Remo Drive – A Portrait Of An Ugly Man

Cover von Remo Drives "A Portrait Of An Ugly Man".

Auf „A Portrait Of An Ugly Man“ spielen die Gebrüder Paulson aka Remo Drive staubtrockenen Indie-Rock. Der erinnert zeitweise an die jungen Arctic Monkeys. In ihren ruhigeren Momenten. Wilde Indie-Rock-Cleverness minus die Ungestümheit sozusagen. Der Platte selber merkt man trotz des vollen Bandkalenders – sie ist zwischen vielen Tourneen bereits die dritte Veröffentlichung binnen vier Jahren – keinerlei Abnutzungserscheinungen an.

Album Numero tres ist nämlich abgesehen von seiner immer gelassenen Ader auch der verspielten Arrangements wegen eine unterhaltsame Angelegenheit. Dieser jugendliche Hang zum Detail verbindet das Duo, das die Stücke im Keller des Elternhauses geschrieben und ebendort in Eigenregie aufgenommen hat, wiederum mit den Sheffielder Indie-Heroen um Alex Turner. Zumindest bevor sich diese vollends dem eigenen Groove hingaben.

Die Brüder Paulson – beide Anfang ihrer 20er-Jahre – jedoch bieten eine 40-minütige Indie-Entspannungskur mit hohem Gitarrenanteil. „If I’ve Ever Looked To Deep In Thought“ könnte mit seinen geschrammelten Akustik-Gitarren in dem Zuge auch Teil eines der Kill Bill-Soundtracks sein. „A Flower And A Weed“ wiederum stellt treibende Refrains neben die Strophen dominierende Stolper-Chords und „The Ugly Man Sings“ wummernde Bass-Lines neben tanzbare Refrains und kleinere Klavier-Intermezzos. Auf Wendungen verzichten Remo Drive dabei nie. „True Romance Lives“ beispielsweise arbeitet zunächst mit verträumten Strophen und hymnischen Refrains, kombiniert in der Bridge dann clevere Start-Stop-Dynamiken und Pull-On und -Off-Spielereien und überlässt die Rausschmeißer-Rolle zum Schluss einem Spieluhr-Klavier.

Mit dem teils recht stürmischen Indie-Punk der „frühen“ Remo Drive-Tage hat das häufig wenig am Hut. Fans, die das Duo zu den Zeiten des Debüts lieben lernten, stoßen jedoch zumindest in zwei Aspekten auf wohlbekanntes: Bei Sänger und Gitarrist Eriks kunstvollem, leicht Langeweile anmutenden Gesang und dem trockenen Humor der Geschwister. Schon die Song- sowie der Albumtitel legen nahe, dass die Paulsons nicht alles todernst meinen. Die heißen „The Night I Kidnapped Remo Drive“ oder auch „The Ugly Man Sings“. Das Plattencover ziert zudem passenderweise ein Acryl-Gemälde, das den Sänger abbildet. „A Portrait Of An Ugly Man“ eben. Das zugehörige Album reiht sich hinter der aktuellen The Strokes-Platte aus dem April in die Liste der tollsten Indie-Rock-Veröffentlichungen der jungen 2020er-Jahre ein. Empfehlung!

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Die Rechte für das Albumcover liegen bei Epitaph Records.

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