Jessie Ware, Live Music Hall Köln, 01.03.2018

Jessie Ware - 01.03.2018

Bei manchen Künstlern fragt man sich doch wirklich: warum erkennen viel zu wenige Menschen, dass das richtig gute Musik ist? Oder besser gesagt: eine ganz besonders gute Sängerin! Genau so ist das nämlich bei den beiden Jessies aus UK – Jessie J und Jessie Ware. Beide haben das Problem, dass sie bei den Studioaufnahmen vielleicht 50% des Potenzials zeigen, welches sie eigentlich wirklich besitzen. Wer sich die Songs unkonzentriert anhört, denkt wahrscheinlich, dass das alles netter Pop ist, aber eben nicht mehr. Geht man dann aufs Konzert wird man jedoch eines Besseren belehrt…

Am Donnerstag, den 1.3.18 versammeln sich knapp 1500 Leute, um nicht so mainstreamige Popmusik zu hören. Pünktlich um 21h taucht die fünfköpfige Band auf – bestehend aus Schlagzeug, Drumcomputer, Keyboards, Percussion und E-Gitarre. Zwei Frauen, drei Männer, davon einige auch stets im Background zu hören. Als letztes betritt Jessie Ware die Bühne, die ein orientalisch angehauchtes langes, weites und tiefrotes Kleid trägt.

Gott sei Dank ging es pünktlich los! Das war auch bitternötig nach der absoluten Pleite, die davor zu hören war: Frau Wolf lautet der Supportact und spielt 30 Minuten lang Deutschpop der übelsten Sorte. Irgendwo zwischen Christina Stürmer und Silbermond werden Plattitüden aneinandergereiht und in uninspirierten, langweilen Soft-Gitarrenrock gepackt. Grausam.

Schnell vergessen und zurück zum eigentlichen Hauptact: Bereits mit dem sehr intimen Opening zu „Sam“ schafft Jessie Ware eine Gänsehautatmosphäre und holt das Publikum voll ab. Die Zuschauer zeigen größtenteils ein etwas reiferes Alter, was wohl auch an der Musik liegt. Das Durchschnittsalter liegt geschätzt bei 30 Jahren. Es wird wenig gesprochen, zwischendrin mit dem Handy gefilmt, würdigend geklatscht und ein bisschen im Takt geschwungen. Hier ist eben Musik das Wichtigste und die ist wirklich fabelhaft. 18 Songs lang schafft die Künstlerin zu fesseln und beweist, dass abwechslungsreiche Popmusik keinesfalls ein Zeichen für „Ich hab keinen eigenen Stil“ sein muss, sondern richtig gut klappen kann. Bei „Something Inside“ läuten Elektrobeats eine kurze Tanzphase ein und erinnern an die Sugababes, bei dem größten Hit „Say You Love Me“, der in UK nur knapp die Top 20 verfehlte, darf mitgesungen werden, bei „Selfish Love“ hören wir eine britische Lana del Rey und bei „Hearts“ werden genau diese berührt. Abgerundet wird alles durch den treffsicheren und beeindruckenden Gesangsstil der Sängerin, die trotz der großen Range bei fast allen Songs keinen Ton vergeigt. Ein bisschen Alicia Keys ist auch dabei, aber nur in der Stimmfarbe. Hoffen wir, dass Jessie sich über dieses Kompliment freut. Auch soundtechnisch kann nichts bemäkelt werden, da die Band gut abgenommen und gemischt wird.

Mit 75 Minuten ist das Konzert recht knapp bemessen. Selten sah man doch so viele Songs in so kurzer Zeit. Hier wird eben nicht groß gelabert (wenn sie es macht, wirkt das aber äußerst sympathisch, improvisiert und authentisch-britisch), anmoderiert oder mit Videos überbrückt – hier wird gesungen. Jessie Ware entscheidet sich auch für ein Outfit, das bis zum Ende bleibt und lässt sich nur von einigen Scheinwerfern und dezenten Videountermalungen verschönern. Genügt.

Das Konzert wird thematisch in vier Akte unterteilt (Exposition, Climax, Dénounement, Encore), die aber ohne die Ankündigung auf Leinwand leider nicht aufgefallen wären. Sämtliche Songs klingen äußert unterschiedlich – wonach sortiert wurde, bleibt wohl ein Geheimnis der Protagonistin. Um 22:16 wird das sichtlich begeisterte Publikum in die Kälte entlassen – im Inneren der Menschen sollte es aber für die meisten noch einige Stunden warm bleiben. Das fühlt sich gut an.

Und so hört sich das an:

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Foto von Christopher F.

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