Dream Nails – Dream Nails

Dream Nails

„Women and non-binary People to the front!“ schreiben Dream Nails auf ihre Socials und geben damit den Leuten Raum, die auch im vermeintlich offenen Punk oftmals verdrängt werden. Ganz anders läuft das also bei den Dream Nails, die mit ziemlich großer Sicherheit in Windeseile zu den Lieblingsbands aller Queerfeminist*innen gehören werden. So einfach und direkt die Herangehensweise auf Design- und Soundebene auch wirken mag, Dream Nails wickeln mit ihrem Charme am Ende alle um den Finger. Auf den Rollschuhen, die auch der Fanbox beilagen (!), rast das Quartett schneller auf der Überholspur, als man „Starlight Express“ sagen kann.

Kurz und bündig

Schön garagiger Riot-Grrrl-Punk nimmt sich selten länger Zeit für ihre Statements als das Patriarchat für die Erniedrung queerer Menschen. So kann es auf den ersten Blick schon verwundern, dass sich auf dem Dream-Nails-Debüt gleich 15 Songs befinden. Aber keine Sorge, die vier verlieren sich nicht in unnötigem Pathos, sondern stellen ihren Kampfansagen gleich fünf aufmüpfige Spoken-Word-Interludes voran. Ähnlich wie bei „Cut & Stitch“ der Petrol Girls verstärkt dieser rote Faden einmal mehr den Manifest-Charakter der Platte.  Wobei das jetzt schon wieder ernsthafter klingt als es den Dream Nails lieb wäre. Am Ende ist „Dream Nails“ nämlich auch eine klare Party-Einladung, wie die luftigen Sommervibes in „People are like Cities“ oder „This is the Summer“ andeuten. Wie queer es auf dieser Veranstaltung zugehen würde untermalt auch das kecke „Swimming Pool“ mit dem Dialog „Do you like Girls?“ – „Yeah!“ – „Well, I do too!“. Ganz anders sehen die Karten für alle Macker aus, wie die andere Seite des Albums offenbart.

Von Spaß und Ernst

Mögen Platte, Cover und Band im einen Moment noch im Sommerkleid am Strand rumhüpfen, steht den Dream Nails auch das ungebürstete Straßenköter-Image. Das zeigen breitbeinigen Crossover-Riffs in „Payback“, zu dem das Quartett wütend „Hey Mister, get your hands off my Sister“ bellt, aber auch die Aggressionen im gekreischten Refrain der Anti-Queerphobie-Ansage „Kiss My Fist“. Im Herzen der Platte wartet mit „Vagina Police“ aber das wütendste Stück der Platte, dem die Betonung vorangeht „Not all Women Have Vaginas“. Während also wirklich alle queeren Personen hier ihre nächsten Tattoo-Vorlagen finden, spielen die Dream Nails auch mit der Popkultur. So dreht sich „Text Me Back“ um die Millenial-Angst, dass das Love Interest nicht zurückschreibt, versieht diese vor allem auch spaßige Nummer mit Zeilen wie „First there was a Kiss and now there’s blue Ticks“. Die Situation kennen wohl die meisten und werden in Zukunft  höchstwahrscheinlich diesen Song dazu auflegen.

Treffen Humor, Rollschuhe, wütende Hymnen, abwechslungsreiches Songwriting und eine riesige Portion Queerness aufeinander. Heraus kommt aber kein Witz, sondern das beste queerfeministische Punk-Debüt des Jahres.

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Rechte am Albumcover liegen bei Dine Alone Records.

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