Maxim – Grüne Papageien

Cover von Maxims Album "Grüne Papageien".

„Muss ich erst auf die harte Tour lernen wie man loslässt/ Weil ich allmählich glaube, dass ich das gar nicht kann /Und so komm ich doch nie irgendwo an“

Vom Reggae zum Pop, zu nachdenklichen, teils sehr düsteren Texten. Wenn man in der Öffentlichkeit über Sänger Maxim redet, dann nicken die meisten ganz begeistert und geben Sätze von sich wie „Ach ja, das ist doch der Sänger von „Meine Soldaten“, oder?“ Ja, richtig. Aber halt nicht nur! Bereits im Jahr 2005 veröffentliche Maxim Richarz sein erstes Studioalbum, auf dem der Sänger Reggeasongs präsentierte. Spätestens mit dem 2011 erschienenen „Asphalt“ wurde dann der Stilwechsel zum Pop deutlicher. Und ja, im Jahr 2013 folgte Maxims bisher „größter“ Hit „Meine Soldaten“. Dieser ist aber durchaus ernster und tiefgründiger, als man bei dem Hype darum meinen mag. Auch das im gleichen Jahr erschienene Album „Staub“ fand großen Anklang. Ein bisschen düster, elektronischer und nachdenklicher kam das im Jahr 2016 erschienene „Das Bisschen Was Wir Sind“ heraus, dem leider nicht der gleiche Erfolg wie dem Vorgänger gegönnt war. Nach einer dreijährigen Schaffenspause ist Maxim nun mit seinem sechsten Studioalbum „Grüne Papageien“ zurück und schafft eine Leichtigkeit, die bisher auf keinem seiner Alben da gewesen ist.

Es ist die Atmosphäre, mit der Maxim begeistert und gleichzeitig in den Bann zieht. Bereits der Opener „Wie man loslässt“ ist wunderbar melancholisch und textlich auf den Punkt gebracht. In gewohnter Manier kombiniert Maxim wohlklingende Melodien mit nachdenklichen, aber sehr ehrlichen Lyrics. Im Vordergrund steht das Thema „Loslassen“, das sich durch die zehn Tracks des Albums durchzieht. Maxim schafft es immer wieder aufs Neue, seine Hörer in den Bann zu ziehen und in seine Gedankenwelt zu entführen. So auch bei „Alter Freund“. Auf höchstem Grad ehrlich erzählt Maxim von der Aussprache mit sich selber, verschönert nichts und bringt die Tatsachen auf den Punkt.

Brillant ist dabei vor allem seine Fähigkeit mit den Wörtern zu spielen. Seine Texte sind durchweg authentisch, ja nahezu mitreißend. Maxim erzählt – und das ohne verschnörkelte Satzkonstruktionen oder sinnentleerte Sätze oder gar Floskeln. Hinzu kommt Maxims Stimme, die immer etwas rau und trocken daher kommt, dennoch aber Emotionen und unheimlich viel Wäme auszudrücken vermag. Dies in Kombination zu den großartigen Melodien auf dem Album schafft die Symbiose super produzierter und wahnsinnig guter Songs. Die Tatsache, dass Maxim und sein Team das Album erstmals vollkommen selbst produziert haben, verdeutlicht noch einmal mehr die Qualität der Stücke. Kreativität wird bei Maxim großgeschrieben und das hört man!

Auffällig auf Maxims sechsten Studioalbum sind Songs, wie „Folie/Föhn“ oder der Song „Grüne Papageien“. Diese ziehen eine gewisse Leichtigkeit und Fröhlichkeit mit sich, die man vor allem auf dem Vorgänger-Album nicht auffinden konnte. Überraschenderweise passt dieser Bruch zu den nachdenklicheren Songs sehr gut, macht das Album runder und schafft eine gelungene Abwechslung. Gerade „Grüne Papageien“ hebt sich dabei ab und entführt in eine Gedankenwelt, die wohl mit keinen besseren Bildern hätte erzählt werden können.

Der wohl traurigste, aber auch zugleich beste Song des Albums ist „Asche von Claude“. Einen Song, den Maxim über seinen Großvater geschrieben hat, der als Missbrauchstäter vielerlei Traumata in seiner Familie hinterlassen hat. Einen solchen Text zu schreiben erfordert verdammt viel Mut und mehr Ehrlichkeit, als man selber als Schreiber wahrscheinlich ertragen kann. Maxim aber schafft ein Lied von einer Intensität, die es selten in der Musik gibt. So tiefgründig und schmerzvoll, ehrlich und reflektiert. Chapeau Maxim und danke, dass du solch schmerzvolle Gedanken mit deinen Hörern teilst!

Mit „Wohin ich gehör“ kreiert der Sänger schlussendlich noch einen Abschluss des Albums, der passender nicht hätte sein können. Es wirkt so, als hätte Maxim Frieden mit dem im Song „Wie man loslässt“ thematisierten Loslassen gefunden und als wäre er angekommen. Angekommen scheint er auch wieder in seiner Materie, der Musik, zu sein, was „Grüne Papageien“ eindrucksvoll beweist. Noch immer brilliert Maxim mit nachdenklichen Texten und sticht unter all den Singer-Songwritern in so viele Dingen heraus. Dies beweisen auch die fröhlicheren Songs, die eine so erfrischende Leichtigkeit mit sich ziehen und bei Maxim bisher selten da gewesen sind. Er lässt Glücksmomente zu und das steht sowohl ihm als auch seinen Songs sehr gut. Gerade die Mischung machts, weswegen „Grüne Papageien“ von vorne bis hinten ein rundes Gesamtwerk mit vielen Überraschungen, traurigen und glücklichen Momenten ist. Was möchte man mehr?

Das Album “Grüne Papageien” kannst du hier kaufen.*

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