Esther Graf, Festungsarena Kufstein (A), 04.07.2025

Esther Graf in der Festungsarena Kufstein

Es lag förmlich in der Luft, dass in Tirol soeben die Sommerferien begonnen hatten. Wer nachmittags durch die Stadt ging, sah schließlich gut gelaunte Schüler:innen bei bestem Sommerwetter auf den Inn blicken oder in die Geschäfte gehen, wo es an der Kasse für Schulkinder teilweise auch kleine Geschenke zum Zeugnis gab. Und was ebenfalls für den Ferienanfang sprach: Das traditionelle Ö3-Sommerkonzert in der Kufsteiner Festungsarena stand an – in diesem Jahr bestritten von Esther Graf. Die das Thema auch auf der Bühne direkt aufnahm und ihren Neid aussprach über die zwei Monate Ferien, die den Schulkindern nun bevorstanden. Entsprechend gut gemischt war auch das Publikum, dessen jüngster Besucher laut eigener Angabe vier Jahre alt war. Dazu kamen viele Kinder und Jugendliche, teilweise mit Eltern dabei, aber auch Konzertinteressierte aller Altersklassen, ohne dass sie ebenfalls Ferien gehabt hätten.

Wie schon die beiden einleitenden Beispiele zeigen: Esther Graf suchte an diesem Abend gern den Kontakt zum Publikum und ließ die Anwesenden teilhaben. Das gelang bereits von den ersten Tönen an mit einer Mischung aus Natürlichkeit und Bühnenpräsenz. Da brauchte es keine große Bühnenshow, sondern einfach Esther und ihre Bandmitglieder an Gitarre und Schlagzeug, wie bereits „Vergessen“ nach dem Opener zeigte. Mit teils verhaltenen Momenten, aber auch einer Portion Wucht im Chorus eröffnete sie den Abend und nutzte den Platz auf der Bühne gut aus, denn wirklich still stand sie selten. Die poppigen Klänge mit Momenten aus Rock und einem Gesang, der gerade in den Strophen auch gern mal nah an den Hip-Hop kam, zündeten gut und sorgten für Bewegung im Publikum.

Zwar ist es oft gut gelaunt, dennoch wirkt das, was Esther Graf spielt, nicht beliebig. Auch wenn es häufig um Gefühle geht, schafft sie es, die damit verbundenen Fettnäpfchen zu umgehen. Meist nur am Mikro, hin und wieder zusätzlich mit Gitarre, spielt sie ein Set, das vor allem aus dem aktuellen Album „Happy Worstday“ bestand, aber auch frühere Stücke sowie die Live-Premiere von „Was ich fühl“ (Premiere geglückt!) beinhaltete. Wozu sie auch gerne mal ein bisschen erzählte. Beispielsweise, wenn sie vor „Ein Lied“ ihre Schwester erwähnt und daran appelliert, sich doch auch mal wieder bei seinen Geschwistern zu melden. Oder auch bei „Happy Worstday“, wenn sie von unschönen Geburtstagen spricht – und zuvor noch fragt, ob jemand im Publikum Geburtstag hätte. Als auf einmal erstaunlich viele Besucher angeblich Geburtstag hatten, stellte sie dem Worstday noch ein „Happy Birthday“ zuvor.

Mit rockigen Momenten wie „Backgroundcheck“, gelegentlich ruhigen Teilen wie in „Vitamin D[u]“ sowie zwei Medleys gegen Ende (bei dem mit „Exes“ einer der rockigsten Momente des Abends zu hören war) und einer ordentlichen Portion Spielfreude unterhielt Esther Graf das Publikum 90 Minuten lang und ließ auch ihrer Band Gelegenheit, zu glänzen. So war es keine One-Woman-Show, sondern ein Konzert mit einer Band, die sie im Laufe des Abends auch vorstellte und ihr dankte. Nach den 19 Stücken verließ Esther Graf die Bühne und hinterließ ein begeistertes Publikum. Zwar gab es im Anschluss keine Zugabe mehr, aber für diejenigen, die noch blieben, sorgte die Musik auf den Kopfhörern im Rahmen der „Silent Disco“ dafür, dass kein Leerlauf entstand. Ein wirklich schöner Konzertabend – auch wenn man keine Ferien hatte.

Setlist:

01. Intro + Vergessen
02. She’s so Cool
03. Backgroundcheck
04. Letzte Mail
05. S.O.S.
06. Ein Lied
07. Wenns am schönsten ist
08. Happy Worstday
09. Würde es auch tun
10. Loslassen
11. Wieso
12. Was ich fühl
13. Vitamin D[u] 14. Starpotential
15. Fremde
16. Überall – Exes – Mit dir schlafen
17. Red Flags
18. Sad Sexy – Mama hat gesagt
19. Nie begegnet

 
Und so hört sich das an:

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Die Rechte an den Bildern liegen bei Marius Meyer.

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