Ruel, Die Kantine Köln, 02.12.2019

Ruel hat mit seinen gerade einmal 17 Jahren das erreicht, wovon andere aufstrebende Musiker in seinem Alter nur träumen können: für Pop-Gigant Shawn Mendes durfte der Newcomer in seiner Heimat Australien einige Konzerte eröffnen und sang sich damit in die Herzen tausender junger Fans. Genau diese Art von Karriereschub hatte Ruel gebraucht, um international auch seine erste eigene Tour bestreiten zu können. Im Rahmen der „Free Time World Tour 2019“ besuchte er unter anderem auch Köln zum ersten Mal und wir waren dabei.

Am 02.12.2019 ging es also in die ausverkaufte Kantine, vor der verlassene Wärmedecken darauf hinwiesen, dass einige Fans wohl schon seit den frühen Morgenstunden in der Kälte ausgeharrt hatten. Bei einem jungen Popsänger soweit erst einmal nichts Ungewöhnliches.

Eröffnet wurde der Abend dann zunächst von Destiny Rogers, einer jungen Sängerin aus Kalifornien, die auf der Bühne leider etwas unsympathisch wirkte und sich immer wieder damit rechtfertigte, ein bisschen angeschlagen zu sein, wenn sie hier und da mal ein paar Textzeilen ausließ. Einige Fans schien Destiny Rogers hierzulande aber schon zu haben, denn das Publikum sang hier und da bereits kräftig mit.

Als nach einer mit Drängen und Schubsen gefüllten Umbaupause endlich Ruel die Bühne betrat, wurde schnell klar, dass der Sänger scheinbar nur stehen oder lächeln musste, damit die Fans komplett begeistert waren. Als er sich dann ab und zu auch noch eine Gitarre um den Hals hing um zwei Mal an den Saiten zu zupfen, rasteten die Fans völlig aus. Ein absoluter Teenieschwarm, wie er in der BRAVO steht – mit seiner blonden Schmalzlocke und den gerade einmal 17 Jahren erinnerte Ruel dabei vor allem an einen Nick Carter der 90er Jahre.

Musikalisch lieferte der Sänger aber sicherlich keine schlechte Show – ungefähr 60 Minuten präsentierte er gemeinsam mit seiner Band allerhand Songs des Debütalbums „Free Time„. Hierzu zählte auch die Single „Face To Face„, die sich mit dem Thema Internet Stalking auseinandersetzt. Vor allem die emotionale Ballade „Hard Sometimes“ über Depressionen und Selbstzweifel, sowie die Hitsingle „Younger“ gingen an diesem Abend als klare Anspieltipps hervor. Das Gekreische in der Kantine war groß, als Ruel für die Zugabe mit seiner Single „Painkiller“ auf die Bühne zurückkehrte. Geschickt nutzte er die gesamte Fläche aus, um während des Abends allen Fans in den vorderen Reihen genug Aufmerksamkeit zu schenken.

Doch selten haben wir bei einem Konzert solch ein anstrengendes Publikum erlebt und das heißt was, wo wir doch auch schon bei Tokio Hotel und Justin Bieber waren. Dauergekreische machten es gänzlich unmöglich, der Musik in Ruhe zu lauschen, und selten wurden uns bei einem Konzert so viele Handybildschirme vor die Nase gehalten, wie hier. Irgendwann verzogen wir uns deshalb in den hinteren Teil der Halle, wo die Stimmung wesentlich entspannter war. Zwischen tanzenden Fans und einer eingeschlafenen Mutti hatten wir daher noch die Möglichkeit, das Konzert mit etwas Abstand zu genießen.

Ruel hat definitiv das Potential, in die Fußstapfen von Shawn Mendes oder Justin Bieber zu treten. Musikalisch gibt es hier sicherlich noch Entwicklungspotential, doch zumindest die passionierten Fans hat der Australier bereits auf seiner Seite.

Und so hört sich das an:

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