girl in red – if i could make it go quiet

Review: Kaum ein Album wurde mehr von der LBTQI*-Community erwartet als das Debüt von girl in red. Autorin Emilia ist begeistert.

Es gibt nicht viele Künstler*innen, die bereits mit ihrer Debütsingle so einen großen Hype auslösen, wie girl in red es mit “i wanna be your girlfriend” 2018 getan hat – fast 170 Millionen mal wurde der Song bis heute auf Spotify gestreamt. Seitdem ist die Norwegerin aus sämtlichen Indie-Playlists und Listen der vielversprechendsten neuen Künstlerinnen kaum noch wegzudenken und hat mittlerweile über 2 Millionen Follower auf Instagram. Umso überraschender ist es eigentlich, dass erst jetzt, drei Jahre und zahlreiche Singles später, ihr lang erwartetes Debütalbum “if i could make it go quiet” erscheint – eine Platte, auf die sich das Warten aber mehr als gelohnt hat.

Schon beim ersten Hördurchgang wird klar: girl in red bleibt sich und ihrem einzigartigen Gitarren-Pop-Sound absolut treu und legt Wert darauf, ihren Stil mit hohem Wiedererkennungswert beizubehalten – traut sich aber auch das eine oder andere Experiment. Am meisten dürfte dabei der Rap-Part auf “Serotonin” hängen bleiben, aber auch die elektronisch anmutenden Drums und Bässe auf “hornylovesickmess” oder “Body and Mind” sind etwas, das man von dem atmosphärischen girl in red Sound bislang noch nicht so kannte.

Am eingängigsten ist trotzdem ohne Frage “You Stupid Bitch” – ein Song, der zwischen wütender Teenie-Musik á la Avirl Lavigne, energiegeladener Power-Hymne und feministischem Empowerment schwankt und damit sicherlich nicht nur mich komplett abholt. “Apartment 402” erinnert etwas später auf der Platte an den Sound von Billie Eilish – möglicherweise weil Billies Bruder und Produzent FINNEAS auch “if i could make it go quiet” produziert hat – und bei “Body and Mind” komme ich nicht drum herum, stilistische Verbindungen zu den twenty one pilots herauszuhören. Wenn man allerdings an die wohl größte Zielgruppe der Musik von girl in red und auch ihr eigenes Alter denkt, dann überraschen diese Assoziationen wohl kaum.

Das gleiche gilt für die Themen des Albums: Von Liebeskummer über Mental Health, Ängste, Wut und Unsicherheiten bis hin zu Euphorie – die Platte ist wahnsinnig emotional und funktioniert fast wie eine Reise durch das Innere von girl in red. Man kann ihr quasi dabei zusehen, wie sie mit Verlust, Liebe, Trauer oder Wut umgeht. Mal laut, mal leise, mal poppig-tanzbar und mal in ruhige Indie-Klänge gehüllt.

Wohl kaum eine Platte wurde von der LGBTQI*-Community und darüber hinaus in den vergangenen Wochen und Monaten sehnsüchtiger erwartet als diese und ich würde behaupten, dass wohl auch kaum eine Platte diese Erwartungen besser hätte erfüllen können, als “if i could make it go quiet”. Ein wahnsinnig persönliches und komplexes Album, das so vielseitig und doch so stimmig ist. Definitiv ein Debüt, auf das sich das lange Warten gelohnt hat.

Hier kannst du “if i could make it go quiet” auf Vinyl oder digital kaufen. *

Und so hört sich das an:

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Die Rechte für das Albumcover liegen bei AWAL Recordings.

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