Keane – Cause And Effect

Und so schnell ziehen sieben Jahre ins Land: so lange waren die vier Engländer von Keane nämlich weg. Dabei muss es so einige Leute geben, die sie wirklich vermisst haben. Als vor 15 Jahren das Debüt „Hopes and Fears“ erschien, scheint jeder auf genau diese Art von Musik gewartet zu haben. Die Platte geht über 5 Millionen Mal über die Ladentische und sackt in der Heimat UK 9-fach-Platin ein. Dieser Erfolg konnte bis heute zwar nicht wiederholt werden, aber immerhin schafften auch die drei Nachfolger alle in Großbritannien die 1 und auch bei uns reichte es stets für die Top 10.

Eine kreative Pause schadet bekanntlich trotzdem nicht. Die nutzte Sänger Tom Chaplin beispielsweise für ein Soloalbum, das auch gute Beachtung geschenkt bekam und eine unkonventionelle Weihnachtsplatte. Zuhause ist aber wohl immer noch am schönsten – so gibt es also 2019 von Tom & Co. die erste Keane-Platte seit 2012, sehen wir von der ein Jahr später erschienenen „The Best Of“ ab.

„Cause and Effect“ liefert eine Dreiviertelstunde lang gewohnte Kost. Das gleich vorneweg. Die Frage ist nun allerdings, wie gut oder schlecht das ist. Als Fan, der jede Schaffensphase verfolgt hat, wird auch auf den elf neuen Songs schnell hörbar, wofür Keane einst erfolgreich wurden. Zeitlich kommt die Platte ein paar Wochen zu früh, handelt es sich doch größtenteils um Herbstmusik, die die passende Untermalung zum anstehenden Laubfall darstellt (oder doch den Brexit?). Im Vergleich zum viel zu guten Erstling „Hopes and Fears“ wird häufiger die Temposchraube angezogen, sodass akustisch eine Kreuzung aus The Killers– und frühen Coldplay-Stücken entsteht. Schlecht hingegen ist die dann doch gehäuft fehlende Melancholie, die den Funken früher zum Überspringen brachte.

Das fünfte Keane-Album ist selbstverständlich keine Ansammlung von schlechten Liedern. „Schlecht“ können die Jungs eh nicht. Nur fehlt es diesmal überraschend oft an wirklich zündenden Momenten. „You’re Not Home“ liefert ein ergreifendes Intro mit gekonntem Spannungsaufbau und bleibt dann ein wenig stecken. „Love Too Much“ hat einen Keane-typischen Refrain und bekommt das Gütesigel „Ganz nett“ – und wäre leider auf früheren Werken einer der Füller gewesen. Bei dem ruhigen, piano-lastigen „Strange Room“ kommt dann doch die gesuchte Schönheit hervor und zeigt, wie verzückend Indie-Britpop auch 2019 noch sein kann. Das klare Highlight! Ähnlich gelungen klingt „Thread“ und präsentiert einen einhüllenden Streicherteppich mit Chören. Währenddessen drücken wir bei „I’m Not Leaving“ besser die Skip-Taste – Falsett in viel zu vielen Wiederholungen.

Da war mehr zu holen! Böse Zungen würden „Cause and Effect“ vorwerfen es wäre langweilig. Irgendwo ist es das leider auch und andererseits doch wieder nicht. Stattdessen trifft es das Wort „uninspiriert“ besser. Tom und seine Männer bringen elf angenehme Stücke ans Publikum, die die entstandene Lücke der letzten Jahre schließen können, aber trotzdem dazu anregen, die alten Longplayer hervorzukramen. War das so gewollt?

Und so hört sich das an:

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https://www.youtube.com/watch?v=VM5_w4hNlbs

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