Fatoni, zakk Düsseldorf, 20.11.2019

Dass Fatoni mit Mitte 30 nicht mehr so ganz in die immer jünger werdende Deutschrap-Szene passt, hatte er bereits selbst auf seinem im Juni erschienenen Album „Andorra“ genauer beleuchtet. Auf der dazugehörigen Tour mussten wir feststellen, dass sich seine selbst auferlegte Rolle als Rapper einer älteren Generation auch auf die Liveauftritte auswirkt. Bleibt die Frage: macht Fatoni mit dieser Positionierung alles falsch oder eben genau richtig?

Dank der Abendkasse war das Düsseldorfer zakk am 20.11.2019, als Fatoni sich dort die Ehre gab, wohl ausverkauft. Als Support hatte man Mädness im Gepäck – den Rapper aus Darmstadt, den man wohl am ehesten als Teil der Kombo „Mädness & Döll“ kennt, und den man zumindest rein optisch einer jüngeren Generation zuschreiben kann. Mit Beanie und Bademantel bekleidet rappte Mädness einige Tracks seiner bereits zahlreich veröffentlichten Platten. Das Düsseldorfer Publikum zeigte sich jedoch recht unbeeindruckt, obwohl er mit überzeugenden Texten und eingängigen Beats eine wirklich gute Show ablieferte.

Glücklicherweise taute die Menge auf, als Fatoni gemeinsam mit Drummerin Philo und DJ V.Raeter auf die Bühne trat. Zumindest schien das der Plan zu sein, doch ein übermäßig langes Intro und das recht langsame „Alles zieht vorbei“ als Opener verhinderten einen fulminanten Einstieg ins Konzert. Die folgenden Tracks dümpelten anschließend leider ebenso verhalten vor sich hin, obwohl Songs wie „Die Anderen“ oder „Clint Eastwood“ eigentlich zu den stärksten der aktuellen Platte zählen. Neue Lieder wechselten sich mit älteren ab – Klassiker wie „Authentizität“ und „Lassensiemichkünstlerichbindurch“ wurden ebenso willkürlich in die Setliste gestreut, wie kurze Einlagen von Fatoni an der Gitarre. Diese Gitarrenparts waren beim ersten Mal noch eine gelungene Abwechslung, häuften sich während des Abends dann jedoch unnötig. Inspiriert von Marteria und Casper – wie er selbst berichtete – begab Fatoni sich mitsamt seiner Gitarre auch in den hinteren Teil der Konzerthalle um dort einige Songs in Fannähe zu präsentieren.

Einen ordentlichen Turn-Up gab es dann aber doch noch: mehrere Songs, die eigentlich Features mit Rapper Juse Ju sind, entpuppten sich mal wieder als die beliebtesten Hits des Abends und sorgten für ausgelassene Moshpits, denen sich kaum ein Gast entziehen konnte. Gerne hätte sich Fatoni hier ebenfalls ausgetobt, doch wegen einer noch nicht vollständig auskurierten Magen-Darm-Geschichte wollte er das Publikum lieber nicht anstecken. Stattdessen steckte der Rapper die Menge lieber mit guter Laune an, indem er für den Hit „7Eleven“ nicht nur Support Act Mädness zurück auf die Bühne holte, sondern auch Special Guest Koljah von der Antilopen Gang eine Strophe zum Besten geben ließ.

Gerade hatte die Stimmung einen absoluten Hochpunkt erreicht – da zückte Fatoni erneut seine Gitarre und schlug zum Ende der Show noch einmal sanftere Töne an. Wie auf dem Album wurde das Publikum auch an diesem Abend mit dem melancholischen Track „OK OK OK“ entlassen, dessen Text Fatoni sichtlich mitzunehmen schien. Entsprechend gedämpft war also die Stimmung am Ende des Konzertes.

Wer einen krassen Abriss erwartet hatte, wurde hier nur bedingt zufrieden gestellt. Fatoni versucht erst gar nicht, ein jugendliches Turn-Up Konzert zu gestalten, bei dem durchgängig ein Hit auf den nächsten folgt. Dieses Konzept überlässt er lieber seinen jüngeren Rap-Kollegen. Stattdessen präsentierte der Rapper ein über 20 Songs starkes Set, das neben vielen stimmungsvollen Höhen und Tiefen auch einige musikalische Überraschungen barg und mit einem Mix aus Hip-Hop- und Punk-Attitüde zu überzeugen wusste. Sich nicht auf Teufel komm raus den aktuellen Trends anzupassen, sondern sich und seinem voranschreitenden Alter stattdessen treu zu bleiben, halten wir für einen gelungenen Schachzug und ein absolut empfehlenswertes Konzerterlebnis!

Tickets für die restliche Tour bekommt ihr hier!*

So hört sich das an:

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Fatoni – Andorra Tour 2019/2020

06.12.2019 – Leipzig, Conne Island *ausverkauft*
07.12.2019 – Marburg, KFZ
09.12.2019 – Konstanz, Kulturladen
10.12.2019 – Freiburg, Jazzhaus Freiburg
12.12.2019 – Zürich, Exil
13.12.2019 – Bern, ISC
14.12.2019 – Stuttgart, Jugendhaus Hallschlag *ausverkauft*
16.12.2019 – Würzburg, Maschinenhaus
17.12.2019 – Wiesbaden, Kulturzentrum Schlachthof
19.12.2019 – Köln, Gloria *ausverkauft*
22.12.2019 – Berlin, Huxley’s Neue Welt
26.12.2019 – Heidelberg, Halle02
27.12.2019 – München, Muffathalle
13.03.2020 – Hannover, Musikzentrum
14.03.2020 – Magdeburg, Feuerwache
30.04.2020 – Stuttgart, Im Wizemann

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