Mia Morgan – Fleisch

„Hallo, ich bin Mia Morgan aus dem Internet“ – so oder so ähnlich begrüßte Mia Morgan ihre Fans bei vielen ihrer (Support-)Shows. Dass sie mittlerweile aber eindeutig nicht mehr „nur“ Mia Morgan aus dem Internet ist, zeigt ihr musikalischer Erfolg. Nach ihrer ersten EP „Gruftpop“ folgt nun endlich das Debütalbum mitsamt erster eigener Headliner-Tour. „Fleisch“ ist dabei die konsequente Weiterentwicklung des Narrativs, dass die Künstlerin auch schon auf „Gruftpop“ zeichnete: Eine Coming-Of-Age-Geschichte über das Jungsein, Frausein, Anderssein – oder alles gleichzeitig – über Liebe und Eifersucht und alles dazwischen.

Das beste Beispiel dafür sind Songs wie „Teenager“ oder „Segen“. Ersterer erzählt, untermalt von einer leicht nervigen Hook, davon, wie sich die Uncoolness aus der Jugend- und Schulzeit bis darüber hinaus zieht und einen immer wieder einholt. Menschen, die Sätze wie „Die Schulzeit ist die beste Zeit deines Lebens“ unironisch von sich geben, werden die Message wohl nicht verstehen – alle anderen Leidensgenoss*innen hoffentlich schon. „Segen“ kann ebenso als eine Art Abrechnung verstanden werden, wenn auch auf eine andere Art und Weise: Die eigene Weiblichkeit wird als Fluch und Segen gleichzeitig verstanden und spricht so sicherlich vielen Frauen* aus der Seele, die sich permanent in diesem Widerspruch befinden.

So weit das Themenspektrum der Platte auch gefächert sein mag, so haben die Inhalte aller Texte doch eines gemeinsam: Sie treffen der Nerv der Zeit, den Nerv einer Generation, einer Subkultur. Egal ob es um Schönheitswahn wie auf „Schönere Frauen“, um toxische Freundschaften und Vergleiche wie auf „Fleisch“ oder „Blond“, Eifersucht wie auf „In Wien“ oder eine innere Zerrissenheit wie auf „Jennifer Check“ geht – Mia Morgans Songs sind sicherlich für fast alle, die sich irgendwo zwischen Millennial und Gen Z befinden mehr als „relatable“.

Der Sound mit dem diese Messages transportiert werden, ist zwar auf eine gewisse Art poppiger als noch auf „Gruftpop“, geht aber auch deutlich mehr nach vorne, holt mehr Gitarrensounds ins Boot und wirkt generell stringenter. Die Sängerin hat mit ihrem Subgenre definitiv ihren ganz eigenen Sound erschaffen, der gemeinsam mit ihrer Stimme einen extrem hohen Wiedererkennungswert hat. Sich wiederholende Motive, Synthies, 80er-Sound und eingängige Melodien erschaffen eine eigene Ästhetik, die die Musik von Mia Morgan ausmacht und die teils düsteren Texte voller Metaphern kaum besser unterstreichen könnte.

Die Produktion durch Max Rieger hat dem Sound von Mia Morgan definitiv gut getan und ihn nach ihrer Debüt-EP nochmal auf ein neues Level gehoben. Die düstere aber dennoch poppige und eingängige, an vielen Stellen elektronische und wie ein Indie-Schlager (im positivsten Sinne) anmutende Musik gepaart mit ehrlichen, feministischen, teils lustigen, aber letztendlich doch ernsthaften Texten ist genau das, was die deutsche Musiklandschaft jetzt gebraucht hat. Wir dürfen gespannt, wie sich die Songs im neuen Gewand live anhören, wenn es mal wieder heißt: „Ich bin Mia Morgan aus dem Internet“.

Und so hört sich das an:

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Die Bildrechte für das Albumcover liegen bei Eklat Tonträger.

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