Kadavar – The Isolation Tapes

Kadavar - The Isolation Tapes

Nachdem Kadavar 2019 ihr fünftes Album, “For The Dead Travel Fast”, veröffentlichten, hatte sich das Berliner Trio für 2020 vorgenommen mit diesem Werk im Gepäck die Welt zu bereisen. SARS-CoV-2 hatte den Reiseplänen der Band jedoch einen Strich durch die Rechnung gemacht. Anstatt die Bühnen dieser Welt zu besuchen, haben Kadavar sich dazu entschlossen eine Selbstfindungsreise im heimischen Studio zu unternehmen. Ergebnis dieser Reise ist ein zehn Stücke umfassendes Album mit dem Titel “The Isolation Tapes”. In Eigenregie entstanden, stellt das Werk die erste Veröffentlichung des noch jungen, von Kadavar selbst gegründeten Labels Robotor Records dar. Insgesamt ein amtlicher Label-Einstand, der die Berliner Band von bisher ungehörten Seiten zeigt.

Selbstfindung durch Isolation

Frontmann Lupus Lindemann zufolge führte die Corona-Pandemie dazu, dass er sich trotz Einschränkungen frei wie ein Vogel fühlte. Dieses Gefühl von Freiheit ermöglichte es ihm, einfach die Musik zu machen, welche gerade in seinen Gedanken aufkam. Trockener Retro Rock bildet das Fundament ihrer Musik, jedoch sind die Songs ihres aktuellen Albums viel experimentierfreudiger als ihre vorangegangenen Werke. Dominierende Synthesizer stellen den wohl signifikantesten Kontrast zwischen den “Isolation Tapes” und den älteren Alben der Band dar. Obendrauf haben Kadavar die Leichtigkeit des 2013 erschienenen Meilensteins “Abra Kadavar” wiedergefunden.

Wo auf ihren bisherigen Werken noch Black Sabbath, Pentagram und Steppenwolf Pate standen, erinnern die “Isolation Tapes” an Pioniere des Psychedelic und Progressive Rocks. Songs wie “(I Won’t Leave You) Rosi” atmen die Pink Floyd der Siebziger, als sich die britische Gruppe von abstrakten psychedelischen Klangwelten hin zu geradlinigeren Prog-Stücken entwickelte. Immer wieder klingen die Stücke der “Isolation Tapes” nach Floyd-Klassikern wie “Animals”, “Wish You Were Here” oder dem unerreichten “The Dark Side Of The Moon”. Vor allem die langen Synthesizer-Passagen sorgen für diese Assoziationen.

Zwischen Beatromantik und endlosen Trips

Eindeutig sind Pink Floyd während Kadavars Reise zum eigenen Selbst als Tripsitter in Erscheinung getreten. Während ihrer Expedition sind die Berliner aber auch anderen Gruppen über den Weg gelaufen. Unter anderem klingt das Album nach den Beatles der “Sgt.-Pepper”-Ära, ihrer psychedelischsten Phase, oder Spacerock à la Hawkwind. Darüber hinaus verarbeitet Kadavars jüngstes Album ebenfalls moderne Einflüsse: In “Everything Is Changing” treffen Dreampop der 2000er Jahre auf den Sound früher Beatbands.

Bei solch einer Masse an Assoziationen kommt die Frage, ob die “Isolation Tapes” nur kopieren oder auch innovieren, schnell auf. Einen Paradigmenwechsel nehmen Kadavar mit ihrer jüngsten Platte nicht vor. Genauso wenig kopieren die Berliner stumpf Helden der Rock-Geschichte. Die Antwort liegt dazwischen: Kadavar arrangieren den Sound der Bands, die sie verinnerlicht haben, neu und spiegeln dadurch ihre Gefühlswelt wider. Bei solch hypnotischen und anregenden Output bleibt es wünschenswert, dass Kadavar sich auch in Zukunft auf Trips zu sich selbst begehen, um ihr Inneres zu erforschen und die Ergebnisse anschließend vertonen.

Das Album ist hier erhältlich.*

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Die Rechte am Albumcover liegen bei Robotor.

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