Bosse, MCC Halle Münsterland, 26.11.2016

„Leute, wenn ihr schief singt, scheißegal, singt trotzdem laut mit. Und wenn ihr verrückt tanzt, dann tanzt erst recht!“ So forderte Bosse gestern Abend in der MCC Halle Münsterland gut 4.000 Besucher zum „Engtanz“ auf. Dass in Bosse selbst aber ein kleiner Perfektionist steckt, zeigte sich, als er bei der Zugabe „Steine“ nach dem ersten Refrain abbrach und wieder von vorne anfing. „Ich hab so schief gesungen! Ich höre nichts, weil ich so viel Schweiß im Ohr hab!“ Kein Wunder, denn Bosse rannte während des gesamten Konzerts von einer Bühnenseite zur anderen und tanzte und hüpfte unermüdlich.

Er hatte für sein Gastspiel in Münster nicht nur jede Menge gute Laune, sondern auch eine siebenköpfige Band mitgebracht. Neben den Standardbesetzungen an Gitarre, Schlagzeug und Bass konnte er mit gleich zwei Keyboards, Cello und Trompete auftrumpfen, ab und zu gab es auch Akkordeon- oder Glockenspieltöne. Diese instrumentale Bandbreite wurde perfekt genutzt, um die unterschiedlichsten Stimmungen zu erzeugen: von Tanz-Hits wie „Schönste Zeit“ über melancholische Momente bei „Nachttischlampe“ bis hin zum orientalisch angehauchten „Istanbul“ war in der Setlist alles vertreten. Und obwohl natürlich der Schwerpunkt des Konzertes auf dem aktuellen Album „Engtanz“ lag, kamen mit Stücken wie „Alter Strand“ oder „3 Millionen“ auch die älteren Werke nicht zu kurz. Sogar einen kleinen Gastauftritt gab es, als Herr Spiegelei von Deichkind in „Krumme Symphonie“ den Part übernahm, den in der Originalversion Casper beisteuerte.

Noch schöner als die musikalische Vielfalt war allerdings „Aki“ Bosses authentische Art, die das Konzert prägte. Er verstand es, das Publikum nicht nur durch seinen ansteckenden Enthusiasmus, sondern auch auf der persönlichen Ebene abzuholen. Zu fast jedem Song erzählte er eine kleine Anekdote oder erklärte, woher die Inspirationen zu den Texten kamen. Er ließ die Fans in der ersten Reihe mitsingen und bahnte sich seinen Weg durch die Menge („Nicht anfassen, ich stinke!“), um auch den Besuchern im hinteren Teil mal Hallo sagen zu können. Und so schaffte er die typische familiäre Bosse-Atmosphäre selbst in einer Halle, die für seine Verhältnisse schon ziemlich groß war. Er ist halt einfach wie der nette Typ von nebenan, den jeder gerne mag.

So hört sich das an:

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https://www.youtube.com/watch?v=yT4Y7iF0WbI

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Foto: Andrea Holstein

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