefan: Ja, im November wahrscheinlich. Vielleicht im Oktober schon. Aber das meiste wird wahrscheinlich erst Anfang nächsten Jahres kommen.

Benni: Konzerte sind auch immer relativ schwierig zu klären. Wir haben immer relativ große Zeiträume frei, bei denen Deik dann weiß, dass er die booken kann. Konkret wissen wir dann in diesen Zeitplänen auch schon, wann wir zum Beispiel die nächste EP rausbringen, an der wir gerade arbeiten. Das soll Ende Oktober passieren. Oder wann wir neue Videos drehen. Und wir versuchen dann, möglichst viele Konzerte dazwischen zu packen. Es ist immer die Frage, wie wir ein möglichst großes Publikum bekommen. Das Video hat uns im Endeffekt viel gebracht und die Konzerte gingen eigentlich auch von dem, was wir danach gehört haben. Wir haben immer positive Resonanz bekommen. Aber die Leute zu motivieren, uns mal bei Facebook zu liken oder die Videos zu sehen, mal bei Spotify reinzuhören, das ist das Schwierige.

Stefan: Die Konzerte und vor vielen Leuten zu spielen, ist die eine Sache. Aber das Feedback zu kriegen, das ist im Endeffekt das Einzige, was du als Band wirklich mitkriegst. Dass du sagen kannst, das funktioniert oder das funktioniert nicht.

Tim: Heutzutage drückt sich halt Feedback durch Klicks und Likes aus.

Stefan: Eigentlich ist das schade. Die Musik wird dadurch einfach zur Nebensache. Es gibt kaum noch oder zumindest deutlich weniger Leute, die sich wirklich zuhause hinsetzen und sich, wenn wir jetzt zum Beispiel hier in der Gegend spielen, sagen: „Stereokeys, die höre ich mir mal an.“ Die sagen: „Kenn ich nicht, geh ich nicht hin.”

Benni: Sowas wissen auch die Veranstalter und geben kleinen Bands, wie wir es jetzt noch sind und hoffentlich später nicht mehr, nicht die Bühne dafür. Dafür werden dann irgendwelche Coverbands genommen, weil die Leute das halt kennen. Das macht es natürlich noch schwieriger. Es ist auch gerade auf dem Land schwieriger als in der Stadt, oder?

minutenmusik: Das wäre auch eine meiner Fragen gewesen: Ist es Fluch oder Segen, aus einer ländlichen Gegend wie dem Sauerland zu kommen?

Tim: Ich glaube, auf dem Land ist es zumindest dankbarer. Wenn du an ein Konzert kommst, dann hast du verhältnismäßig auf die Einwohnerzahl gerechnet auf dem Land natürlich mehr Zuschauer als in der Stadt. Das ist total der Irrtum, wenn du sagst: „Ich spiele jetzt in Köln, da kommen bestimmt voll viele Leute.“ Da spielst du halt auch mal vor 10 Leuten. Und das ist natürlich auf die Bevölkerungsdichte gesehen nichts.

Benni: Aber das ist ja auch schade. Musik ist halt wirklich Marketing geworden. Wenn du sagen kannst, du hast in Köln gespielt, klingt das besser, als wenn du sagst, du hast in Lennestadt gespielt. Du hast in Lennestadt vor 100, 200, 300 Leuten gespielt und in Köln vor 10, aber du kannst sagen, du hast in Köln gespielt.

Stefan: Wobei ich sagen muss, dass wir schon einen guten Start hatten!

Benni: Wir hatten einen sehr guten Start! Unser erstes Konzert im FZW auf der großen Bühne zu spielen – Wahnsinn!

Tim: Da können wir uns auf jeden Fall nicht beschweren! Aber wir haben uns ja auch direkt bemüht, bevor wir überhaupt Konzerte spielen, schon was rauszubringen. Das ist zum Beispiel eine Sache, die wir gelernt haben. Es gehört halt mehr dazu als nur Konzerte zu spielen und eine Internetseite zu haben. Man muss wirklich Videos hochladen und die ganze Social Media-Scheiße machen. Das nervt total und raubt Zeit, ist aber genauso wichtig, wie Konzerte zu spielen, wenn nicht sogar wichtiger.

Christoph: Es ist eigentlich sogar wichtiger, weil du das brauchst, um an Konzerte zu kommen. Früher hast du irgendwo angerufen oder ein paar Emails geschrieben und dann ging das so ziemlich von alleine. Wenn du 20, 30 Konzerte im Jahr spielen willst, ist das mittlerweile viel schwieriger. Du hast viel Konkurrenz und auch viele Leute, die sich in den sozialen Medien ziemlich krass und viel bewegen. Und da musst du als Band einfach mitziehen. Es reicht nicht mehr aus, Musiker zu sein oder eine gute Band zu sein, sondern das Drumherum ist teilweise echt wichtiger.

Stefan: Labels und Booking-Agenturen bewerten Bands ja auch nach ihren Likes. Die gucken wirklich, hat die Band jetzt 1.000 oder 2.000 Likes. Alles darunter wird nicht berücksichtigt, egal, was die für eine Musik machen oder was für eine Show die spielen. Das ist erstmal egal für die. Die wollen einfach auch Reichweite für sich selber. Das ist, finde ich, der vollkommen falsche Ansatz. Wäre das schon immer so gewesen, dann hätte es so Bands wie die Beatles nie gegeben. Die wären nie rausgekommen. Aber da hat halt einer gesagt: „Ey, das ist gute Musik. Ich zieh das mit euch hoch.“ Und das gibt es heute nicht mehr.

Tim: Das gibt es schon, aber nicht mehr in der Musikrichtung.

Benni: Wo wir bei der Musikrichtung sind: Was es auch ein bisschen schwieriger macht, ist, dass die anderen drei alle aus dem Punkrock-Bereich kommen und da auch in der Zeit sehr viele Kontakte geknüpft haben, aber wir spielen jetzt schon ein anderes Metier. Da können wir die Kontakte auch nicht mehr nutzen. Das macht den Start natürlich schwieriger für uns. Und es ist ja auch die Frage, auf welchen Bühnen wir überhaupt mit der Art von Musik spielen können. Es klingt schon immer irgendwie reifer und man kann es sich auf großen Bühnen vorstellen, aber da sind wir halt noch lange nicht.

Tim: Ja, das wird sich mit der Zeit alles zeigen. Wir probieren jetzt erstmal, so viele Konzerte wie möglich zu spielen.

Christoph: Man muss natürlich als Band auch erstmal was abliefern.

Benni: Es ist ja auch schön, erstmal klein anzufangen und sich dann hochzuarbeiten. Damit auch eine Geschichte hinter der Band steht.

Stefan: Und es ist wichtig, Kritik anzunehmen und sich davor nicht zu verstecken.

Benni: Ja, aber es ist auch erstmal am wichtigsten, dass wir vier mit dem zufrieden sind, was wir hier machen. Das merkt man dann halt auch auf der Bühne. Wir stehen hinter der Musik, die wir machen. Man kriegt immer Feedback von außen und versucht es irgendwie umzusetzen, aber so langsam wissen wir auch, mit dem Feedback umzugehen. Von minutenmusik gibt es immer sehr gutes Feedback, das freut uns sehr!

minutenmusik: Jaaa, mal gucken, ob das nach heute Abend auch so bleibt…

Tim: Oh, ein zweites Bier haben wir glaub ich nicht für dich.

Diesen Schock müssen wir erstmal verarbeiten. Im zweiten Teil des Interviews geht es um die Ziele der Band, das Songwriting und die musikalischen Einflüsse.

Und so hört sich das an:

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