Noga Erez, Luxor Köln, 31.05.2022

Noga Erez Köln

Stroboskoplichter, springende Menschen, drückende Beats: Wer an diesem Dienstag-Abend bei Noga Erez vor der Bühne steht, vergisst schnell alle Umstände. Pandemie, who is she? Das Luxor ist eine eher schlechte als rechte Konzertvenue? Geschenkt. Das Versprechen, das Noga Erez der Indie-Community mit ihrem Album „KIDS“ und dessen Sound-Update „KIDS (Against The Machine)“ machte, soll dieser Auftritt nicht nur einlösen, sondern meilenweit übertreffen. Die alte Mär von Musik, die monatelang darauf gedrängt hat, Konzert-Luft zu atmen, wird hier wahr. Aber nun genug der Standard-Floskeln. Noga Erez ist viel mehr als das.

Darf. Nicht. Atmen.

Wie wohlwollend und vor allem angeheizt das Kölner Publikum immer noch ist, zeigten schon die Reaktionen auf den Support-Act Magi Merlin. In Begleitung eines energischen Bass-Spielers zauberte die Kanadierin einen ziemlich gewitzten Mix aus Drum’n’Bass, Soul, R’n’B und Rap auf die Bühne. Das zeigte viele Facetten, ließ aber an einigen Stellen auch etwas Drive fehlen. Aber auch das – geschenkt. Man hat gespürt, worauf die Musik hinaus sollte und das könnte schon bald ziemlich groß werden. Viel größer dürfen auch bitte bald die Bühnen für Noga Erez werden, denn was direkt ab Beat 1 der Setlist passiert, ist schlicht drei Ligen über dem kleinen Wohnzimmer-Boden des Luxor. Das wuchtige „You So Done“ darf den Anfang machen und mit seiner Mischung aus lässigem Spoken Word und Lyrics á la „What’s a queen to a joker, tell me?“, wummernden Bässen und grellen Synthesizern heizt die ohnehin begeisterte Crowd direkt mal auf. Und ab dann gibt es weder Halten noch Zeit zu atmen.

Songwriting-Deluxe.

Alleine dieser wahnwitzige Einstieg aus den Großtaten „You So Done, „End Of The Road“, „Cipi“ und „Story“ ist mehr, als viele Konzerte in ganzer Spiellänge zu bieten haben. Die israelische Sängerin überspringt dabei gekonnt Courtney Barnett auf dem Slacker-Thron und entpuppt sich als lässigste Revolutionsanführerin aller Zeiten. Einem Flummi im Blazer gleich hüpft sie über die Bühne, jeder Ton, jeder Beat, jeder Rap-Part sitzt. In ihrem Rücken Schlagzeuger Ran Jacobovitz und Co-Mastermind Ori Rousso an Synthesizern, Gesang und Samplern. Über ihren Köpfen die Strobo-Party des Jahres. Unter den Füßen Beats zwischen Dissonanz und Euphorie, die die beißende Gesellschaftskritik in eine Form gießen.

Auch die Setlist lässt keine Wünsche übrig, 18 Songs werden heute performt, der Großteil natürlich von „KIDS“. Dazu gibt es aber auch das Lil Nas X-Cover von „Industry Baby“ und den neuen Song „NAILS“ – beide on point und Crowd-Pleaser. In einem Konzert der Höhepunkte markiert „Bad Habits“ von 2018 einen kleinen Wendepunkt, als Erez mit dem Aufruf zum Ausrasten den Turn-Up vergoldet und damit endgültig die Ekstase einleitet. Alles danach verschwimmt in einem Nebel aus Endorphinen. Ruft die Festival-Booker*innen an – hier steht eine würdige Headlinerin.

Und so hört sich das an:

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Beitragsbild von Julia.

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