Lüt – Mersmak

Lüt - Mersmak

Mit “Mersmak” veröffentlichen Lüt in diesem noch jungen Jahr den bereits zweiten musikalischen Streich, der seinen Ursprung im hohen, rohen Norden Norwegens hat. Vor wenigen Tagen erblickte das wunderbare “Post People” von Heave Blood & Die das Licht der Welt. Lüt und Heave Blood & Die stammen beide aus dem abgelegenen, von urtümlicher Natur umgebenen Tromsø. Musikalisch weisen beide Bands, bis auf ihre unkonventionelle Herangehensweise, wenig Gemeinsamkeiten auf. Wo Heave Blood & Die musikalisch über die Zukunft der Menschheit philosophieren, greifen Lüt tief in die Punkrock-Memorabilia-Kiste und kramen alles aus, was in den letzten 30 Jahren Wellen geschlagen hat. Ihre skurrilen Funde kombinieren sie mit dem skandinavischen Zeitgeist der letzten Dekade.

Bisher galt die Band sogar unter LiebhaberInnen des skandinavischen Punkrocks als absoluter Geheimtipp. “Mersmak” könnte Lüt nun einem deutlich breiteren Publikum vorstellen. Ambitioniert genug ist es alle Male.

Zwischen Nonkonformismus und Nostalgie

Das Albumcover wird von einem jungen Herren mit schief gestutztem Schnauzbart und zurückgebundenen Haaren, gekleidet in einer gefütterten Jeansjacke geziert. Im Hintergrund ist eine vielbefahrene Straße zu sehen und die zahlreichen Palmen verraten, dass dieses Foto definitiv nicht im frostigen Norwegen geknipst wurde. Insgesamt bringt es das Foto dabei ziemlich genau auf den Punkt, worum es sich bei Lüt handelt: Eine junge Band, die ihrem Nonkonformismus ebenso viel Ausdruck verleihen will, wie ihrem Hang zur Nostalgie. Dabei ergänzen sich diese beiden Elemente und sorgen dafür, dass “Mersmak” zwar unerwartet, aber keineswegs unpassend klingt.

Der Titelgebende Opener versprüht einen Hauch von The Clash, erinnert stellenweise ebenso an Pkew Pkew Pkew und Fidlar. Sobald der Gesang einsetzt offenbart sich wiederum ihr scheinbar größter Einfluss: Kvelertak. Die ebenfalls aus Norwegen stammende Ausnahmeband hat sich in Lüts DNA verfestigt, wie kaum eine andere Gruppe. Dabei kommt der Einfluss vor allem durch kraftvolle Akzente hervor. Besonders oft erinnert “Mersmak” an Kvelertaks erste EP aus dem Jahr 2007. Am eindeutigsten kommt der Einfluss in “L Tero” zum Vorschein, ein Song, der fast genauso auf Kvelertaks erstem Langspieler hätte erscheinen können.

Neben dem Sextett aus Stavanger haben aber auch zahlreiche andere Gruppen ihre Prägung bei Lüt hinterlassen. “Homme Fatale” und “Viep” erinnern durch ihre poppigen Vibes an Ondt Blods Pop-Punk-Hardcore-Verschnitt. “Krei” versprüht einen Hauch von Blink 182 und Sum 41 der frühen 2000er. “We Will Save Scandirock” hingegen fährt die klassische Hard-Rock-Schiene, schaut dabei trotzdem über den eigenen Tellerrand und scheint die Antwort auf die von The Good The Bad And The Zugly 2015 gestellte Frage “Who Will Save Scandirock” zu sein. Sogar die Pixies finden ihren Platz in Lüts Sound und kommen vor allem in Indie-dominierten Momenten zum Vorschein.

Blutkehlen, Charme und Authentizität

Egal ob Skatepunk, poppige Melodien, hauchdünne Black-Metal-Allüren oder verbrauchte Blutkehlen, Lüt können einfach alles, was irgendwen irgendwann mal provoziert hat. Dabei bleibt das junge Quintett stehts liebenswert. Mit ihrem geselligen, weltoffenen und innovativen Sound reihen Lüt sich zwischen Gruppen wie den Beachheads und The Needs ein, womit sie beweisen, dass Norwegen nach wie vor die Nummer eins in Sachen Punk-Rock-Indie-Hybriden ist.

“Mersmak” überzeugt durch Charme und Authentizität auf ganzer Linie. Auf der einen Seite scheinen Lüt ihren Sound gefunden zu haben. Auf der anderen Seite lässt dieser Sound noch genügend Platz für Experimente, weshalb Lüt und ihren ZuhörerInnen so schnell nicht langweilig werden dürfte. Gespannt darf dem nächsten Werk der Band entgegengefiebert werden. Die Richtung ist festgelegt, wohin die Reise hingeht letztendlich noch unklar. Was feststeht ist, dass “Mersmak” schon jetzt die Erwartungen an 2021 sehr hoch gesetzt hat.

“Mersmak” ist hier auf Vinyl erhältlich und über diesen Link kommt ihr zur digitalen Version.*

Und so hört sich das an:

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Die Rechte am Albumcover liegen bei Crestwood/Loud/Warner.

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