Julien Baker – Little Oblivions

Review: Julien Baker veröffentlicht mit "Little Oblivions" ihr Magnum Opus – zumindest in den Augen von Autor Jonas.

Konnte „Turn Out The Lights“ noch als „überladen-reduziert“ umschrieben werden, aber blieb dem reduzierten Soundbild treu, so hängt Julien Baker mit „Little Oblivions“ nun endgültig den Songwriter-Perso an den Haken und meldet auf „Bandproduktion“ um.

Natürlich war „Turn Out The Lights“ kein schlechtes Album. Den Lofi-Charme des Debüts ertränkte das zweite Album der Musikerin aus dem US-Bundesstaat Tennessee aber dennoch im Pomp. Zu breit waren die Streicher, die im Mix mit Bakers angekratzter Stimme kuschelten, zu reduziert die Songideen, um von den kleinen Kniffen der Produktion zu profitieren. „Little Oblivions“ setzt der Songwriter-Vergangenheit der 25-Jährigen nun ein Ende. Über 43 Minuten und 12 Songs verfünffacht Baker die Anzahl der Dinge, die gleichzeitig geschehen und erweckt in dem Zuge immer häufiger den Eindruck weniger Solo-Künstlerin als Band zu sein.

Das Fundament für Bakers dritten Solo-Trip bilden trotz alldem neben den von religiösen Bildern durchzogenen Texten noch immer die niedlichen Gitarren-Arpeggios und warmen Klavierchords, die die Frühphase ihrer Karriere kennzeichneten. Diese jedoch rückt „Little Oblivions“ in einen größeren Kontext. Im majestätischen „Crying Wolf“ zum Beispiel gesellen sich zu dem breit im Mix stehenden Piano erst kühle Synths, dann eine Solo-Gitarre – ja, richtig gelesen! Oft sind es zudem kleine Percussion-Loops, auf die Baker und Engineer Calvin Lauber Saiten- und Tasteninstrumente schichten. „Relative Fiction“ etwa lässt nach knapp drei Minuten kaum noch erahnen, dass an aller Anfang zunächst ein Drum-Motiv und eine Melodiegitarre standen.

Noch größer denken Stücke wie der mit elektrisierenden Soundwellen um sich werfende Eröffnungssong „Hardline“ oder die lässige Boxkampf-Metapher „Ringside“. Mit derart kraftvollen Schlagzeug-Parts und detailreichen Produktionen könnte Baker sich nicht weiter vom ursprünglich so minimalistischen Kammer-Indie entfernen. „Bloodshot“ und „Favor“ zudem schielen dank ihrer kühlen Gitarren und pulsierenden Beats in Richtung der Nische, die The National mit ihrem melancholischen Indie-Rock füllen. Dieser bis ins kleinste Detail ausgearbeitete Sound aber steht Baker deutlich besser als der Kompromiss, den der Vorgänger darstellte. Doch so mancher Schritt ist eben notwendig, um den Weg von A nach B beschreiten zu können. Trotzdem: Julien Bakers wirkliches Magnum Opus erblickt erst vier Jahre später das Licht der Welt. Es hört auf den Namen „Little Oblivions“.

Das Album kannst du dir hier (Vinyl) und hier (digital) kaufen.*

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Die Rechte für das Albumcover liegen bei Matador Records.

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