Varley – Smalltalk & DMCs

Varley

Endlich kann man wieder aus voller Inbrunst sagen: Indie lebt! Und zwar nicht nur in der Art, wie er Pop und Hip-Hop beeinflusst, sondern auch noch im klassischen Sinne mit analogen Instrumenten. An der Speerspitze stehen bei dieser neuen Welle aber keine weißen College-Dudes, sodern vor allem viele FLINTA. In der deutschen Musikszene gibt es bislang jedoch noch wenige Gallionsfiguren, da schaut man noch neidisch auf Größen wie Phoebe Bridgers oder Holly Humberstone herüber. Aber keine Sorge – die neuen local Heroes heißen Varley und bringen auf ihrem Debüt Indie in seinen schönsten Facetten zusammen.

Alle wichtigen Zutaten für guten Indie

Varley, das ist ein Berliner Trio, bestehend aus Claire-Ann, Joschka Bender und Matthias Heising. Am MIkrofon steht die gebürtige Dublinerin Claire-Ann, die früher vor allem für sich selbst musiziert hatte. Ihre beiden Bandkollegen nahmen ihr jedoch die Angst vor Auftritten und wer “Smalltalk & DMCs” hört, möchte den beiden dafür die Füße küssen. In 13 Songs schaffen Varley ein altbekanntes, aber ziemlich herausforderndes Kunststück: Sie packen viele neue Impulse der Szene zusammen und kleben fett einen Varley-Sticker drauf. Ihr eigener Charme entsteht dabei vor allem in dem handwerklich bemerkenswerten Sammelsurium aus Klangebenen und der Chamäleon-Stimme von Claire-Ann. Alleine der Opener “Calypso” bricht mit der Tradition eines ruhigen Ausdümpelns und dreht lieber die schönsten Synthies des Spätsommers auf, bei “Push Pull” treffen tanzbare Beats auf knackige Riffs und “Misery” kramt beschwingte Bläser aus dem Keller. Für das Debüt werden also alle Register gezogen – aber nicht nur rein klanglich.

Willkommen in 2021

…dem Jahr, in dem Haltung endgültig nicht mehr von der Kunst getrennt wird. Auch bei Varley gibt es deswegen nicht schnöden “Boy meets Girl”-Kram wie in den früheren Epochen des Indie, sondern jede Menge wichtige und schöne Thesen. “Pressure” tacklet in zartem Indie-Pop sozialen Druck und entwickelt sich zum Empowerment-Moment des Albums, “Married with Bruises” swingt mit Akustik-Gitarren aus den 50ern gegen altbackene Stereotypisierungen von Gender-Performance und “Feel it” packt die Tanzschuhe zu lupenreinen 80s-Synthies heraus und stampft gegen Gendernormen und für FLINTA auf. In anderen Momenten klingt das nach dem ruhigen Folk von Holly Humberstone (“Talk About It”), der Harmonie von Boygenius (“Bubble Up”) und dem wabernden Zerbrechen von Billie Eilish (“One Two Three”). Kurzum: Mit “Smalltalk & DMCs” bieten Varley für alle Anforderugen der Indie-Bubble die richtige Antwort. Den großen Bühnen sollte also nicht mehr viel im Wege stehen.

Das Album “Smalltalk & DCMs” kannst du hier kaufen.*

Und so hört sich das an:

Website  / Facebook  / Instagram / Twitter

Rechte am Albumcover liegen bei Ferryhouse.

* Affiliate-Link: Du unterstützt minutenmusik über deinen Einkauf. Der Artikel wird für dich dadurch nicht teurer.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.