Weezer – “OK Human”-Live, Walt Disney Concert Hall Los Angeles, 17.04.2021

Streaming-Konzert: Weezer spielen ihr orchestrales "OK Human" in der opulenten Walt Disney Concert Hall in Los Angeles.

Die Walt Disney Concert Hall ist in einem opulenten Bau mitten im Stadtteil Bunker Hill untergebracht. Metallene, von scharfen Kanten unterbrochene Spiegelflächen schmücken ihre Fassade. Normalerweise finden hier mitten in Los Angeles knapp 2200 Zuschauer*innen Platz. Doch normal ist im Jahr 2021 bekannterweise nur Weniges. Mitte März sind die Ränge des holzvertäfelten Konzertsaals deshalb wie leergefegt als Weezer samt zweier Orchester ein für drei Termine im April angesetztes Livestream-Konzert aufzeichnen. In dessen Mittelpunkt steht „OK Human“, das 14. Studioalbum der Rock-Band. Das wurde als orchestrales Stück Musik geschrieben, arrangiert und aufgenommen und passt dementsprechend in den edlen Rahmen.

Mit einer langgezogenen Kamerafahrt entlang der Fassade des eleganten Gebäudekomplexes beginnt auch der gut einstündige Konzertfilm. Nach wenigen Backstage-Einblicken begleiten Zuschauer*innen die Band anschließend auf ihrem Gang hin zum Saal. Dann schallt bereits das markante Intromotiv – in Szene gesetzt von der hauseigenen Orgel – von „All My Favorite Songs“ durch die Computerlautsprecher. Es folgen in chronologischer Reihenfolge das gesamte „OK Human“-Album sowie sechs ausgewählte Highlights aus dem Bandkatalog. Ersteres wird bis auf einige wenige Akustik-Gitarren-Arrangements, die Gitarrist Brian Bell beisteuert, den Studioversionen nahezu identisch dargeboten. Die Orchester fahren zu Hochform auf, die Band spielt makellos. Sänger Rivers Cuomo sitzt währenddessen durchweg am Klavier, vor ihm ein in Harry Potter-Stil aufbereitetes Text- und Notenbuch. 

Das alles ist zwar weit davon entfernt als spektakulär durchzugehen, eine gewisse Klasse ist dem Setting jedoch nicht abzusprechen. „Bird With A Broken Wing“ ist das pompöse Arrangement, das man bei einer solcher Darbietung erwartet, das gutlaunige „Grapes Of Wrath“ auch live immer noch ein Hit und „Here Comes The Rain“ bekommt gar etwas wie eine passende Lichtshow. Ähnlich unaufgeregt vergeht auch der zweite Teil des Sets, der von einer neuinstrumentierten Version der „Van Weezer“-Single „Hero“ eingeleitet wird. Den Rest des Streams verbringt Cuomo stehend. Den „Blue Album“-Hit „Say It Ain’t So“ spielt er alleine an der Akustik-Gitarre, für „Island In The Sun“, „Falling For You“ und „Buddy Holly“ wiederum stoßen Band und Orchester zu ihm. Ein Highlight ist außerdem das Neuarrangement des bereits jetzt zum Kult avancierten Toto-Covers: „Africa“.

Dass zwischen den Songs immer wieder das eindrucksvolle Äußere der Halle gezeigt wird und nicht begeisternd jubelndes Fans, steht in Momenten des kulturellen Stillstands symbolisch für die schweren Zeiten. Aus denen bieten solche virtuellen Einmal-Events zumindest kurzzeitige Ausflüchte. Immerhin.

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Und so hört sich das (auf dem Album) an:

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Foto von Jonas Horn.

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