Eurovision Song Contest 2021 – Alle Songs & Infos im Überblick

Wir stellen alle 39 Songs des diesjährigen Eurovision Song Contest in Rotterdam vor, u.a. auch Jendrik, der für Deutschland antritt.

Er ist zurück – nach einer Zwangspause im vergangenen Mai heißt es dieses Jahr endlich wieder: „Let the Eurovision Song Contest begin“. Die 65. Ausgabe des größten Musikwettbewerbs der Welt musste in der letzten Saison wenig überraschend auf Eis gelegt werden. Erstmalig in der Geschichte der Show gab es ein Kalenderjahr ohne diese große Sendung, die jährlich unglaubliche 180 Millionen Zuschauer*innen weltweit vor den Bildschirm bringt, dabei waren die Beiträge schon fix (Eurovision: A Tribute To The Artists And Songs 2020). Aber den Blick gen Zukunft, somit: willkommen zurück und Open Up!

Das Motto Open Up wurde aus dem letzten Jahr übernommen, der Austragungsort ebenso: Das niederländische Rotterdam und seine Mehrzweckarena Rotterdam Ahoy sind Gastgeber*in für das Zusammenkommen Europas, wobei… so halb zumindest. Denn auch wenn das Konzept im Vergleich zu 2020 verfeinert und ausgetüftelt wurde, sodass die Show dieses Jahr nicht ausfallen muss, haben sich Corona und die damit einhergehende Pandemie in den vergangenen zwölf Monaten nur geringfügig verändert.

Heißt konkret: Ticketinhaber*innen aus 2020 durften zunächst ihre geliebten Eintrittskärtchen für 2021 beinhalten, bis sich im Februar dazu entschieden wurde, erstmal jede*r Besitzer*in ihre Kohle zurückzuüberweisen. Völlig unerwartet haben sich die Veranstalter*innen jedoch Anfang April dahingehend geäußert, nun doch eine kleinere Menge an Publikum zuzulassen. Doch Corona hat uns gelehrt, wie unberechenbar auch wenige Tage sein können. Ob am Ende die Halle nur mit den Moderator*innen gefüllt ist, die Künstler*innen der einzelnen Länder live auftreten können oder nur Videos von ihnen gezeigt werden oder vielleicht sogar doch ein paar Leute vor der Bühne Platz nehmen dürfen – die finale Entscheidung fällt wahrscheinlich erst kurz vor der Show.

Damit genug Brimborium im Vorfeld! Dass der Wettbewerb überhaupt in der Niederlande stattfinden darf, ist Duncan Laurence zu verdanken, der mit seiner fragilen und hochemotionalen Powerballade „Arcade“ unzählige Menschen im Sturm erobert hat und nach über 40 Jahren den vierten Sieg für unsere Nachbar*innen einsacken konnte. Er wird – hoffentlich – der einzige Sieger bleiben, der zwei Jahre amtiert.

Schon jetzt lohnt es sich, die 20. Kalenderwoche zu markieren, wenn am 18. und 20.5. die beiden Semifinals über eurovision.tv oder im deutschen Fernsehen auf ONE zu sehen sind und schließlich am Samstagabend das große Finale über die Bühne geht – ebenfalls auf eurovision.tv oder alternativ in der ARD. Alle Shows starten um 21 Uhr und sind durch die Eurovision-Legende Peter Urban unterhaltsam kommentiert.

Wie immer checken wir für euch im Vorfeld ab, welches Land Gewinner*innen-Vibes mitbringt. Wir legen unser Augenmerk ausschließlich auf die Songs und nicht auf die Performances – dazu gibt es dann weitere Statements in der eigentlichen ESC-Woche. Dieses Jahr nehmen 39 Länder teil. Viele senden sogar die gleichen Interpret*innen, die sie für 2020 vorgesehen hatten. Eigentlich wären es 40 an der Zahl gewesen, allerdings hat sich Belarus durch einen hochpolitischen und wenig EU-konformen Beitrag disqualifiziert und sich anschließend als nicht flexibel genug gezeigt, etwas Neues einzureichen – dann halt nicht. Die Niederlande als Gastgeber*in und die klassischen „Big Five“, also Deutschland, Italien, Frankreich, Großbritannien und Spanien, sind schon im Finale safe. Die Niederlande hat sich sogar als Startnummer bereits die 23 ausgesucht. Der Rest ist noch ungewiss. Im ersten Semi müssen von 16 Ländern sechs den Weg nach Hause antreten, im zweiten sind es gleich sieben von 17. Wer gute Karten hat und wer eher die aus der Gesäßtasche zieht, sagen wir euch jetzt in der Reihenfolge nach Länderkürzel, so wie es der offizielle Sampler auch tut – den gibt es ab dem 23.4. in allen Plattenläden und auf sämtlichen Streamingportalen:

1. Albanien; „Karma“, Anxhela Peristeri (2. Halbfinale):
Wie jedes Jahr schickt Albanien landestypische Sounds und bringt den fernöstlichen Klang in den Wettbewerb. Das ist zwar authentisch und irgendwie auch ein Must Hear beim ESC, aber auch beliebig – damit gewinnt man keinen Blumentopf und noch weniger ein Ticket fürs Finale.

2. Österreich; „Amen“, Vincent Bueno (2. Halbfinale):
Österreich hatte auch 2020 Vincent Bueno am Start, allerdings mit einer zumindest leicht groovenden R’n’B-Nummer. 2021 gibt es eine schleppende Halbballade, in der nichts passiert und die die hervorragende Pipi-Pause darstellt – aber auch nur im Halbfinale, denn dann ist Sense. Gott sei Dank. Amen.

3. Australien; „Technicolour“, Montaigne (1. Halbfinale):
…und weiterhin bleibt Guy Sebastian 2015 der erste und gleichzeitig beste australische Beitrag beim Eurovision. Montaigne gewann 2020 den ersten australischen Vorentscheid und hatte da schon nur mittelmäßige Ware zu bieten. „Technicolour“ will unbedingt edgy sein und ist dadurch nervig, überfordernd und ohne erkennbaren roten Faden. Womöglich das erste Mal, dass Australien auch im Semi die Biege macht.

4. Aserbaidschan; „Mata Hari“, Efendi (1. Halbfinale):
Ein Land, bei dem man jede Saison aufs Neue gespannt sein darf, was es sich überlegt. Efendi hatte 2020 mit „Cleopatra“ schon einen aufregenden Mix aus orientalischen, poppigen und elektronischen Klängen und knüpft mit „Mata Hari“ genau da an, wenn auch nicht ganz so gut. Eine solide Leistung ist das trotzdem und sollte im Finale zumindest im Mittelfeld landen.

5. Belgien; „The Wrong Place“, Hooverphonic (1. Halbfinale):
Auch unsere Nachbar*innen aus Belgien setzen nie auf Nummer sicher und probieren sich stets an mystischen, kantigen Tracks mit viel Moll. Hooverphonic machen bereits seit über 25 Jahren Musik zusammen und haben mit wechselnden Sänger*innen immer noch Freude am Job. War „Release Me“ aus 2020 einige Stufen zu schwermütig, ist „The Wrong Place“ ein waschechter Grower und wird Fans des Alternative-Pop begeistern können. Ein kleines Dark Horse!

6. Bulgarien; „Growing Up Is Getting Old“, Victoria (2. Halbfinale):
Victoria gilt in ihrer Heimat schon seit längerem als die neue Billie Eilish. Der Vergleich kommt nicht von irgendwo her, die Assoziation geschieht wirklich schnell. Leider ist „Growing Up Is Getting Old“ jedoch nur ein Viertel so spannend wie das Songmaterial des Supertalents aus den USA. Victoria hätte 2020 mit „Tears Getting Sober“ einige Augen zum Schwitzen gebracht, im kommenden Mai bringt sie aber höchstens ein paar Augen zum Ermüden. Mit Glück reicht das fürs Finale, kommt dann aber nicht über Platz 20 hinaus.

7. Schweiz; „Tout l’univers“, Gjon’s Tears (2. Halbfinale):
Die Schweiz hat wirklich eine verrückte ESC-Historie. Mehrere Siege – einen sogar mit Céline Dion –, dann unzählige Pleiten. Doch Luca Hänni hat 2019 das Land endlich mal wieder richtig nach vorne gebracht. Gjon’s Tears ist aber in Angriffsstimmung. Leider hat „Tout l’univers“ melodiös weitaus weniger zu bieten als das fürs letzte Jahr geplante „Répondez-Moi“. So klingt die Schweiz ein wenig zu stark nach dem letzten Gewinner Duncan Laurence. Aktuelle Wettquoten rechnen trotzdem mit einem möglichen Sieg. Die Gesangsleistung sorgt auch in unseren Augen dafür, zumindest in der Top 5 zu landen.

8. Zypern; „El Diablo“, Elena Tsagrinou (1. Halbfinale):
Elena Tsagrinou darf sich seit Wochen den Vergleich anhören, sie sei wie Lady Gaga – warum? Musikalisch hat das wenig gemeinsam, optisch ebenso. „El Diablo“ ist ein völlig generischer Pop-Song mit kleinen Breaks. Tut nicht weh, fällt nicht groß auf, ist nett. Mittelfeld im Finale.

9. Tschechien; „omaga“, Benny Cristo (2. Halbfinale):
Auch Tschechien hat sich in den letzten Runden extrem entwickelt und liefert konsequent tolle, moderne Pop-Tracks. Benny Cristo hatte sowohl letztes als auch dieses Jahr einen spaßigen Dancesong, der keinesfalls gewinnen wird, aber dafür das Zeug hätte, häufiger im Radio zu laufen. Sommerlaune und mit der passenden Performance vielleicht ein Platz in der Top 10.

10. Deutschland; „I Don’t Feel Hate“, Jendrik (bereits fürs Finale qualifiziert):
Deutschland? Was ist da denn los? So viel Mut gab es zuletzt 2011 mit „Taken By A Stranger“ von Lena. Jendrik ist ein No-Name-Künstler, der sich einfach ganz naiv für die Teilnahme beworben hat und nun für uns antreten darf. „I Don’t Feel Hate“ hat er bereits 2019 geschrieben. Ein leicht irrer, überdrehter Pop-Song mit Ukulele, ganz viel guter Laune, der nötigen Selbstironie, dem wichtigen Ohrwurmeffekt und einem sympathisch jungen Typen. Wenn Deutschland nicht aus Prinzip wieder ignoriert wird, hätte das einen Platz in der Top 5 verdient. Ernsthaft.

11. Dänemark; „Øve os på hinanden“, Fyr og Flamme (2. Halbfinale):
Seit 1998 darf jedes Land selbst entscheiden, auf welcher Sprache es singen mag. Seitdem hat Dänemark die Landessprache bei Seite gelegt – doch nun ist das Comeback. Fyr og Flamme klingen wie ein Überbleibsel eines 80s-Samplers. Mehr retro geht nicht. Hier fallen einem zig Titel ein, aus denen was gezockt wurde, doch who cares!? Das macht Spaß und muss mindestens in die Top 10, wenn nicht sogar höher.

12. Estland; „The Lucky One“, Uku Suviste (2. Halbfinale):
Trotz Vorentscheid hat sich Estland erneut für Uku Suviste entschieden, der bereits vor zwölf Monaten sterbenslangweiligen und altmodischen Boybandpop vortrug. Mit „The Lucky One“ sieht das alles nicht viel besser aus – dabei gab es z.B. mit Koit Toome und „We Could Have Been Beautiful“ Songs, die Gewinnerpotenzial hatten. Aber offensichtlich will Estland gar nicht gewinnen. Ciao Kakao!

13. Spanien; „Voy a quedarme“, Blas Cantó (bereits fürs Finale qualifiziert):
Auch Blas Cantó war schon 2020 gesetzt. Aus seinem niedlichen Pop-Ohrwurm „Universo“ wird das nicht sich richtig entwickelnde „Voy a quedarme“. Schwierig, wenn auch nicht mies, aber zu unaufgeregt und zu wenig auffallend und damit irgendwo auf den letzten Plätzen.

14. Finnland; „Dark Side“, Blind Channel (2. Halbfinale):
ESC 2021 bedeutet anscheinend, eine kleine Zeitreise durch diverse Pop-Trends der letzten Jahrzehnte zu machen. Finnland liefert eine B-Seite vom ersten Linkin Park-Album namens „Dark Side“. Das ist echt sodermaßen unverschämt geklaut, aber trotzdem spaßig und kurzweilig. Nu Metal mit eingängiger Hook. Zwar hat der ESC nicht ganz das passende Zielpublikum, aber ein Platz in der vorderen Hälfte im Finale wäre angemessen.

15. Frankreich; „Voilà“, Barbara Pravi (bereits fürs Finale qualifiziert):
Wenig überraschend schickt Frankreich einen französischen Titel ins Rennen – allerdings den besten seit mehreren Jahren. Barbara Pravi präsentiert stilvollen Chanson der alten Schule. Sehr authentisch im 3er-Takt und ansprechend vorgetragen. Nicht jedermanns Geschmack, aber für die anspruchsvollen Zuhörer*innen wohl genau das richtige. Platzierung: 8 oder besser!

16. Großbritannien; „Embers“, James Newman (bereits fürs Finale qualifiziert):
Die Briten haben irgendwann aufgegeben, gute Songs zum Eurovision zu schicken, obwohl sie bekanntlich Tausende guter Künstler*innen in petto hätten. James Newman hat aus seinem ganz okayen Beitrag 2020 gelernt und für 2021 einen sicheren Charttrack parat. „Embers“ ist mitreißend, macht tolle Laune, hat Club-Feeling und schafft zu 100% die beste Platzierung seit zehn Jahren – was nicht schwer ist, da es zwischen 2012 und 2019 nie für die erste Hälfte in der Endtabelle reichte. Dieses Mal aber wahrscheinlich schon.

17. Georgien; „You“, Tornike Kipiani (2. Halbfinale):
Wenn Lieder „You“ heißen, ist doch schon irgendetwas falsch, oder? Tornike Kipiani wäre auch 2020 angetreten und hätte völlig aggressiv drei Minuten lang ins Mikrofon geschrien, das ist dankenswerterweise dieses Mal nicht so. Stattdessen ist hier der passende Moment eine zu rauchen, die Chips aufzufüllen oder zu quatschen – „You“ ist der langweiligste Titel des gesamten Wettbewerbs. Glückwunsch! Next!

18. Griechenland; „Last Dance“, Stefania (2. Halbfinale):
Auch Griechenland hat mitbekommen, dass die 80er zurück sind. Stefania macht mit „Last Dance“ etwas berechenbaren, aber dennoch gut konsumierbaren Dance-Pop für laue Sommernächte. Ein souveränes Mittelfeld.

19. Kroatien; „Tick-Tock“, Albina (1. Halbfinale):
Schade! Kroatien hatte für 2020 einen starken Sänger mit einer kraftvollen Halbballade auf Landessprache. 2021 setzt man mehr auf aufreizende Outfits und durchschnittlichen Pop. „Tick-Tock“ ist ok. Aber wer möchte ok am Ende auf der Pole sehen? Eben. Hat’s im stärkeren ersten Semi schwer.

20. Irland; „Maps“, Lesley Roy (1. Halbfinale):
Lesley Roy aus Irland hatte letztes Jahr „Story Of My Life“ am Start, das klang, als ob Kelly Clarkson einen alten Schinken aus den Anfängen neu veröffentlicht hätte. „Maps“ ist nicht so viel anders, aber um Längen schlechter. Die Melodie ist berechenbar und schon unzählige Male durchgenudelt worden. Da müssen die Iren aber ordentlich die Daumen drücken, damit die Nummer am Samstag im Finale laufen darf.

21. Israel; „Set Me Free“, Eden Alene (1. Halbfinale):
Israel gewann erst 2018 mit der feministischen und leicht schrägen Netta – das Potenzial hat Eden Alene zwar nicht, aber zumindest einen starken Track mit den passenden Brüchen und Wendungen. „Feker Libi“ wäre im letzten Jahr zwar noch etwas stärker gewesen, aber „Set Me Free“ ist auch ganz gut. Geht im Finale auf einen der letzten Plätze der ersten Hälfte.

22. Island; „10 Years“, Dađi Freyr (2. Halbfinale):
Wie es sich wohl anfühlt, wenn man 2020 als absoluter Favorit angetreten wäre, dann der Wettbewerb abgesagt wurde und man 2021 so stark liefern muss, um überhaupt Erwartungen halbwegs erfüllen zu können? Dieses harte Los hat der irrsinnig sympathische Dađi Freyr gezogen und sich wacker geschlagen. Wer „Think About Things“ immer noch nicht kennt, das selbst von Jan Böhmermann gepusht wurde, sollte das noch dringend nachholen – und im Anschluss „10 Years“ suchten und dafür abstimmen. Mega! Unser geteilter Favorit für den Sieg.

23. Italien; „Zitti e buoni“, Måneskin (bereits fürs Finale qualifiziert):
„Fai Rumore“ von Diodato war 2020 der klare Spitzenreiter unter den Balladen – und 2019 lief es bekanntlich mit „Soldi“ von Mahmood auch nicht schlecht. 2021 setzt Italien auf richtig derben und äußerst unerwarteten Hard Rock. „Zitti e buoni“ knallt ordentlich, aber hat inhaltlich einfach zu wenig zu bieten. Maximal Platz 18.

24. Litauen; „Discoteque“, The Roop (1. Halbfinale):
Wir bleiben loyal. Bereits letztes Jahr wählten wir die durchgeknallte Coolness von The Roop auf Platz 1 – und wir tun es auch in dieser Saison. Die Gruppe startet im ersten Semifinale als Opening, was bedeutet, dass man nach wenigen Minuten die potenziellen Gewinner*innen schon gesehen hat. „Discoteque“ ist anders und nicht weniger gelungen. Die Message, einfach zuhause seine ganz persönliche kleine Disco aufzumachen und abzuspacken, kommt passender denn je. Vilnius 2022! Oder Reykjavik 2022, auch ok, da beide das erste Mal austragen dürften.

25. Lettland; „The Moon Is Rising“, Samanta Tīna (2. Halbfinale):
Wow, da braucht jemand Aufmerksamkeit. Der Pokal für den nervigsten Beitrag geht an Lettland und „The Moon Is Rising“. „Still Breathing“ von Samanta Tīna war schon gewagt, aber noch interessant, „The Moon Is Rising“ übertreibt maßlos und will nach Sekunden ausgestellt werden. Uff. Aber davon werden die Zuschauer*innen, die nur das Finale gucken, eh verschont…

26. Moldawien; „Sugar“, Natalia Gordienko (2. Halbfinale):
Natalia Gordienko hatte ebenfalls bereits 2020 die Ehre einen Song einreichen zu dürfen und war mit ihrer schwierigen Bombastballade „Prison“ ein Anwärter fürs Im-Semi-Stecken-Bleiben. Mit „Sugar“ geht es nun Richtung Nachtclub, der zwar aktuell zu hat, aber dann eben zuhause eröffnet wird. Arschwackel-Alarm. Nicht sensationell neuartig, dennoch ordentlich. Finale sollte machbar sein.

27. Nordmazedonien; „Here I Stand“, Vasil (1. Halbfinale):
Nordmazedonien setzt alles auf eine Karte und bietet mit Vasil, der letztes Jahr einen uninspirierten Pop-Tango im Gepäck hatte, nun eine Musicalballade a la Broadway. Große Gesten, viel Drama, epischer Aufbau, starke Gesangsleistung. Das ergreift eine*n oder nervt eine*n kolossal. Könnte im Finale für einen Überraschungsmoment sorgen und hat ebenfalls Dark Horse-Quality!

28. Malta; „Je Me Casse“, Destiny (1. Halbfinale):
Destiny aus Malta ist ebenfalls aus dem Vorjahr bekannt und hatte dort mit „All Of My Life“ schon einen starken, modernen Pop-Track. „Je Me Casse“ setzt nicht so stark auf Melodie im Gesang, sondern auf eine extrem catchige Balkan-Bläserhook, die an „We No Speak Americano“ erinnert. Mit der richtigen Inszenierung geht das nicht leicht zu durchschauende Package weit nach vorne und wird auch laut Wettbüros aktuell gern als Sieger*in gehandelt. Falls ja, wäre es der erste Sieg fürs Land. Eventuell etwas overrated, aber Top 10 ist völlig berechtigt.

29. Niederlande; „Birth Of A New Age“, Jeangu Macrooy (bereits fürs Finale qualifiziert):
Die Niederlande sind als Gastgeberland ebenfalls für etwas gut, womit man erstmal nicht rechnet. Jeangu Macrooy hat seinen Ursprung in Südamerika, klingt aber häufig etwas afrikanisch. Hat sein „Grow“ im letzten Jahr zwar wirklich gegrowt, war jedoch dann zu Ende, als es eigentlich erst losging, macht „Birth Of A New Age“ mit seinem Bongobeat und Gospelgesang viel mehr richtig und verleiht dem Wettbewerb nochmal eine andere musikalische Note. Das wird zwar nicht viele erreichen, aber schön ist’s trotzdem.

30. Norwegen; „Fallen Angel“, TIX (1. Halbfinale):
Wer häufiger was von uns liest, weiß, dass wir große KEiiNO-Fans sind, die 2019 den absoluten Publikumsliebling geliefert haben. Auch dieses Jahr wollten sie für Norwegen auftreten, mussten sich aber am Ende gegen TIX geschlagen geben. Der liefert eine völlig klischeebeladene 0815-Popballade. Da wundert es wirklich, dass er an „Sweet But Psycho“ von Ava Max mitschrieb und im letzten Jahr der meistgestreamte Künstler des Landes war… why that!? Kommt ins Finale, aber landet dann maximal auf Platz 15.

31. Polen; „The Ride“, Rafał (2. Halbfinale):
2020 wählte Polen einen Bond-liken, mystischen Popsong, 2021 schicken sie den meistgehassten Künstler ihrer Nation. Ist das schwarzer Humor? „The Ride“ erinnert ein wenig an David Hasselhoff, springt ebenfalls auf den beliebten 80s-Pop-Zug auf und ist nett. Finale? Wahrscheinlich nicht.

32. Portugal; „Love Is On My Side“, The Black Mamba (2. Halbfinale):
Dänemark kehrt back to the roots und singt auf Dänisch, Portugal macht’s genau andersherum und schickt erstmalig einen komplett englischsprachigen Song. Interessante Stimmfarbe, ganz hübsche Melodie, aber auch zu unaufgeregt. Huscht etwas an einem vorbei. Das Ticket für den Samstagabend sollte aber möglich sein.

33. Rumänien; „Amnesia“, Roxen (1. Halbfinale):
Im Vorjahr hat Roxen mit „Alocohol You“ für die Gruselgänsehaut der Saison gesorgt und mit Abstand den unangenehmsten Song geliefert. „Amnesia“ ist besser, aber auch nicht ganz so viel. Hoffen wir einfach, dass es bei einmal hören bleibt, und zwar am Dienstag im 1. Semi.

34. Serbien; „Loco Loco“, Hurricane (2. Halbfinale):
Jaaaaa, das wollen wir doch! „Haste La Vista“ von Hurricane war schon nice, aber „Loco Loco“ dreht total auf. Sommerhitqualität at it’s best mit enorm hohen Suchtfaktor. Grandioser Latin-Pop auf Serbisch, Englisch und Spanisch – so muss das sein. Das steuert zwar nicht auf Pokal zu, aber bockt einfach. Guilty Pleasure!

35. Russland; „Russian Woman“, Manischa (1. Halbfinale):
Interessant. Bekanntlich hat Russland es aufgrund seiner fragwürdigen Politik bei einer derartigen Diversitätsshow wie dem Eurovision nicht ganz leicht. Umso erstaunlicher, dass Little Big, die letztes Jahr mit ihrem humoristischen ADHS-Song „Uno“ zu den Favorit*innen zählten, 2021 nicht antreten werden – stattdessen gibt es eine Frau, die auf Russisch rappt und bei ihren Landsmännern (ja, vor allen Dingen Männern) für Furore sorgt. Cool, aber Finale? Eher nicht.

36. Schweden; „Voices“, Tusse (1. Halbfinale):
Fans wissen, dass das Melodifestivalen – der schwedische Vorentscheid – oft schwerer zu gewinnen ist als das internationale Finale. Auch in dieser Saison gab es eine gute Hand voll sehr starker Tracks. Entschieden haben sich die Schweden für den 19-jährigen Tusse, der die dortige Variante von „Deutschland sucht den Superstar“ gewann. „Voices“ ist nur leider mittelmäßiger Pop mit einem nervtötenden Refrain. Da hilft der gute Gesang auch nicht viel. Schade, dass Dotter („Little Tot“) oder Eric Saade („Every Minute“) es nicht geschafft haben, zwei Titel, die sich zu entdecken lohnen.

37. Slowenien; „Amen“, Ana Soklič (1. Halbfinale):
Hatten wir nicht schon „Amen“? Ja, aus Österreich, jedoch hat Slowenien das um Längen bessere. Ana Soklič macht den größten Sprung nach vorne von einem eher unangenehmen Track aus dem Vorjahr zu einer ergreifenden Powerballade in 2021. Mit der richtigen Gesangsperformance sollte das einige Jurys überzeugen. Gut.

38. San Marino; „Adrenalina“, Senhit & Flo Rida (2. Halbfinale):
Nein, ihr habt keinen Sehfehler. San Marino, das seit seiner ersten Teilnahme 2008 bisher zwei Mal nur im Finale mitwirken durfte, gönnt sich und hat den mittlerweile auch völlig ausgelutschten, aber bekannten Flo Rida eingekauft. „Adrenalina“ ist nicht wirklich außergewöhnlich, aber zumindest ganz nett. Damit sollte der dritte Eintritt in die Samstagabendshow gelingen – ob Flo Rida selbst mit auftritt, ist aktuell noch unklar.

39. Ukraine; „SCHUM“, Go_A (1. Halbfinale):
Zum Abschluss nochmal etwas zum Aufhorchen: Go_A kombinieren Techno mit dem in Osteuropa bekannten und beliebten weißen Gesang, Folkloreelementen und haut ganz schön raus. Das ist für deutsche Ohren zwar nicht alltagstauglich, aber für den Eurovision genau richtig. Durchgeknallt und anders und somit mit Sicherheit im Finale.

Fazit: Ein mittelprächtiges Eurovision-Jahr! Natürlich fehlt es den meisten Fans an Überraschungen, da einfach sehr viele Künstler*innen bereits letzte Runde am Start waren und man somit nur die Songs von 2020 mit 21 vergleicht. Trotzdem sind einige Hits dabei und ein paar Grower, jedoch wenige richtige Bretter.

Unsere Prognose für die Gewinner*innen des 1. Halbfinales: Aserbaidschan, Belgien, Zypern, Litauen, Nordmazedonien, Malta, Norwegen, Schweden, Slowenien, Ukraine
Unsere Prognose für die Gewinner*innen des 2. Halbfinales: Bulgarien, Schweiz, Tschechien, Dänemark, Finnland, Griechenland, Island, Moldawien, Serbien, San Marino

To be continued!

Den Sampler mit allen Songs kannst du hier kaufen.*

Hier nochmal der Siegertitel aus 2019:

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Die Rechte fürs Beitragsbild liegen bei EBU/Eurovision Song Contest.

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