Trixsi – …And You Will Know Us By The Grateful Dead

Trixsi And You Will Know Us By The Grateful Dead

Ein Album mit einer Supergroup zu veröffentlichen, kann man machen. Danach noch weiterzumachen, muss man wollen. Trixsi, die Band um Mitglieder von Herrenmagazin, Findus und Love A, sind scheinbar gekommen, um zu bleiben – wie sie uns schon im Interview vor zwei Jahren versprachen. Darüber darf man sich nach dem großartigen ersten Album „Frau Gott“ auch freuen. Und mit dem herrlich bescheidenen Titel-Amalgam aus den Grateful Dead und …And You Will Know Us By The Trail Of Dead legen die fünf direkt mal wieder eine total falsche Fährte. Das hier ist im Herzen immer noch Indie-Rock. Nur eben einer mit Schräglage.

Ungeschönt hitlastig

Mehr Melodie als bei Love A, mehr Krach als bei Herrenmagazin, mehr Verzweiflung als bei Findus. Trixsi schmeißt die anderen Projekte der Mitglieder in einen großen Hexenkessel, heraus kommt am Ende aber doch etwas eigenes. So weit, so bekannt. Dass Mechenbier, Konopacka, Hoffmann, Kühl und Wilhelmsburg keine Freunde der Traurigkeit sind auch. Deswegen machen Trixsi auch 2022 noch Späße, tänzeln plötzlich in New-Wave-Wellen („Eegal“) oder üben sich im Abschluss-Trio aus „Frau Gott (reitet wieder)“, „Tschuldigung“ und „Sauf, Ne“ in der großen Frage „Welches Genre passt am besten zum Thema Saufen? Etwas Eskapismus und Selbsterhöhung darf ja auch mal sein. Aber glücklicherweise hat dieses Platte weit mehr zu bieten.

Mehr als Saufen

Auf „…And You Will Know Us By The Grateful Dead“ führt das Quintett die Reise des Debüts fort, klingt dabei in Nuancen aber düsterer als zuvor. Dabei darf Mechenbiers beißender Sarkasmus mehr glänzen, etwa im „Hundegulasch“, das ein Rezept zu jenem Gericht vertont und dabei Gesellschaftskritik als Dessert serviert. Auch „Jerome Janine“ wagt den Blick über den Tellerrand, treibt vor eingängiger Melodie den Diskurs über die Leute an, auf die in unserer Gesellschaft eher ein Haufen Scheiße als ein Goldtopf am Ende des Regenbogens wartet. Am packendsten wird es aber in „Scheiss Urlaub“, das erstmal mit einlullenden Gitarren der Utopie frönt, sich über einen gemütlichen Urlaub, der niemals enden sollte freut. Dann die Sätze: „“Seelenlose Mitteleuropäer mögen das vielleicht so sehen / da wird schon keiner untergehen / Was wollen die überhaupt hier mit Sack und Pack vor unserer Tür?“ und der radikale Cut, der Song geht mit krachendem Noise zugrunde.

Mit dem dritten großen Thema der Platte springen Trixsi sogar auf den Hype-Train: Mental Health ist sein Name und war natürlich nie wichtiger als nach 2 Jahren Lockdown-Dauerschleife. Der große Hit der Platte, „Panik“, beleuchtet psychische Erkrankungen in ihrer Vielfalt aus, „Vergib dir selbst“ hasst die Selbstoptimierung und der 00er Jahre-Sound von „Wer schreit der bleibt“ ist der Beat für die Verzweiflung. Auffällig bleibt, was das packende „Ach Meche“ vorturnt: Die sarkastische Distanz bleibt bei Trixsi in den Knochen, von Ich-Perspektive wollen hier höchstens die Quatsch-Songs etwas wissen. „…And You Will Know Us By The Grateful Dead“ bleibt so oberflächlich eine sehr humoristische Nummer mit viel direktem Drive. Unter der Oberfläche gibt es aber weit mehr zu entdecken. Und das hoffentlich nicht zum letzten Mal.

Und so hört sich das an:

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Rechte am Albumcover liegen bei Glitterhouse.

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