Zahn – Zahn

Review: Zahn - Zahn

Bei einer Instrumental-Band mit dem Namen Zahn, dessen hochkarätige Besetzung sich wie eine Karies-verursachende Crème de la Crème des Noiserock liest, kann man auf eine Wurzelbehandlung (und Wortspiele) der besonderen Art hoffen – das experimentelle Endergebnis ist dann doch überraschend gediegen.

Schlagzeuger Nic Stockmann und Bassist Chris Breuer lassen neben Zahn ihre unbarmherzige Noise-Abrissbirne bei den Durchstartern Heads schwingen, während Gitarrist Felix Gebhardt bei der Industrial-Legende Einstürzende Neubauten den Hexenmeister am Keyboard gibt – zumindest live. Als würde das nicht reichen für ein schlagkräftiges Debüt, befinden sich noch unter anderen Alexander Hacke, ebenfalls von Einstürzende Neubauten und Peter Voigtmann von den Prog-Metallern The Ocean unter den Gästen.

Gleich der Opener „Zerrung“ erinnert durch die Integration von Melodien in ihren treibenden Lärm fast an Metz oder The Jesus Lizard und schraubt damit die Erwartungshaltung für den Rest der Platte denkbar hoch. Nachdem man bei „Pavian“ fast enttäuscht ist, dass entweder der Gesang fehlt oder Zahn ruhig noch etwas aggressiver bohren könnten – sodass es wehtut – biegen sie in „Tseudo“ mit zyklischer Rhythmik genau passend Richtung Kraut ab, um sich von dieser Erwartungshaltung so lösen. Auch das dröhnende Ambient-Geflatter in „Gyhum“ fällt aus dem Raster und „Schranck“ pendelt irgendwo zwischen Melvins-Sludge und Sleep-Stoner.

Richtig schön verstörend wird es dann noch im schlurfenden „Aykroyd“ mit schreiendem Saxofon und Free-Jazz-Anflügen, die an den Wahnsinn von Black Midi erinnern. Mit „Staub“ klingt das überraschend facettenreiche Debüt üppig aus und mutet fast schon zu kosmisch-harmonisch an, um Noise geschimpft zu werden.

Auf den teils sieben- bis achtminütigen Tracks gibt es zwischen den treibend-noisigen Songs besonders bei denen mit experimentellerer Prägung verdammt viel zu entdecken. Somit gelingt Zahn ein mehr als respektabler Einstand, der ihnen sicherlich die ein oder andere unterstützende Rolle als Einpeitscher für einen der oben genannten Acts einbringen wird – also sobald das Touren wieder losgeht und sofern sie dafür neben ihren Hauptbands überhaupt Zeit haben.

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Die Rechte für das Albumcover liegen bei Crazysane Records.

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