Leoniden, Vega Kopenhagen, 26.09.2019

Es ist immer wieder schön zu sehen, wenn grandiose Newcomerbands in Deutschland wachsen und stetig erfolgreicher werden. Auch die Leoniden aus Kiel haben sich mit ihrem poppigen Indie-Rock und ihrer ausgefallen Liveshow in den vergangenen Jahren einen Namen gemacht und sich dadurch in die Herzen der Musikfans gespielt. Dass aufstrebende Bands im Laufe ihrer Erfolgswelle auch Konzerte in den angrenzenden Nachbarländern geben, ist dabei nicht ungewöhnlich. Etwas überrascht waren wir trotzdem, als die Leoniden für diesen Herbst ausgerechnet in Dänemark zwei Headlinershows bekannt gaben. Vergangene Woche machten wir uns deshalb auf den Weg nach Skandinavien, um uns das Konzert am 26.09.2019 im Vega in Kopenhagen mal genauer anzusehen.

Doch wie kam es zu den eigenen Shows in Dänemark? Kennt man die Leoniden dort etwa schon? Nicht wirklich, verrät uns Sänger Jakob Amr vor der Show. Trotzdem wollten sie hier schon immer mal spielen – schließlich beträgt die Fahrtzeit von ihrer Heimat Kiel aus gerade einmal vier Stunden. Den Kontakt hatten sie schließlich im März geknüpft: „Wir haben vor ungefähr einem halben Jahr Go Go Berlin bei zwei Dänemark Shows supportet – ganz bewusst mit dem Blick darauf, hier eine eigene Show zu spielen“, erzählt Jakob und fügt begeistert hinzu: Das hat total gut geklappt – das Konzert heute ist zwar nicht ausverkauft, aber 150-160 Tickets sind auf jeden Fall im Vorfeld schon weggegangen!“

Die heutige Location, das Vega, besteht aus mehreren Räumen und die Leoniden spielen in der so genannten „Ideal Bar“ – einem kleinen Club mit ebenerdiger Bühne. Gleich fühlt man sich zurückversetzt zur ersten Leoniden Tour 2017, wo die Jungs mitunter im ähnlich aufgebauten Düsseldorfer Tube gespielt haben. Ob kleine Clubs oder riesige Hallen – für Jakob macht das keinen Unterschied: „In Deutschland ist es einfach mittlerweile (…) nur ein großes Feiern! Wir sind normalerweise die Band, die bis Vier zählt und durchdreht. Immer schon gewesen, egal ob Leute da waren oder nicht. Und egal ob die Leute Lust haben oder nicht. (…) Wir freuen uns, hier vor Leuten zu spielen, die uns noch nicht kennen und die vielleicht auch noch nicht genau wissen, wie sie uns finden. Es ist immer schön, wenn man Konzerte spielt und so eine Beziehung mit dem Publikum überhaupt erst aufbaut.“

Nachdem der dänische Singer-Songwriter he is tall. den Abend eröffnet hat, ist das Vega bereits sehr gut gefüllt und auch viele Fans aus Deutschland, die extra für die Show angereist sind, finden sich in der Menge wieder. Solch eine Hingabe findet Jakob super, denn er und seine Bandkollegen waren einst genauso: „Unser Gitarrist Lennart hat letztens erzählt, dass er The Mars Volta auf jede Deutschlandshow gefolgt ist – als 15/16-Jähriger, wo man eigentlich noch viel zu klein ist um alleine durch die Republik zu fahren.“ Sicherlich bietet die Euphorie der deutschen Fans außerdem eine gute Basis, um auch die dänischen Zuschauer sofort in Begeisterung zu versetzen. Gleich beim ersten Song „Colorless“ wird gesungen, getanzt und gesprungen – ein Bild, das bis zum Ende des 60-minütigen Sets anhält.

Die Leoniden spielen mit Songs wie „Why„, „1990“ oder „People“ die gängigen Hits ihrer beiden Alben und bedanken sich in englischen Ansagen für das zahlreiche Erscheinen. Gitarrist Lennart, der für seine ausgefallenen Moves auf der Bühne bekannt ist, wirbelt während der Songs gewohnt ausgelassen umher und schafft es trotz der kleinen Bühne, niemandem sein Instrument vor die Nase zu hauen. Auch Jakob zeigt sich gewohnt publikumsnah und unternimmt mehrere Ausflüge in den Zuschauerraum. Das Set endet mit einer emotionalen Klavierversion zu „Storm“ und eskaliert noch einmal so richtig durch die beiden Hits „Nevermind“ und „Sisters„. Vor dem Konzert prophezeit uns Jakob, dass die Leoniden an diesem Abend „mit mehr Freunden wieder nach Hause“ gehen würden, als sie hergekommen sind. Dies hat sich auf jeden Fall bewahrheitet, denn das Schönste an der Show in Kopenhagen ist, dass man das ganze Set über in glückliche Gesichter blickt. Lächelnde Zuschauer, wild tanzende Fans und auch einige Besucher in den ersten Reihen, die den Altersdurchschnitt ein wenig heben. Allen Anwesenden steht ins Gesicht geschrieben, dass die Musik der Leoniden sie an diesem Abend aus der Realität geführt und verzaubert hat.

Als nächstes geht es für die Leoniden auf große Deutschlandtour mit Zwischenstopps in Holland, der Schweiz, Österreich, Tschechien und Polen. „Es ist (…) die „Kids Will Unite“ Tour Teil 3 von 3, von daher wird es schon im Groben so bleiben, wie die bisherige Tour“, kündigt Jakob an. „Natürlich gibt es aber auch zwei/drei kleine Neuigkeiten und Überraschungen. Wird suuuper!“

Also sichert euch noch schnell eins der letzten verfügbaren Tickets um das Ende der „Kids Will Unite“ Era zu feiern:

Tickets für die Tour gibt es hier.*

So hört sich das an:

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Leoniden – Kids Will Unite Tour – 2019:

03.10.2019 – Nijmegen (NL), Merelyn (Ausverkauft)
04.10.2019 – Enschede (NL), Metropool
17.10.2019 – Düsseldorf, Zakk (Ausverkauft)
18.10.2019 – Marburg, KFZ (Ausverkauft)
19.10.2019 – Erfurt, HsD (Ausverkauft)
20.10.2019 – Mainz, KUZ (Ausverkauft)
22.10.2019 – Nürnberg, Hirsch
23.10.2019 – Ludwigsburg, Scala (Ausverkauft)
24.10.2019 – Schaffhausen (CH), Kammgarn
25.10.2019 – Aarau (CH), KIFF
26.10.2019 – Luzern (CH), Konzerthaus Schüür
28.10.2019 – Ingolstadt, Eventhalle Westpark
30.10.2019 – Graz (AT), Dom im Berg
01.11.2019 – Prag (CZ), Rock Café
02.11.2019 – Cottbus, Glad House
03.11.2019 – Braunschweig, Westand (Ausverkauft)
06.11.2019 – Kassel, 130Bpm
07.11.2019 – Zwickau, Alter Gasometer
08.11.2019 – Potsdam, Waschhaus
09.11.2019 – Lingen, Alter Schlachthof (Ausverkauft)
10.11.2019 – Rostock, Mau
29.11.2019 – Warszawa (PL), Hydrozagadka
13.12.2019 – Münster, Skaters Palace (Ausverkauft)
14.12.2019 – Kiel, Halle400 (Ausverkauft)

Foto von Yvonne/minutenmusik.

Transkription:

minutenmusik: Hallo, Jakob! Wie war die Fahrt? Ihr seid gefahren, oder?

Jakob: Ja, das ist ja der Gag des Jahrtausends! Wir spielen zwar das erste Mal eine eigene Show in Dänemark und im Ausland, aber trotzdem sind wir viel näher an Zuhause als bei 90% der Konzerte Nächste Woche sind wir zum Beispiel in den Niederlanden und dann spielen wir ein Konzert in Deutschland, das im südlichsten Baden-Würtemberg ist. Das ist schon irgendwie witzig! Aber nein, heute sind wir sind nicht lange gefahren. Aus Kiel waren es nur vier Stunden oder so. Voll entspannt.

minutenmusik: Das geht ja. Wie kam es denn überhaupt dazu, dass ihr auf einmal diese zwei Shows hier in Dänemark spielt?

Jakob: Die Frage hat tatsächlich mehrere Ebenen, die da mitschwingen. Einmal: warum erst jetzt? Wir hätten gern schon viel, viel früher hier gespielt und das auch mit der Perspektive, dass keiner kommt. Einfach weil es eine schöne Stadt ist, die nicht weit weg von Zuhause liegt. Lennart hat früher immer ganz schön gesagt, dass es in Kopenhagen genauso viele Leute mit Mützen und zu weiten Hosen gibt, die einfach Bock auf Indiemusik haben, genau wie bei uns auch. Wir haben vor ungefähr einem halben Jahr Go Go Berlin bei zwei Dänemark Shows supportet – ganz bewusst mit dem Blick darauf, hier eine eigene Show zu spielen. Das hat total gut geklappt – das Konzert heute ist zwar nicht ausverkauft, aber 150-160 Tickets sind auf jeden Fall im Vorfeld schon weggegangen! Das wird auf jeden Fall richtig geil.

minutenmusik: Erwartet ihr denn irgendetwas Bestimmtes von den Konzerten hier in Dänemark?

Jakob: Nein, wir haben keine Erwartungen und wollen das auch nicht so exotisieren. Wir freuen uns hier vor Leuten zu spielen, die uns noch nicht kennen und die vielleicht auch noch nicht genau wissen, wie sie uns finden. Es ist immer schön, wenn man Konzerte spielt und so eine Beziehung mit dem Publikum überhaupt erst aufbaut. Entweder man überzeugt sie… oder man verärgert sie. Ich glaube, wir gehen am Ende einfach mit mehr Freunden wieder nach Hause, als wir hergekommen sind.

minutenmusik: Apropos Freunde: habt ihr eure Supportbands für die Shows hier selbst ausgewählt?

Jakob: Nein, die Vorbands haben wir ganz bewusst von den Veranstaltern auswählen lassen. Es ist irgendwie blöd eine befreundete Band aus Deutschland hier mit her zuziehen, die noch keiner kennt. Bei den ersten Shows, die wir hier spielen, wollten wir, dass der Veranstalter einfach das tut, was er für richtig hält. Und wenn die beim nächsten Mal sagen „bringt eine eigene Band mit“ dann würden wir das auch so machen.

minutenmusik: Im Sommer habt ihr ja auch schon einige Festivals im Ausland gespielt, unter anderem in Polen und Tschechien. Wie war das so im Vergleich zu den deutschen Festivalshows?

Jakob: Richtig geil! Es gab aber keine größeren Unterschiede als bei den deutschen Festivals untereinander. Das waren zwar teilweise schon die Festivals, die in diesem Jahr am meisten besonders waren mit witzigen Sachen, die passiert sind, aber vor allem war es immer super geil.

minutenmusik: In Deutschland habt ihr euch ja schon eine ziemliche Fangemeinde erspielt und oft sieht man bei euren Konzerten immer wieder die gleichen Gesichter in der ersten Reihe. Vermisst ihr diese Leute bei Shows wie heute oder ist es auch mal schön, andere Gesichter zu sehen?

Jakob: Es ist auch schön, neue Gesichter zu sehen, aber es gibt bei uns nicht so die „ersten-zwei-Reihen“-Gruppe. Es gibt einfach so fünf, sechs, sieben Leute, die häufiger auftauchen, als andere, aber das finden wir richtig, richtig geil! Ich glaube, es gibt Bands, die davon irgendwie genervt sind oder so. Die finden das irgendwie weird oder denken, die Fans nehmen anderen den Platz weg oder irgendwie so. Aber wir können uns da einfach nur so krass hineinversetzen, weil wir selber auch mal genauso waren. Lennart hat letztens erzählt, dass er The Mars Volta auf jede Deutschlandshow gefolgt ist, als 15/16-Jähriger, wo man eigentlich noch viel zu klein ist um alleine durch die Republik zu fahren. Da hängt man halt in der ersten Reihe und feiert das. Die sind so nice, die haben auch eine eigene Instagram-Gruppe, die wirklich lustig ist. Die sind auch überhaupt nicht kreischig, sondern voll auf Augenhöhe. Einfach nette, witzige Leute.

minutenmusik: Die Hallen in Deutschland sind ja auch deutlich größer als der Club heute Abend. Spielt ihr liebe kleine Shows oder in den großen Hallen?

Jakob: Beides. Total beides! Wie gesagt, hier sind die Konzerte, bei denen sich noch so ein bisschen die Geschichte schreiben und entwickeln lässt. In Deutschland ist es einfach mittlerweile an vielen Stellen geilerweise einfach nur ein großes Feiern! Wir sind normalerweise die Band, die bis Vier zählt und durchdreht… immer schon gewesen, egal ob Leute da waren oder nicht, und egal ob die Leute Lust haben oder nicht. In Deutschland sind die Fans mittlerweile genau wie wir und das ist einfach geil. Das ist eine große, große Party. Bei Shows wie heute ist einfach noch keine Beziehung da. Wir müssen gucken, ob wir die aufbauen können.

minutenmusik: Als nächstes gehen für euch ja dann aber auch die Konzerte in Deutschland wieder los. Kann man von den Shows irgendetwas Neues oder Besonderes erwarten?

Jakob: Ich glaube es gibt immer jeden Abend irgendetwas, was sonst nicht passiert – gut oder schlecht. Es ist aber ja auch die „Kids Will Unite“ Tour Teil drei von drei, von daher wird es schon im Groben so bleiben, wie die bisherige Tour. Natürlich gibt es aber auch zwei/drei kleine Neuigkeiten und Überraschungen. Wird suuuper!

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