LEA – Fluss

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Knapp vier Jahre ist es her, dass LEA mit den Zeilen: „Und alle meine Freunde finden, dass ich leiser bin. Dass ich leiser bin, leiser seit ich bei dir bin. Alle meine Freunde fragen, ob ich glücklich bin. Weil ich leiser bin, leiser seit ich bei dir bin“ die Charts eroberte. Seitdem ist die Sängerin aus Kassel nicht mehr aus der deutschen Musikwelt wegzudenken und schafft es immer wieder ihre Songs zu Hits zu verwandeln. Erst vergangenes Jahr erschien ihr drittes Album „Treppenhaus“, das im Gegensatz zum Vorgänger etwas schwächelte und doch großartige Hits wie „Kaputt“ oder „110“ enthielt. Mit „Fluss“ veröffentlicht LEA nun ihr viertes Studioalbum – mit der altbekannten Herzschmerz-Manier.

Vierzehn neue Song beinhaltet „Fluss“ und reiht sich nahtlos an den Vorgänger an. LEA ist bekannt für ihre zarte Stimme, die unheimlich einfühlsam und intensiv daherkommt. Sie vermag es immer wieder einen sehr nahbaren und ehrlichen Bezug zu schaffen und haucht den Wörtern Leben ein. Der Opener „Fluss“ kommt dahingehend sehr melodisch daher und bietet eben genau das, was LEA gut kann: Harmonische Balladen, die gleichzeitig erfrischend, aber auch etwas getragen daherkommen.

Thematisch dreht sich auf dem Album erneut alles um Liebe, Herzschmerz, Trennung und noch mehr Herzschmerz. Auf Tracks wie „Küsse wie Gift“ wirkt das catchy, mitreißend und man fiebert mit. Lieder, wie „Sommer“ zeigen aber genau das Problem auf, das sich auch auf „Treppenhaus“ bereits angedeutet hat. LEA hat ihren eigenen Stil, der super zu ihrer Stimme passt und auch zu Lyrics, die tiefgründig sind. „Kaputt“ ist da ein bemerkenswert gutes Beispiel. Das große aber: Irgendwann wird es eintönig. Thematisch ist alles unglaublich traurig und sentimental, gepaart mit einer ordentlichen Portion Melancholie. Songs wie „Wenn du mich lässt“ oder „Sag nicht sorry“ versinken im Einheitsbrei – und ja, irgendwann nervt leider auch diese triste Traurigkeit, das Sanfte und Nachdenkliche. Wenn Lea in „Sag nicht sorry“ singt: „Vor dem Fenster wird es Sommer. Doch neben dir fange ich an zu frieren“, denkt man automatisch an „Es ist Mitte Juni, doch mir ist unendlich kalt“ aus „Leiser“.

Bereits in der Vergangenheit hat LEA auf starke Duette gesetzt und auch die Features auf „Fluss“ können sich sehen lassen. Verhalf auf „Treppenhaus“ Capital Bra noch zu den großen Charterfolgen, sitzen dieses Mal Casper, Newcomerin LUNA und Antje Schomaker mit im Boot. Gerade LUNA, die einen enormen Erfolg durch die Plattform TikTok feiern durfte, trägt bei „Küsse wie Gift“ zu einem gelungenen Duett bei. Obwohl ihre Stimme noch nicht auf dem Niveau einer LEA ist, gibt sie dem Track eine sehr erfrischende Note. Ganz anders wirkt das bei „Schwarz“, wo LEAs sanfte Töne auf die deutlich dunklere Stimmfarbe von Casper treffen. Und genau da sitzt das Problem: Stimmlich harmonieren die beiden so gar nicht miteinander. Die Rap-Parts von Casper wirken dahingehend absolut belanglos.

Ein bisschen mehr Drive erhalten Songs wie „Gewitter“ oder „4-Zimmer-Wohnung“, die einmal mehr LEAs Können aufzeigen. Gerade die Kombination aus ihrer Stimme gepaart mit Up-Beat-Tönen entfaltet ihre ganz eigene Wirkung. Herzstück des Albums ist der schöne Track „Dicke Socken“. Hier vereint sich im Grunde genau das, wofür LEA steht: Ehrliche Lyrics, mit denen man sich identifizieren kann, die Gänsehaut-Momente mit sich bringen und grandios klingen. Auch thematisch lockert der Song das Schema des Albums etwas auf: eine Hommage an ihre Eltern.

Vier Alben hat LEA bisher veröffentlicht – und sie alle waren unglaublich erfolgreich. Auch „Fluss“ ist kein schlechtes Album – zeichnet aber ab, was sich zuvor bereits angedeutet hat. LEA hat ihren Stil und von dem ist sie bisher nicht wirklich abgewichen. Die Songs ähneln sich oftmals zu sehr, es fehlt an Power und auch an Wandelbarkeit. Gerade das thematische Konzept des Albums funktioniert leider nicht mehr so, wie es das bei „Zwischen Meinen Zeilen“ getan hat. LEA besitzt ein unglaubliches Talent und kann wunderbar mit Wörtern spielen – auf „Fluss“ geht das oftmals unter. Und dennoch beweisen Lieder, wie „Dicke Socken“ eben genau dieses Talent.

Das Album „Fluss“ kannst du hier kaufen.

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