Fickle Friends – Are We Gonna Be Alright?

Fickle Friends

Wie lange ist es bei euch her, dass ihr richtig unbekümmert Spaß hattet? Ganz ohne unangenehme Gedanken, die aus dem Hinterstübchen murmeln? Vermutlich geht es den meisten seit Anfang der – man möchte es ja am liebsten nie mehr schreiben, aber was soll’s – Pandemie nicht ganz so gut. Das können auch die Fickle Friends unterschreiben, die mit der schwierigen Lage nur schwer zurechtkamen, sich verloren fühlten. Sängerin Natassja Shiner fasst die Lösung, die das Quartett schließlich fand, zusammen: „Diese Platte zu machen, gab uns einen Sinn, aber wir hatten keine Ahnung, ob es am Ende noch jemanden interessieren würde. Mit diesem Gedanken im Hinterkopf dachten wir irgendwie, was soll’s… lasst uns einfach durchdrehen und die härtere Seite unserer Musik erkunden.“ Und die erscheint nun unter dem Namen „Are We Gonna Be Alright?“!

Das Äquivalent zum Sandsack

Wer die bisherige Musik der Band aus Brighton kennt, wird nun vielleicht die Stirn runzeln: Härtere Seite? Haben die Fickle Friends nicht mal lupenreinen Indie-Pop gemacht? Ja genau. Mit schwarzer Messe und finsterem Kreischen hat auch „Are We Gonna Be Alright“ wenig zu tun. Doch man versteht schon, was die Musiker*innen damit meinen, wenn der Opener „Love You To Death“ mit schön knirschenden Riffs auffährt, „Write Me A Song“ dem (guten) Pop-Rock der 00er Jahre fröhnt und „Won’t Hurt Myself“ nochmal die Saiten zum Glühen bringt. Dennoch behält die Platte eine sehr angenehme Dynamik bei, die die Discokugel beim chronologischen Hören ins Wirbeln bringt. Einzig „Yeah Yeah Yeah“ sticht dabei heraus, wenn der Sound gefährlich brodelt. Hit!

Die Pandemie in den Knochen

Die zweite Platte der Band erscheint nach einem Major-Ausflug fürs Debüt wieder beim Indie-Label Cooking Vinyl. Das spürt man den Stücken an, die trotz grandiosem Songwriting und poppiger Textur wenig mit Hochglanz zu tun haben. Dafür spricht die Experimentierfreudigkeit des Quartetts für sich: „Alone“ verbindet die Sehnsucht nach ausgelassenen Partys mit Hand-Claps und Chor-Wänden im Pre-Chorus, „Glow“ steckt Funk in den Knochen und Dua Lipa in der Bridge und Songs wie „Load On Your Mind“ positionieren Shiners Stimme im Alleingang vor dem musikalischen Wabern. Mit Stücken über echten persönlichen Austausch statt der permanenten Social-Media-Präsenz („IRL“) oder der Feststellung, dass gerade alles einfach schwierig ist („Not Okay“) geben Fickle Friends zwar hochaktuellen Themen Platz. Den Alt-Pop dieser Platte kann man aber dennoch zum hemmungslosen Feiern nutzen und einfach mal wieder Spaß haben. Ja, das geht!

„Are We Gonna Be Alright?“ fragt der Titel des zweiten Fickle-Friends-Albums und man spürt förmlich, dass die vier Brit*innen die Antwort auch nicht wissen. Aber eins ist klar: Mit Alben wie diesem kann man die Außenwelt wenigstens für ein paar Minuten ausblenden.

Das Album „Are We Gonna Be Alright“ kannst du hier (Vinyl) und hier (digital) kaufen.*

Und so hört sich das an:

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Rechte am Albumcover liegen bei Cooking Vinyl.

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