NCT 2021 – Universe (The 3rd Album)

NCT 2021 Universe Album_Jewel Case SM Entertainment

Das Konzept keiner anderen Band lässt sich wohl so schwer erklären wie das der koreanischen Pop-Band NCT. Ähnlich wie bei einem Kader im Sport handelt es sich bei NCT um eine Gruppe von aktuell 23 (!) Bandmitgliedern, aus denen je nach Genre und Anforderungen des jeweiligen Songs eine andere NCT-Unit (NCT U) zusammengestellt wird. Aus dem Pool aller NCT Mitglieder setzen sich also immer wieder neu konzipierte Unterbands zusammen, die für den jeweiligen Song zusammenarbeiten. Zusätzlich wurden einige der 23 Künstler aber auch in eine richtige Band gesteckt, bei denen das Team dauerhaft bestehen bleibt: NCT 127 waren 2017 die erste beständige Formation, kurz darauf bildeten die jüngsten NCT-Mitglieder NCT Dream, bevor 2019 mit WayV eine Band entstand, die sich mit ihrer Musik auf den chinesischen Markt konzentriert. Weitere Untergruppen – eine japanische und eine amerikanische NCT Unit – sowie zusätzliche Mitglieder, sollen folgen.

Hat man das Konzept von NCT so einigermaßen verstanden, ergibt sich auch direkt das Besondere am neuen Album „Universe“ : erst zum dritten Mal seit ihrer Gründung 2016 waren hier nämlich (fast) alle aktuellen NCT-Mitglieder beteiligt. (Anmerkung: Die beiden WayV-Mitglieder Lucas und WinWin fehlen bei diesem Projekt.) Für die insgesamt dreizehn Songs konnten dadurch ganz neue Konstellationen und Interaktionen der Mitglieder untereinander entstehen. Ein solches Album hatte es bislang nur im Vorjahr ( „Resonance“ ) und 2018 ( „Empathy“ ) gegeben.

Universe“ startet mit einer ungewohnt kleinen NCT Unit: für „New Axis“ , einem einschlägigen Hip-Hop-Track, wurden die jeweiligen Hauptrapper von NCT 127, NCT Dream und WayV zu einem gemeinsamen Rap-Trio zusammengepackt. Auf lautem Bass und mit einem mystischen Chor-Sample liefern Taeyong, Mark und Yangyang den wohl kraftvollsten Rap-Track des Albums, der lyrisch vor allem klarmachen soll, dass NCT mit ihrer neuen Platte und den dazugehörigen Skills die Messlatte für andere K-Pop Bands ganz noch oben legen. Ebenso laut und einschlägig folgt die vorab veröffentlichte Leadsingle „Universe (Let’s Play Ball)“ , an der vor allem die jüngeren NCT Mitglieder beteiligt waren. Um mal ein Beispiel für die neuen Interaktionen innerhalb dieser Untergruppe zu geben: für „Universe (Let’s Play Ball)“ würfelte man zwei Mitglieder von NCT 127 (Doyoung & Jungwoo) zusammen zwei Mitgliedern von NCT Dream (Jeno & Jaemin). Zwei Member (Haechan & Mark) sind beide sowohl Teil von NCT 127, als auch von NCT Dream. Hinzu kommen zwei WayV Mitglieder (Xiaojun & Yangyang), sowie der japanischen Ausnahmetänzer Shotaro, der NCT erst im vergangenen Jahr beitrat und aktuell noch keiner festen Band zugeordnet ist. Die gemeinsame Single der neun Sänger vereint schnelle Rap-Elemente mit einem poppigen, englischsprachigen Refrain. Seit seinem Release Anfang Dezember erreichte das dazugehörige Musikvideo knapp 43 Millionen Aufrufe. Dröhnend bleibt es auch bei „Earthquake“ – einem neuen NCT 127 Song, dessen Beat teilweise so laut abgemischt ist, dass die Stimmen der einzelnen Mitglieder kaum zu verstehen sind. Dennoch ist der Track ein Ohrwurm, der das Gefühl eines drastischen Neustarts mit einem erschütternden Erdbeben gleichsetzt.

Nach den drei Rap-Tracks bewegt sich das Album mit seinen nächsten Songs eher im R&B-Genre. Als Fan-Favorit hat sich hierbei „OK!“ entpuppt, das zunächst von einem Lachen und kecken Part des WayV-Stars Ten eröffnet wird. Im Laufe des Songs steuert schließlich jedes beteiligte Mitglied einmal die gleiche Zeile bei: „My baby says she wanna dance with a ghost. She wants to leave me, uh?“ – für viele Fans der wohl eingängigste Part des gesamten Albums. Müsste man den neuen NCT Track „Birthday Party“ mit einem anderen Song des Genres vergleichen, so wäre es laut einiger Fans auf twitter wohl „Anaconda“ von Nicki Minaj – durchgeknallt, irgendwie unmelodisch, aber dennoch ein Hit – inklusive einer abgedrehten „WOW“ – Passage von NCT Dream Member Jaemin. Etwas ruhiger wirken hingegen Songs wie „Round&Round“ oder der NCT Dream Track „Dreaming“ , der spannenderweise sogar ein wenig in Richtung House geht. Dabei wäre eigentlich eher das süße und leicht verspielte „Vroom“ musikalisch ein typischer NCT Dream Song gewesen. Vermutlich waren genau deshalb auch mehrere Dream-Mitglieder an genau diesem Song beteiligt. „Miracle“ , der Unit-Song von WayV, ist dieses Mal komplett auf Englisch und fühlt sich unter anderem deshalb nicht wie ein richtiger WayV Song an. Hinzu kommt, dass zwei der Mitglieder aus verschiedenen Gründen weder an „Miracle“ noch an dem gesamten NCT-Album beteiligt waren.

Zum Ende des Albums wird es schließlich Balladen-lastig: „Sweet Dream“ und „Good Night“ sind keine schlechten Lieder, bilden aber auch keine Highlights der Platte. Obwohl die jeweils beteiligten Mitglieder mit ihren gesanglichen Leistungen absolut überzeugen können, passen die beiden Tracks hervorragend zu ihren schläfrigen Songtiteln. Ganz anders jedoch das Finale der Platte: „Beautiful“ , das als Single zum Release des Albums ebenfalls sein eigenes Musikvideo erhalten hat, ist wohl der mit Abstand schönste Song, den NCT bisher veröffentlicht haben. Nur hier waren alle NCT Mitglieder beteiligt. Einundzwanzig Stimmen, die sich zu einer gewaltigen Ballade zusammenfügen und eine wunderschöne Message vermitteln: „You’re the most important person in your life. So be yourself, be beautiful.“ Wer sich also einen Überblick über die einzelnen NCT-Mitglieder und ihre Stimmfarben verschaffen möchte, kann sich in jedem Fall das dazugehörige Musikvideo genauer ansehen.

Passend zum Konzept von NCT sind auch die neuen Songs ungewöhnlich und neuartig. Bei einigen Fans braucht es daher sicherlich mehrere Anläufe, um allen Songs etwas abgewinnen zu können. Trotz der Balladen am Ende wirkt „Universe“ als Album aber insgesamt vor allem sehr hektisch – nicht nur durch seine lauten und dröhnenden Beats, sondern auch wegen der zum Jahresende noch gehetzten Veröffentlichung. Die NCT-Fans hatten sich kaum vom NCT 127 Album „Favorite“ im Oktober erholt, da ging es bereits mit der Promophase für „Universe“ los. Dass auch die Bandmitglieder mal eine Pause gebrauchen könnten, scheint das Label dabei nicht zu stören – immerhin räumten alle NCT-Units mit ihren Veröffentlichungen in diesem Jahr gleich mehrere Preise und Rekorde ab. Ein klarer Beweggrund, schnell weiterzumachen, bevor diese Erfolge in Vergessenheit geraten.

In die soeben gestartete Winterzeit passt „Universe“ musikalisch daher nur bedingt. Wer lieber einige entspanntere Pop-Songs auflegen möchte, sollte eher zum Vorjahresalbum „Resonance“ greifen. Dennoch ist „Universe“ – wenn man ihm eine Chance gibt und sich von der Lautstärke nicht abschrecken lässt – kein schlechtes Album. Mit ihrem ungewöhnlichen Konzept und der Bandbreite an 21 außergewöhnlichen Stimmen bieten NCT auf jeden Fall ein musikalisches Erlebnis, das sich mit keiner anderen Band vergleichen lässt.

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