Provinz, Palladium Köln, 25.03.2024

Provinz Heimweg Tour Palladium Cologne minutenmusik

Als die aus der Nähe von Ravensburg stammende Band Provinz das letzte Mal im Kölner Palladium spielen sollte, stand der Abend unter keinem guten Stern: nach knapp der Hälfte aller Termine mussten Provinz 2022 den Rest ihrer Tour am Kölner Konzerttag abbrechen und die noch ausstehenden Termine ersatzlos streichen.

Knapp zwei Jahre später kehrten Provinz am 25.03.2024 nun ins Palladium zurück – mit ihrer Heimweg Tour 2024 machten sie gleich drei Abende infolge Halt in der Kölner Konzertlocation. Alle drei Shows waren mit rund 4.000 Besucher*innen pro Abend restlos ausverkauft. Eine beachtliche Leistung, wenn man bedenkt, dass die junge Band erst vor ein paar Jahren so richtig an Popularität gewonnen hatte und das Palladium tatsächlich zu den kleinsten Hallen ihrer diesjährigen Tour zählte! Die spannende Frage: sind Provinz, die vor ein paar Jahren noch als Straßenmusiker in ihrer Heimat unterwegs waren, solch riesigen Hallen bereits gewachsen?

Eröffnet wurde die erste der drei Palladium Shows aber zunächst von Paula Carolina als Support Act. Die Mitte 20-jährige Sänger präsentierte eine knappe halbe Stunde lang deutsche Indiepop-Songs, die mit etwas Punk und allerhand ironischen Lyrics gespickt waren. Das Publikum wirkte nicht allzu euphorisch, aber nahm den Auftritt von Paula Carolina dennoch als zufriedenstellendes Konzert-Warm-Up entgegen.

Um 21 Uhr war es dann endlich an der Zeit für den Auftritt von Provinz, die ihre Show recht unspektakulär mit einem kompletten Song vom Band (Kavinsky – Nightcall) einläuteten. Doch dann die große Überraschung: für ihren gleichnamigen Opener „Intro“ standen die drei Cousins Vincent (Gesang, Gitarre), Robin (Piano, Gesang), Mosse (Bass, Gesang) und ihr Freund Leon (Schlagzeug) auf einmal auf einer Erhöhung am Wellenbrecher genau vor der ersten Reihe. Die vier Bandmitglieder wurden jeweils von einem hellen Scheinwerfer angestrahlt und abwechselnd zum Takt der Musik ins Rampenlicht gerückt. Sänger Vincent begann den Song, der von der Liebe zur Livemusik handelt, zunächst akustisch, während die restlichen Bandmitglieder parallel an ihre Instrumente wechselten und der Song in ein lautes Finale überging. „Das ist mehr als Musik, deswegen hör ich nie auf.“ dröhnten die Lyrics passend durch die Halle. Ein toller Auftakt – das Publikum zeigte sich jedoch noch verhalten.

In der ersten Hälfte des Sets feuerten Provinz sogleich einen Hit nach dem anderen ab – von den Erfolg-Singles „Und wenn die Party vorbei ist“ und „Großstadt“ bis hin zur aktuellen Veröffentlichung „James Blake“ über den eigenen Lieblingskünstler. Mit jedem Song taute die Menge etwas mehr auf und lieferte zu den deutschsprachigen Texten der Band einen immer lauter werdenden Fan-Chor. Spätestens beim 2021 erschienenen Sommerhit „Liebe zu Dritt“ herrschte schließlich völlige Euphorie in der gesamten Halle und die Menge sprang gemeinsam zum Takt der Musik.

Zwischen den Liedern gab es winzige Ansagen, in denen die Band sich vorstellte, das Kölner Publikum begrüßte oder kurz und knapp auf den Inhalt des nachfolgenden Songs einging. Für einen noch unveröffentlichten Song („Walzer“) holten Provinz zwei Fans auf die Bühne, die auf einer Erhöhung Walzer tanzten, während das Publikum zur neuen Ballade fleißig mitschunkelte. Das Bühnenbild wirkte stimmig: neben der Erhöhung gab es außerdem bunte Leuchtkästen, die je nach Song in unterschiedlichen Farben erstrahlten – gemeinsam mit einem großen Kreis (Mond? Mentos? Ei-Dotter?), der über dem Schlagzeug hing und je nach Bedarf ein- und ausgefahren wurde.

Sänger Vincent überzeugte während des Konzertes stimmlich auf ganzer Linie – fast jeder Ton saß, wo er hingehörte – und auch Robin am Keyboard musste sich hinter seinem kleinen Cousin nicht verstecken, als er für „Zorn & Liebe“ und „Unsere Bank“ jeweils kurzzeitig ebenfalls ans Mikrofon wechselte und die Parts fehlender Feature-Gäste zum Besten gab. Allgemein waren Provinz musikalisch on Point, zeigten sich Fan-nah und stets energiegeladen.

Trotzdem flachte die Stimmung bei der Hälfte des Sets ein wenig ab – während zuvor vor allem Hits und schnellere Popsongs gespielt wurden, bestand die zweite Hälfte der Show überwiegend aus Balladen. Hierbei lieferte zwar der emotionale Trennungssong „Reicht dir das?“ den wohl lautesten Fan-Chor des Abends, doch vorbei waren die ausgelassenen Momente. Irgendwie fing sich die Stimmung dann auch längere Zeit nicht mehr so richtig, weil die melancholischen Momente überwiegten.

Unsere größte Kritik des Abends ist daher auch die Setlist: Provinz lieferten zwar mit 22 Songs ein zweistündiges, randvolles Programm, doch zwischen all ihren Hits fanden sich auch insgesamt 5 neue, unveröffentlichte Lieder. Von Fans geliebte Single-Auskopplungen wie „17 für immer“, „Diese Nacht“ oder der aktuellste Solo-Release „Blaue Stunde“ fehlten hingegen gänzlich. Insgesamt hatte man das Gefühl, dass die Band Songs ihres aktuellen Albums „Zorn & Liebe“ eher mied und sich stattdessen auf altbewährten Tracks oder unbekannten Neuheiten ausruhte. Dass bei neuen Songs, die außer der Provinz-Stammgäste noch niemand mitsingen konnte, die Stimmung etwas kippte, war natürlich ganz klar. In Kombination mit den vielen Balladen, die ihren Weg gegen Ende gemeinsam in die Setlist fanden, wurde die Stimmung zusätzlich gedrückt. Wir haben nichts gegen Balladen, doch hier fehlte irgendwie die richtige Balance.

Was außerdem unbedingt noch negativ angemerkt werden muss: zum Ende der Show kam es in der Menge zu mehreren Kreislaufzusammenbrüchen. Während die Securities mit Taschenlampen auf die benommenen Zuschauer*innen aufmerksam machten und Wasser verteilten, krümmte die Band keinen Finger. Klar, letztendlich ist es die Aufgabe der Securities auf die Sicherheit der Fans zu achten und nicht die Aufgabe der Band, aber wenn in der Menge eindeutig Unruhe herrscht, Sicherheitspersonal in Aufruhr ist und Fans sich von der Bühne abwenden, um einander zu helfen, dann ist es meiner Meinung nach nicht zu viel verlangt, die einstudierte Show kurz zu unterbrechen und ein paar Sekunden zu warten, bis den Betroffenen geholfen wurde. Vor allem wenn man im Vorfeld noch via Social Media und Hallenansage ein bandeigenes Awareness Team angepriesen hat, das dafür sorgen soll, dass alle Fans sich während der Show wohl und sicher fühlen. Die Awareness-Pflicht sollte die Band daher nicht ausschließen.

Das Konzert fand zum Glück aber noch ein rundes Ende. Niemand wurde ernsthaft verletzt und auch die geballte Balladenfront war vorbeigezogen. Mit ihrem Song „Spring“, der zeigen soll, dass man sich im Leben auch mal etwas trauen muss, brachten Provinz das gesamte Palladium noch einmal ausgelassen zum Springen und Feiern. Passend dazu auch der letzte Song „Tanz für mich“, mit dem die glücklichen Fans in die Nacht entlassen wurden. Besser hätte man die Show nicht beenden können.

Abschließend also noch einmal zurück zur Eingangsfrage: sind Provinz solch riesigen Hallen bereits gewachsen? Unsere Meinung: Ja und Nein. Das Talent und die Energie sind auf jeden Fall da. Die junge Band hat in den vergangenen Jahren bereits gezeigt, wozu sie fähig sind. Auch ihre ansteckenden und nachvollziehbaren Indie-Pop-Hits bieten mehr als genug Potential für ausgelassene Shows, Bewegung und Spaß. Doch sowohl Provinz als Band, als auch ihr nicht immer ganz so motiviertes Publikum haben hier noch ein wenig Arbeit vor sich, um mit einer spannenden Setlist, konsequenter Awareness und dauerhafter Euphorie genau dieses Ziel zu erreichen.

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