Everything Everything, Gebäude 9 Köln, 17.04.2018

Manchmal sind die Größenverhältnisse der Shows bei einer Europa-Tour äußerst unterschiedlich. So spielen auch Everything Everything in ihrer Heimat Großbritannien in doch recht großen Venues, in Deutschland bleibt es dann bei kleinen Clubs wie dem Gebäude 9. Blicke auf Fotos der Show zeigen: Auf einen Großteil der Bühnenshow muss hier verzichtet werden, dafür reicht der Platz schlicht nicht aus. Ob die Band dieses Manko rein musikalisch ausgleichen kann?

Als Support wurde die deutsche Band Kytes gewählt – und kaum eine andere Band hätte hier besser gepasst. Ähnlich wie die Briten zeigen auch diese Musiker eine wunderschöne Mischung aus Gesangsharmonien, unglaublich abwechslungsreichen Songs und einem Schlagzeuger, der hier wirklich hervorzuheben ist, denn diese Rhythmusvielfalt sucht seinesgleichen. Das Publikum zeigt sich verständlicherweise jetzt schon sehr angetan!

Erst letztes Jahr veröffentlichten Everything Everything ihr drittes Album “A Fever Dream”, das uns direkt in den Bann zog (Rezension hier). Als Opener wurde daher der Titelsong des Albums gespielt, der sich von einem sanften Klavierpart in ein herrliches Durcheinander aus Synthies, Gitarren und dem sich ewig wiederholenden Satz “Lord, I see a fever dream before me now” aufbäumt. Schon hier wird aber auch der größte Nachteil kleiner Hallen deutlich. Sobald die Songs eben diese Lautstärke erreichen, ist höchstens zu erraten, was Sänger Jonathan Higgs da gerade genau singt, denn die Gitarren übertönen wirklich alles. Schade, denn was dieser heute gesanglich bietet, ist ganz großes Kino. Kaum ein Ton wird verfehlt, der Umschwung zwischen Kopfstimme und normalem Gesang funktioniert reibungslos. Auch die Setlist enttäuscht nicht – innerhalb von 17 Songs fehlen keine der Hits, ob nun “Distant Past”, “Can’t Do”, “Night of the Long Knives” oder “Spring/Sun/Winter/Dread”, alle drei Alben werden gut bedient. Dabei ist das Spiel zwischen ruhigen Passagen, Gesangsharmonien und dem endgültigen Zusammenbruch jedweder Songstruktur immer wieder zentral – ein Albtraum für Fans von eingängigen Radiosongs, sehr ansprechend für Fans von vertracktem Indie.

Auch wenn sich die Band nicht sonderlich publikumsnah zeigt (bis auf kurze Danksagungen wird hier kaum interagiert), ist die Masse aufgeheizt und wirkt einfach glücklich, diese Band im sommerlichen April live sehen zu dürfen. Dass die Band trotzdem alles gibt, erkennt man schon alleine daran, wie oft zu den Handtüchern gegriffen wird. Als Closer wurde “No Reptiles” gewählt – der Song, der noch einmal die sanfte Seite der Band aufzeigt. Mit ganz großen Gesten und immens gefühlvollen Gesang verabschiedet sich die Band hier wie die ganz Großen – aber das sind sie in anderen Ländern ja auch schon längst! Bei solchen Songs und Auftritten müssten bald auch in Deutschland mehr Leute verstehen, was für eine grandiose Band Everything Everything sind – hinter und auf der Bühne!

Und so hört sich das an:

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