Monolink, Die Kantine, 25.11.2018

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Als ich das zufriedene Lächeln auf dem Gesicht von Monolink (im wahren Leben heißt er Steffen Linck) sehe, geht mein Herz noch ein bisschen mehr auf. Dabei hatte er dort ohnehin längst einen Platz save. Als „Sirenes“ Anfang des Jahres in meine Spotify Bubble gespült wurde, war ich sofort verliebt. Da wusste ich noch nicht, dass Monolink die Personifikation meines musikalischen Jahres werden würde. Ein Singer-Songwriter der seine melancholischen Lyrics nicht mit der Akustikgitarre, sondern mit deepen elektronischen Beats unterlegt. Quasi jemand, der mich mehr versteht als ich selber, denn meine musikalische Reise in die Welt des Techno stand damals noch ganz am Anfang.

Jetzt weiß ich mehr und stehe gemeinsam mit 999 anderen Konzertbesuchern in der Kantine im Kölner Norden. Es sind keine zehn Minuten des Konzertes vergangen und schon ist klar, dass Monolink dankbar über jeden Zuschauer ist, der an diesem Abend den Weg hierher gefunden hat. Obwohl er schon vor sehr viel größeren Mengen gespielt hat – auf dem Burning Man beispielsweise – ist die ausverkaufte Kantine für ihn keine Selbstverständlichkeit, sondern ein Geschenk. Extrem sympathisch. Mit jedem Beat fängt mein Herz ein bisschen mehr an, im Rhythmus der Musik zu schlagen. Es ist offensichtlich, dass ich nicht die einzige Person hier bin, die so empfindet. Um mich herum bewegt sich die Menge ebenso im Takt der Musik. Mal ruhig, melancholisch und deep, mal ekstatisch und wild.

Die drei Jungs auf der Bühne halten die Fäden in der Hand und lassen die Halle tanzen und jubeln. Wie man das so macht, bei einem richtig guten DJ-Set. Aber Monolink ist heute nicht alleine unterwegs und spielt kein klassisches DJ-Set. Stattdessen hat er eine Band dabei, einen Schlagzeuger und einen Mann am Synthesizer. Er selber spielt Gitarre – und mischt alles live auf der Bühne. Ich bin fasziniert, denn die Musik klingt exakt genauso wie auf Platte. Klar, wieso sollte guter Techno nur mit Dosenbeats vom Notebook funktionieren? Aber dennoch bin ich fasziniert, wie unfassbar authentisch und sauber die Musik live klingt. Alles an diesem Konzert ist für mich – als Neuling in der Szene – eine Offenbarung. Und das perfekte Beispiel, warum Monolink für so viele Musikbegeisterte auf der ganzen Welt funktioniert. Monolink verbindet den Sound der gegenwärtigen Technolandschaft mit einem Indie-Pop Songwritervibe. Mich erinnert das an große Bands des New Wave und Industrial (Editors und Moderat, vielleicht sogar ein bisschen New Order und Depeche Mode). Am Ende ist es aber eine ganz eigene, faszinierende Mischung. Selten habe ich in den letzten Jahren Musik mit so einem krassen Alleinstellungsmerkmal gehört. Es ist der perfekte Einstieg in eine sonst eher abstrakt zugängliche Welt. Wie für mich, zu Beginn dieses Jahres. Jetzt tauche ich immer tiefer in eine neue, spannende Szene ein. Monolink hat dafür den Grundstein gelegt.

Genau das funktioniert und genau aus diesem Grund ist dieser Bericht so viel persönlicher, wertender und vor allem kitschiger geworden, als ich das eigentlich geplant hatte. Aber so ist es nun mal. Das ist eine ganz große Liebe, weil das ganz große Kunst von einem ganz großen Künstler ist, um dessen Namen man in den nächsten Jahren nicht herumkommen wird. Der Rest der Tour in Hamburg, Leipzig, München und die drei Shows in Berlin sind verdienter Weise ausverkauft. In Köln gingen die Karten innerhalb von Minuten über den Tickettresen. Deshalb: Augen offen halten und auf jeden Fall hingehen, wann immer es die Möglichkeit gibt, sie könnten rah und teuer werden. Es lohnt sich, selbst wenn man mit Techno und elektronischer Musik bisher nur am Rande etwas zu tun hat.

So hört sich das an:

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https://www.youtube.com/watch?v=yNycw9zhO98

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Beitragsbild von Hailley Howard.

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